18. Dezember 2002 · Quelle: tagesspiegel

Immigranten zu vermieten”

Pots­dam. Bei ein­er Aus­län­derquote von nur zwei Prozent in Bran­den­burg, haben es die Inlän­der schw­er, über­haupt mal Zugereiste ken­nen zu ler­nen, dachte man sich beim Vere­in „Gesicht zeigen” und sann auf Abhil­fe. Her­aus kam das Pro­jekt „Mod­erne Zeitzeu­gen – Rent an immi­grant”. Seit Juni 2002 läuft es unter der Schirmherrschaft von Bran­den­burgs Bil­dungsmin­is­ter Stef­fen Reiche. Gestern wurde es in Pots­dam erst­mals öffentlich vorgestellt. „Der Name ist bewusst pro­voka­tiv”, sagt Sophia Opper­mann von „Gesicht zeigen”, „und somit ein guter Aufhänger für ein erstes Gespräch.” Durch Ver­mit­tlung von „rent an immi­grant” sollen Migranten und deren Nach­fahren Schulen besuchen und dort von sich erzählen. „Wenn man sich per­sön­lich begeg­net, ver­schwinden Vorurteile”, sagte Vere­in­schef Uwe-Karsten Heye. Das Beson­dere an „rent an immi­grant” sei, dass es zeige, dass „Fremde nicht nur Prob­leme machen, son­dern das Leben bere­ich­ern”. Wie das ausse­hen kann, zeigte ein klein­er Film, der die Inderin Suja­ta Baner­jee bei ihrem Besuch in der Gesamtschule Wolters­dorf zeigt. Sie hat­te den Schülern indis­che Musik vorge­spielt. Am Ende tanzten alle begeis­tert zu den frem­den Klän­gen. Auch Street­work­er Ilhan Emir­li aus der Türkei schaffte es, die Jugendlichen, die er traf, von den Stühlen zu reißen. Die Schüler gaben ihm sog­ar ihre Adressen und bat­en ihn um türkische Hip-Hop-Musik. Schaus­pielerin Türk­iz Talay („SK Babies”) hat eben­falls bei dem Pro­jekt mit­gemacht. Unter Vor­be­halt, denn auch sie hat­te Vorurteile gegenüber den Bran­den­burg­er Schülern, mit denen sie zusam­me­nar­beit­en sollte. Sie war unsich­er, wie man sie als Türkischstäm­mige behan­deln würde. Türk­iz Talay hat die Realschule Forst und die Gesamtschule Wel­zow besucht. „Ich habe von dem All­t­ag eines Schaus­piel­ers erzählt und mit den Schülern dann auch eine Szene der SK Babies gespielt”, sagte Talay. Danach war das Eis gebrochen, Gespräche kamen in Gang. „Ich war erstaunt, wie sehr sich die Schüler vor­ab über mich, über die Türkei und über Migranten informiert hat­ten”, sagte Talay. Sie möchte das Pro­jekt gerne weit­er unter­stützen, weil es bei­den Seit­en nütze. Die Finanzierung des Pro­jek­tes, das in diesem Jahr durch das Bun­de­spro­gramm Civ­i­tas gefördert wurde, ist für das näch­ste Jahr indes noch nicht voll gesichert.

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