3. März 2005 · Quelle: Lausitzer Rundschau

In Breesen wird im April Gen-Mais ausgesät

Bun­desregierung veröf­fentlichte die Liste der Anbau­flächen

Gross Breesen. Nach­dem die Bun­desregierung in der ver­gan­genen Woche die
Flächen veröf­fentlicht hat­te, auf denen ab April gen­ma­nip­ulierte Feld­früchte
ange­baut wer­den sollen, stand fest, dass auch in Guben bald der so genan­nte
Gen-Mais wach­sen wird. Von ins­ge­samt 15 Feldern in Bran­den­burg befind­en sich
allein sechs im Ort­steil Groß Breesen. von Jan Siegel

Die einen feiern es als den Fortschritt in der mod­er­nen Land­wirtschaft
schlechthin. Andere haben panis­che Angst davor. Die Aus­saat von
Getrei­des­orten,
deren Erbgut so manip­uliert wurde, dass ihnen gefürchtete Schädlinge nichts
mehr anhab­en kön­nen, ist nicht ganz neu in Bran­den­burg. Neu ist aber die
Tat­sache, dass ab diesem Jahr jed­er weiß, wo das gen­ma­nip­ulierte Grün­fut­ter
sprießt.
Grund dafür ist die seit ein­er Woche in Deutsch­land gel­tende Meldepflicht
für Gen-Felder, wonach Betreiber von Gen­feldern verpflichtet sind, drei
Monate
vor der Aus­saat ihr Vorhaben beim Bun­de­samt für Ver­brauch­er­schutz und
Lebens­mit­tel­sicher­heit anzumelden.

Nach Angaben des Bauern­bun­des, der vor allem kleinere Fam­i­lien­be­triebe
ver­tritt, soll Gen­mais in Bran­den­burg auf knapp 494 Hek­tar ange­baut wer­den,
dies
entspreche etwa der Hälfe der gesamten bun­desweit gemelde­ten Anbau­fläche.
Allein in Guben wur­den 87 Hek­tar für die Bestel­lung mit Gen-Mais angemeldet.
Die
Flächen liegen alle im Guben­er Ort­steil Groß Breesen. Gle­ich hin­ter dem
Bah­nüber­gang am Kupfer­ham­mer begin­nen sie.

Die Aus­saat sei “über­flüs­sig und schädlich für die Inter­essen unser­er
Land­wirtschaft”, sagte Bringfried Wolter, Vizepräsi­dent des Bauern­bun­des
Bran­den­burg, in dieser Woche der Presse. Die Gen­tech­nik diene nur dazu,
“acker­bauliche
Fehler kurzfristig auszu­gle­ichen”.

Gefräßige Fliegen
Dirk Gesternko­rn ist zuständig für den Bere­ich Saatgut der Märkische
Kraft­fut­ter GmbH (Mär­ka) in Eber­swalde und ein Ver­fechter des Ein­satzes von
Gen­tech­nik beim Fut­ter­mit­te­lan­bau. Das Unternehmen ver­sorgt auch
land­wirtschaftliche
Betriebe im Guben­er Raum mit Saatgut, darunter auch genetisch manip­uliertes.

Er argu­men­tiert damit, dass der Maiszünsler, ein fliegen­der Schädling, den
Bauern in der rel­a­tiv war­men Oder-Neiße-Region immer wieder mas­siv zuge­set­zt
und erhe­bliche Ver­luste verur­sacht habe. Das Tier frisst sich in die Stän­gel
der Maispflanzen und lässt sie umknick­en.

Ger­stenko­rn räumt ein, dass sich auch durch mas­siv­en Chemieein­satz der
gefräßige Zünsler bekämpfen lasse, stellt aber die retho­rische Frage, ob das
ökol­o­gisch wün­schenswert­er sei.

In die Zellen des gen­tech­nisch verän­derten Mais­es sei eine Aminosäure
einge­baut, die dem Maiszünsler nicht schmecke und so die Pflanzen vor dem
Befall
schütze.

Bauern AG zurück­hal­tend

Obwohl auch die Bauern AG in Grießen bere­its mit genetisch verän­dertem
Saatgut exper­i­men­tiert hat, ste­ht sie in diesem Jahr nicht auf der jet­zt
veröf­fentlicht­en Liste der Bun­desregierung. Der Vor­sitzende der Bauern AG
Hel­mut Baum
ken­nt die Vorteile der “mod­er­nen” Pflanzen, die das Ver­lus­trisiko für die
Bauern verklein­ern. Trotz­dem set­zt er bei der Tier­pro­duk­tion auf
gen­tech­nisch
unverän­derte Fut­ter­mit­tel, vor allem aus der eige­nen Pro­duk­tion. Den
Maiszünsler hal­ten Baum und sein Team bish­er dadurch im Zaum, dass sie nach
der Ernte
die Mais­stop­peln tief unterpflü­gen und die Schädlinge damit ein­fach
“begraben”.

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