5. Juli 2005 · Quelle: MOZ

Jugendliches Volk außer Kontrolle?

(ANDREAS WENDT, MOZ) Eisen­hüt­ten­stadt — Nach den erneuten Auss­chre­itun­gen von Jugendlichen am zurück­liegen­den Woch­enende haben sich Polizei und Stadtver­wal­tung gestern zu ein­er Krisen­sitzung getrof­fen, um der Lage Herr zu wer­den. Nach dem Über­fall von Mask­ierten auf die Diskothek am Trock­endock am Fre­itag vor­let­zter Woche belagerten an diesem Son­ntag­mor­gen etwa 30 zum Teil voll­trunk­ene Jugendliche nach einem Disko-Besuch im “Beat Club” das Wohnge­bi­et in der Guben­er Straße, die dor­tige Go-Tankstelle und die Fröbelringpassage. 

“Sie haben auf unser Grund­stück uriniert und ich habe mir Dinge sagen lassen müssen, die ich mein ganzes Leben nicht zu hören bekam”, sagt eine Anwohner­in aus der Guben­er Straße nach ein­er schlaflosen Nacht. Ihren Namen möchte sie nicht veröf­fentlicht wis­sen — zuviel ist in den let­zten Monat­en schon passiert. Inzwis­chen vier Mal hat sie Anzeige bei der Polizei erstat­tet, nach­dem betrunk­ene Diskothekenbe­such­er aus dem “Beat Club”, der ehe­ma­li­gen Gast­stätte “Oder­w­erft”, am frühen Son­ntag­mor­gen das Leben der Anwohn­er zur Hölle macht­en. Kaputtge­tretene Blu­menkü­bel oder her­aus­geris­sene Balkonkästen sind noch ger­ingfügige Schä­den. “Ich bezwei­fle, dass die Jugendlichen nur vom Alko­hol benebelt waren”, sagt die Anwohner­in und will jet­zt eine Unter­schrifte­nak­tion ini­ti­ieren. Woge­gen? “Gegen den Lärm von der Disko”, sagt sie und ärg­ert sich zugle­ich über die Untätigkeit der Stadtverwaltung. 

Noch viel schlim­mer hat es Diet­mar Adolph erwis­cht. Adolph ist Tankstel­len­pächter, bewirtschaftet u.a. die Aral-Tankstelle in der Karl-Marx-Straße. Seine Tochter führt die Geschäfte in der Go-Tankstelle in der Guben­er Straße. Nach­dem es schon seit Wochen Prob­leme mit angetrunk­e­nen Disko-Besuch­ern gab, entschloss sich Adolph, die Tankstelle am Son­ntag erst um 8 und nicht wie son­st um 6 Uhr zu öff­nen, um die uner­wün­schte, alko­holisierte Kund­schaft so abzuschreck­en. “Wir haben schon nur über den Nachtschal­ter verkauft”, sagt Adolph. Aus gutem Grund, denn zuvor wurde dem Per­son­al sog­ar Gewalt ange­dro­ht, als es sich weigerte, Getränke her­auszugeben. Für den Tankstel­len­pächter ist das betrunk­ene Volk in der Auf­fahrt geschäftss­chädi­gend. Wer Son­ntag mor­gens frische Brötchen holen oder tanken will, mei­det nach den Vorkomm­nis­sen ver­gan­gener Woch­enen­den diese Tankstelle. “Das bedeutet für uns: Weniger Kun­den, weniger Ein­nah­men und wirkt sich irgend­wann aufs Per­son­al aus”, sagt Adolph. 

An diesem Son­ntag beste­ht die Gruppe, die gegen 8 Uhr erst­mals im Malzweg auf­fällt, weil einige der Angetrunk­e­nen und Bek­ifften (Polizei) auf eine Bushal­testelle klet­tern, aus etwa 25 Leuten. Die Polizei erteilt den Jugendlichen zunächst Platzver­weise, doch nur einige fol­gen den Anweisun­gen. Elf Jugendliche im Alter von 23 bis 26 Jahren ziehen weit­er in die Guben­er Straße. Ein­er legt sich auf die Straße, so dass eine Pkw-Fahrerin auswe­ichen muss. Sie ver­ständigt die Polizei, die erneut ein­schre­it­en muss. Die Jugendlichen ste­hen nach Polizeiangaben zum Teil auch unter Dro­gene­in­fluss. Erneut spricht die Polizei einen Platzver­weis aus, den die Jugendlichen befolgen. 

Um 10 Uhr dann ver­sam­melt sich die Truppe aber erneut: an der Tankstelle in der Guben­er Straße. Die Jugendlichen ver­suchen hier mehrmals Fahrzeuge auf der Straße anzuhal­ten. Die Kassiererin der Tankstelle fühlt sich bedro­ht und schließt alle Türen. Die Jugendlichen, bis auf eine Frau alles Män­ner, ziehen weit­er in Rich­tung der Frö­bel­ring­pas­sage, wo sie damit begin­nen, sich untere­inan­der zu prügeln. Die Polizei fordert Ver­stärkung aus anderen Wachen und dem Bun­des­gren­zschutz an. Erst jet­zt nehmen die Beamten sechs Per­so­n­en fest, die bere­its teil­weise wegen Land­friedens­bruchs auf­fäl­lig waren. Gegen ins­ge­samt elf Per­so­n­en wird wegen Nöti­gung und Belei­di­gung ermit­telt. Wachen­leit­er Wolf­gang Schu­mann bringt die Vorkomm­nisse vom jüng­sten Woch­enende jedoch nicht mit der “Haed Core”-Truppe in Verbindung, die am 24. Juni das Trock­endock über­fiel. Hier soll es sich um die so genan­nten “EH-Chaoten” han­deln. Schu­mann bit­tet zugle­ich, alle Verkehrsteil­nehmer, die durch die Angetrunk­e­nen gefährdet wur­den, sich bei der Polizei zu melden.

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