14. November 2014 · Quelle: Presseservice

Karstädt (Prignitz): Bürgerversammlung zu Flüchtlinge und Asyl / Polizei äußert sich zu Neonazis im Ort

Nach­dem die kleine Gemeinde Karstädt (Land­kreis Prig­nitz) im Juli 2014 mehrere syrische Flüchtlings­fam­i­lien aufgenom­men und ihnen Wohn­raum zur Ver­fü­gung gestellt hat­te, het­zte plöt­zlich eine Social­me­dia-Kam­pagne mit dem Namen „Karstädt WEHR DICH“ via State­ments im Inter­net und Fly­ern als Post­wurf­sendung gegen die Asyl­suchen­den. Darüber hin­aus taucht­en Anti-Asyl Stick­er an Straßen­leucht­en und gesprühte NS Schmier­ereien am Bahn­hof und im Neubau­vier­tel auf.
Bürg­erver­samm­lung im Landgasthaus
Am Mittwochabend fand deshalb von 18.00 bis 19.00 Uhr eine Bürg­erver­samm­lung zum The­ma „Wohin mit Flüchtlin­gen und Asyl­suchen­den“ in einem Landgasthaus in Karstädt statt. Auf dem Podi­um saßen der Bürg­er­meis­ter, Vertreter_innen der Arbeit­er­wohlfahrt (Awo), der Polizei, des Land­kreis­es, der Woh­nungs­baugenossen­schaften, von KiTas und Grund­schulen. Im Pub­likum saßen unge­fähr 100 Men­schen, wovon sich min­destens zwei Per­so­n­en durch ihren auf­fäl­li­gen THOR STEINAR Dress als Sym­pa­thisan­ten des neon­azis­tis­chen Milieus zu erken­nen gaben. Ob sie für „Karstädt WEHR DICH“ dort saßen blieb unklar, sie äußerten sich an dem Abend zu kein­er The­matik.
Über­haupt spiegelte der Out­put der lokalen Het­zkam­pagne gegen Asyl­suchende nicht die Stimm­lage auf der Ver­samm­lung wieder. Im Gegen­teil, die Karstädter gaben sich eher recht aufgeschlossen gegenüber der Auf­nahme der Flüchtlinge im Ort. Sicher­lich wären dem Bürg­er­meis­ter, als CDU-Mann, Men­schen mit christlich­er Reli­gion lieber gewe­sen, so sein State­ment während der Ver­samm­lung, trotz­dem hat­te er sich aber  bere­its im Juli dazu bere­it­erk­lärt, die Syr­er in sein­er Gemeinde aufzunehmen.
Aus­län­der­feindlichkeit oder gar Ras­sis­mus war hinge­gen auf der Bürg­er­samm­lung nicht zu spüren. Kri­tik gab es nur am Man­age­ment  und zwar im Hin­blick auf die Kom­mu­nika­tion mit den Behör­den. Vor allem der Spra­chunter­schied bere­it­et immer wieder Prob­leme. Es gibt keine Dol­metsch­er im Kreis. Eine Per­son aus der Kreis­stadt Per­leberg, die ehre­namtlich über­set­zt, bleibt zu dem auf dem größten Teil ihrer Kosten sitzen. Beklagt wurde in diesem Zusam­men­hang, dass Dol­metscher­leis­tun­gen wed­er vom Land­kreis, noch vom Land und auch nicht vom Bund gefördert wer­den.
In den KiTas und Grund­schulen, in denen die Kinder der Syr­er inte­gri­ert wur­den, gibt es eben­falls noch sprach­liche Bar­ri­eren, so die Erzieher und Lehrer. Allerd­ings seien die Men­schen aus der Ferne sehr nett und für Selb­stver­ständlich­es äußerst dankbar. Auch die syrischen Schulkinder machen Fortschritte, so eine Vertreterin der Grund­schule. Jedoch würde sie sich eben­falls über mehr Unter­stützung durch das Schu­lamt, ins­beson­dere im Hin­blick auf die Unter­rich­tung der Flüchtlingskinder in deutsch­er Sprache, freuen.
Trotz­dem helfen die Ein­wohn­er der Gemeinde gerne, wo es geht, so jeden­falls der Ein­druck auf der Ver­samm­lung. Auch eine direk­te Nach­barin der Syr­er meldete sich zu Wort und gab an, dass sie die Flüchtlinge bere­itwillig unter­stütze. Sie bestätigte eben­falls die Fre­undlichkeit der Fam­i­lien, ihre Dankbarkeit und ihren Inte­gra­tionswillen.
Weit­ere Flüchtlinge wer­den im Kreis erwartet
Im gesamten Land­kreis Prig­nitz (78.000 Einwohner_innen) leben zurzeit 260 Asyl­suchende, so ein Vertreter des Kreis­es während der Bürg­erver­samm­lung. Bis Ende 2014 sollen noch ein­mal 82 fol­gen, davon zwölf Flüchtlinge aus Syrien. Die Betreu­ung der Asyl­suchen­den obliegt der Awo.
Im näch­sten Jahr wer­den weit­ere Men­schen erwartet, die in der Prig­nitz Asyl suchen oder als Flüchtlinge geduldet wer­den sollen.
Neon­azis­tis­chen Aktiv­itäten im Ort
Zur Sprache kam während der Bürg­erver­samm­lung auch noch ein­mal die im Okto­ber 2014 von Neon­azis durchge­führte „Mah­nwache“ in Karstädt. Dies­bezüglich betonte der Bürg­er­meis­ter, dass die „freien Prig­nitzer oder wie die heißen“ (gemeint sind offen­bar die „Freien Kräfte Prig­nitz“, die sich im Inter­net zu der Kundge­bung bekan­nten) ihren Sitz in Lanz, ein­er kleinen Gemeinde zwis­chen den Städten Lenzen/Elbe und Wit­ten­berge, hät­ten.
Ein Vertreter der Polizei ergänzte weit­er­hin, dass an der Ver­samm­lung in Karstädt elf Per­so­n­en teilgenom­men hat­ten und nach Beendi­gung der Ver­anstal­tung, ohne Vorkomm­nisse, wieder abreis­ten. Die Beamten haben zu dem Präsenz gezeigt bzw. schützende Maß­nah­men ergrif­f­en, um die Ver­samm­lung­steil­nehmer vor eventuellen „Geg­n­ern“ zu schützen, so der Polizist auf dem Podi­um.
Daraufhin wollte ein Teil­nehmer der Bürg­erver­samm­lung vom Vertreter der Polizei wis­sen, was eigentlich gegen die „ewig gestri­gen“ (gemeint waren die Neon­azis) sel­ber unter­nom­men werde. Hier würde alles zur Ver­fü­gung ste­hende „know how“, also sowohl Per­son­al, als auch Tech­nik gegen die Straftäter_innen einge­set­zt, so der Beamte.
In Bezug auf die jüng­sten Sprayereien in Karstädt, darunter auch Hak­enkreuze, kon­nte so bere­its ein Tatverdächtiger ermit­telt wer­den. Bei diesem fand auch eine Haus­durch­suchung statt.

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