3. Januar 2005 · Quelle: MAZ

Kleinlaute Krawallmacher

(MAZ, Frank Pechold) KÖNIGS WUSTERHAUSEN “Wenn alles ruhig bleibt, stoßen wir gemein­sam auf 2005 an”, sagte Karin
Schön­herr. Sie leit­ete um den Jahreswech­sel die Dien­st­gruppe in der
Polizei­wache Königs Wuster­hausen. Bis 24 Uhr geschah nichts
außergewöhn­lich­es. Aber kurz nach Mit­ter­nacht begann ein Ein­satz, den die
Ord­nung­shüter nicht so schnell vergessen werden. 

Notruf-Ein­sätze koor­dinierte Regi­na Stein­er. Einen Streifen­wa­gen schickte
sie nach Halbe. Im Ort­steil T€w war ein Briefkas­ten mit Böllern
hochge­jagt wor­den. Base­ballschläger und Luft­druck­gewehr nah­men Beamte einem
Mann ab, der damit gegen 22 Uhr Kinder auf der Zeuthen­er Fasanenstraße
bedro­ht hat­te. Kurz vor Mit­ter­nacht kehrte Bernd Bit­tner von Streife zurück.
“Noch ist es recht ruhig”, sagt er. “Das kann sich schla­gar­tig ändern”,
meinte Andreas Bär­wind, als er den Imbiss im Pausen­raum mit vorbereitete:
Pfannkuchen, Salate, Wiener, Bulet­ten. Vor dem Imbiss sam­melte sich die
gesamte Wach­schicht an Regi­na Bit­tners Leit­pult, um mit der Radios­timme das
alte Jahr auszuzählen. “.…3, 2, 1 — Prosit Neujahr!” 

Bald unter­brach der erste Notruf im neuen Jahr die kurze Pause. Katrin
Kowatsch und Ron­ny Led­wig fuhren ins Königs-Wuster­hausen­er Neubaugebiet.
Anwohn­er der Schenk­endor­fer Flur beschw­erten sich über Nach­barn, die Böller
aus dem vierten Stock auf Fußgänger gewor­fen haben sollen. Schnell waren die
Gemüter beruhigt. Gegen ein Uhr lief der sech­ste Notruf auf. Wieder aus dem
Neubau­vier­tel, dies­mal Märkische Zeile. Eine Mut­ter sprach von mutwillig auf
Men­schen gewor­fe­nen Knallern. Ihre Tochter sei am Auge ver­let­zt worden.
Mut­maßliche Täter waren polizeibekan­nte Größen aus der recht­en Szene.
Sicher­heit­shal­ber rück­ten drei Streifen­wa­gen aus. “Ich kann Böller schmeißen
wann und auf wen ich will”, grölte ein­er der betrunk­e­nen Män­ner. Rasch wuchs
die kleine Gruppe auf rund 15 Gesin­nungsgenossen an. Um die Sit­u­a­tion zu
entschär­fen, zog sich die Polizei auf einen nahen Park­platz zurück. 

Aufk­lärungsrun­den ergaben, dass die Ran­dalier­er zur Aral-Tankstelle zogen.
Zwis­chen­zeitlich pro­duzierten sich hier rund 35 junge Män­ner und Frauen.
Fünf Polizei-Wagen postierten sich in Sichtweite am äußer­sten Rand des
Park­platzes vorm Nor­ma-Markt. Plöt­zlich spitzte sich die Sit­u­a­tion zu.
Wieder­holt wur­den Raketen auf die Polizei abge­feuert. Knal­lkör­p­er und
Flaschen flo­gen. Ein Knal­lkör­p­er traf Karin Schön­herr am Kopf. Per Funk
forderte sie Bere­itschaft­spolizei aus Fürsten­walde und Straußberg an. Als
die Son­dere­in­satzkräfte unbe­merkt von den Ran­dalier­ern rund um die
Tankstelle Posi­tion bezo­gen hat­ten, ging alles blitzschnell. Mit Geschrei
und Schutzaus­rüs­tung ran­nten die Polizis­ten auf die Krawall­mach­er zu, die
wenig später klein­laut gefes­selt am Boden lagen und auf ihren Abtransport
warteten. 

Auss­chre­itung endete mit 23 Festnahmen

(Polizeire­port / auch MAZ) Gegen 01.00 Uhr des Neu­jahrtages wurde die Polizei in Königs Wuster­hausen in die Märkische Zeile gerufen, weil es dort zu ein­er Kör­per­ver­let­zung gekom­men war. Aus ein­er Per­so­n­en­gruppe her­aus wurde ziel­gerichtet Pyrotech­nik auf einen Geschädigten geworfen. 

Bere­its während der Anzeige­nauf­nahme sam­melten sich mehrere Per­so­n­en, die der recht­en Szene in Königs Wuster­hausen zuzuord­nen sind. Eine Gruppe von ca. 35 über­wiegend Jugendlichen ver­sam­melte sich schließlich an ein­er nahe gele­ge­nen Tankstelle, wo Alko­hol kon­sum­iert, Ruh­estörun­gen began­gen und auf dem Gelände Feuer­w­erk­skör­p­er gezün­det wur­den. Zusam­menge­zo­gene Kräfte der Polizei forderten die Per­so­n­en­gruppe auf, das Abbren­nen von Pyrotech­nik auf dem Gelände der Tankstelle zu unter­lassen und den Bere­ich zu räu­men. Da die alko­holisierten Ran­dalier­er der Auf­forderung nicht nachka­men, griff die Polizei ein. Aus der Per­so­n­en­gruppe her­aus war­fen einzelne Stör­er Pyrotech­nik und Flaschen auf Streifen­fahrzeuge und Polizeibeamte. Eine Beamtin wurde von einem Feuer­w­erk­skör­p­er am Kopf getrof­fen und am Ohr ver­let­zt, zwei weit­ere erlit­ten leichte Ver­let­zun­gen. An den Fahrzeu­gen der Polizei ent­standen Sach­schä­den von rund 1.000 Euro. 

Die Polizei nahm 23 Per­so­n­en fest. Den Festgenomme­nen wer­den u. a. schw­er­er Land­friedens­bruch, Zer­störung wichtiger Arbeitsmit­tel und Kör­per­ver­let­zun­gen zur Last gelegt. Zwei weit­ere Jugendliche, die Klei­dung mit Thor-Steinar-Sym­bol­en tru­gen, erhiel­ten eine Anzeige wegen des Ver­wen­dens von Kennze­ichen ver­fas­sungswidriger Organisationen. 

Die Festgenomme­nen, die im über­wiegen­den Maße der Polizei bere­its wegen früher­er Delik­te bekan­nt sind, mussten sich ein­er Blutalko­holkon­trolle unterziehen. Bei einem ersten Atem-Alko­hol-Test wur­den Werte bis zu 2,08 Promille fest­gestellt. Nach Rück­sprache mit der Staat­san­waltschaft wur­den die Festgenomme­nen aus dem Gewahrsam ent­lassen. Sie erhiel­ten einen Platzver­weis für den Bere­ich der Tankstelle, auf der es zu den Auss­chre­itun­gen kam. 

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