18. Juni 2015 · Quelle: Presseservice

Kloster Lehnin: Zwischen Ablehnung und Willkommen — Einwohnerversammlung zur geplanten Asylunterkunft in Damsdorf

Titel
Auch der heutige Abend stand, wie so oft in den let­zten Tagen und Wochen, voll und ganz im Fokus der Diskus­sion zur Auf­nahme von neuen Flüchtlin­gen. Da deren Anzahl weit­er­hin steigt, sind die jew­eili­gen Admin­is­tra­tio­nen bestrebt, ihnen die vom Geset­zge­ber zugesicherten Unterkün­fte zur Ver­fü­gung zu stellen.
Auch die Land­kreise in Bran­den­burg ste­hen hier in der Pflicht. Gestern wurde über einen geplanten neuen Stan­dort in Schön­walde-Glien (Land­kreis Havel­land) informiert, heute die Einwohner_innen des Lehnin­er Ort­steils Dams­dorf (Land­kreis Pots­dam-Mit­tel­mark). Bei­de Gemein­den verbindet der ländliche Sied­lungscharak­ter und die Abwe­sen­heit urbaner Infra­struk­turen. Allerd­ings gibt es an bei­den Orten große, ungenutzte Flächen die für die tem­poräre Bebau­ung sowie für die Nutzung als Unterkun­ft für Asyl­suchende und Flüchtlinge geeignet sind. Auch wenn dies nicht unbe­d­ingt dem Ide­al­fall ein­er Woh­nun­ter­bringung entspricht.
Während im Havel­land aber ein Neubau geplant ist, wird der Land­kreis Pots­dam-Mit­tel­mark einen 2004 geschlosse­nen Kaser­nen­stan­dort nutzen. Dieser befände sich, laut Kreisver­wal­tung, in einem guten Zus­tand.
Res­o­lu­tion der Gemeinde
600 Asyl­suchende und Flüchtlinge sollen hier ein­mal unterge­bracht wer­den. Eine Anzahl, welche die Gemein­de­v­er­wal­tung Kloster Lehnin für sehr beden­klich hält.
In ein­er heute ver­lesenden Res­o­lu­tion fordert die Gemeinde eine Beschränkung der Flüchtlingszahl auf 200 Men­schen sowie eine Verteilung der übri­gen Per­so­n­en auf andere Stan­dorte. „Im Ver­hält­nis zur Größe des ca. 1.500 Ein­wohn­er starken Ortes Dams­dorf ist für 600 hil­fe­suchen­den Men­schen eine offene nach­haltige Willkom­men­skul­tur nicht umset­zbar“, so die schriftlich niedergelegte Posi­tion der Gemein­de­v­ertre­tung.
Ander­er­seits will sich Kloster Lehnin, gemäß Res­o­lu­tion, aber auch der „gesellschaftlichen Auf­gabe der Unter­bringung von Asylbewerbern/Flüchtlingen“ nicht entziehen, son­dern wird sich ihr eben doch stellen.
Zwis­chen Ablehnung und Willkom­men
Den­noch war die Anspan­nung bei den unge­fähr 300 Bürger_innen auf der Einwohner_innenversammlung in ein­er Schul­sporthalle deut­lich anzumerken. Aber­mals, wie auch an vie­len anderen Stan­dorten, pras­sel­ten wieder diverse Äng­ste und Vorurteile auf die im Podi­um sitzen­den Ver­wal­tungsangestell­ten und Amt­sträger. Alle vier Ansprech­part­ner, Gertrud Meißn­er und Thomas Schulz von der Land­kreisver­wal­tung sowie Bernd Kreyken­bohm (Bürg­er­meis­ter von Kloster Lehnin) und Uwe Brück­n­er (Ortsvorste­her Dams­dorf), macht­en allerd­ings einen sehr kom­pe­ten­ten Ein­druck und beant­worten geduldig alle Fra­gen. Die Mehrheit der Men­schen im Saal zu gewin­nen fiel aber auch ihnen schw­er. Immer wieder aufs Neue wur­den Sicher­heits­be­denken, zuweilen Sozial­neid aber auch ein tiefes Unver­ständ­nis für die Arbeit der Ver­wal­tung in Gemeinde und Land­kreis artikuliert. Viele der Anwe­senden schienen sich über­haupt zum ersten mal mit Kom­mu­nalpoli­tik auseinan­derzuset­zen.
Allerd­ings gab es auch hier in Dams­dorf Wort­mel­dun­gen von Men­schen, die sich für die Flüchtlinge ein­set­zen wollen. Einige von ihnen tru­gen sich im Anschluss an die Ver­anstal­tung sog­ar in Lis­ten für die Unter­stützung ein­er „Willkom­mensini­tia­tive“ ein.
Peti­tion und Flug­blät­ter gegen das Heim
Unter­schriften­lis­ten sam­meln jedoch momen­tan auch die Gegner_innen der geplanten Gemein­schaft­sun­terkun­ft für Asyl­suchende und Flüchtlinge. Im Inter­net existiert dazu eine „open­petion“, in der sich bish­er 191 Per­so­n­en, davon 143 aus dem gesamten Land­kreis Pots­dam-Mit­tel­mark, einge­tra­gen haben. Auch André Schär, Kreistagsab­ge­ord­neter der NPD, hat sich in dieser Liste einge­tra­gen. Er war auch heute mit eini­gen NPD Sympathisant_innen, Funk­tionären des „drit­ten Weges“ sowie eini­gen lokalen Pro­tag­o­nis­ten der ehe­ma­li­gen Blood&Honour Szene vor Ort. Dem Großteil der organ­isierten Neon­azis, unge­fähr 20 Per­so­n­en, wurde jedoch der Ein­lass zur Ver­anstal­tung ver­wehrt. Mit­glieder des „drit­ten Weges“ posi­tion­ierten sich daraufhin aber mit ihren Parteishirts im Ein­gangs­bere­ich und verteil­ten Flug­blät­ter dieser neon­azis­tis­chen Klein­partei. Zu nen­nenswerten Zwis­chen­fällen kam es jedoch nicht.
Neben dem mit­telmärkischen Neon­az­im­i­lieu war übri­gens auch die recht­skon­ser­v­a­tive AfD durch ihren Land­tagsab­ge­ord­neten Stef­fen Königer aus Werder (Hav­el) vertreten. Dieser hielt sich jedoch eben­so zurück und beschränk­te sich aufs beobacht­en und Kon­tak­te knüpfen.
Fotos: hier
 
 

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