30. August 2005 · Quelle: LR

Lübbens Schüler sollen selbst denken

Eigentlich ist Hadas­sa Ben-Itto in die Lübben­er Spree­wald­schule gekom­men, um
einen wichti­gen Teil der Geschichte des Anti­semitismus zu erzählen. In ihrem
Buch «Die Pro­tokolle der Weisen von Zion. Anatomie ein­er Fälschung» ist sie Ursprung und Miss­brauch der wohl
berüchtig­sten juden­feindlichen Fälschung nachge­gan­gen. Angesichts der
welt­poli­tis­chen Lage lan­det die ehe­ma­lige Vertreterin Israels bei den
Vere­in­ten Natio­nen an diesem Dien­stag aber rasch in der Gegen­wart.

«Der christlich begrün­dete Juden­hass wurde im 19. Jahrhun­dert über­wun­den. An
seine Stelle ist die glob­ale Feind­schaft gegenüber dem Staat Israel
getreten» , erk­lärt die gebür­tige Polin, deren Fam­i­lie von den Nazis
umge­bracht wor­den war. «Aids, der Ter­ror von Al-Quai­da, der Irakkrieg und
Börsen­flaut­en, all das wird uns ange­lastet» , fasst sie die Vor­worte zu
mala­y­sis­chen und ara­bis­chen Aus­gaben der «Pro­tokolle der Weisen von Zion»
zusam­men. Und stellt dar, wie radikale Ide­olo­gen in Deutsch­land und Rus­s­land
vor hun­dert Jahren aus dem Auszug ein­er franzö­sis­chen Satire eine Art Bibel
des Juden­has­s­es mon­tiert hat­ten. Deren Kern­these lautet: Die Juden hät­ten
Lib­er­al­is­mus und Sozial­is­mus her­vorge­bracht und strebten nach der
Weltherrschaft.

Nach der rus­sis­chen Rev­o­lu­tion 1917 wur­den Juden für Anar­chie und gesprengte
Auto­busse ver­ant­wortlich gemacht, ist während der Lesung zu hören. Die
Tat­sache, dass heutzu­tage Lin­ien­busse in Ben-Ittos Heimat­stadt Tel Aviv von
Palästi­nensern in die Luft gejagt wer­den und Men­schen darin umkom­men, werde
von den Kri­tik­ern Israels nicht aus­re­ichend berück­sichtigt. «Viele ken­nen
nur Wort­fet­zen wie Besatzung und Siedler. Man darf wed­er die Prob­leme der
israelis­chen Poli­tik so ein­seit­ig betra­cht­en noch den Vorurteilen dieser
gefälscht­en Pro­tokolle auf den Leim gehen» , fordert sie von den Schülern.

In Deutsch­land sind die «Pro­tokolle der Weisen von Zion» , auf die sich
neben den Nazis auch US-Auto­pi­onier Hen­ry Ford berufen hat­te, seit 1945
ver­boten, berichtet Hadas­sa Ben-Itto. In asi­atis­chen Staat­en werde es
hinge­gen immer noch aufgelegt. Damit, so die Autorin, werde an
anti­semi­tis­chen Vorurteilen, die zum Teil aus dem Mit­te­lal­ter stam­men,
fest­ge­hal­ten. «Warum kriegen syrische Kinder dieses Buch noch in der Schule
zu lesen, wenn jed­er weiß, dass es auf ein­er Fälschung beruht?» , fragt ein
Schüler. «Weil manchen poli­tis­chen Kräften jedes Mit­tel recht ist, um Israel
als Bedroh ung darzustellen» , antwortet die langjährige Rich­terin. Damit
sich die Lübben­er Schüler und andere Zeitgenossen ein voll­ständi­ges und
eigenes Bild über anti­semi­tis­che Pro­pa­gan­da machen kön­nen, habe sie dieses
Buch geschrieben, das sie ihrer durch deutsche Hand umgekomme­nen Fam­i­lie
gewid­met hat. Für den Appell an die jun­gen Zuhör­er, allen Medi­en ein
gesun­des Mis­strauen ent­ge­gen­zubrin­gen, um das eigene Denken zu schär­fen,
ern­tet die Juristin und Groß­mut­ter am Ende ihres Vor­trags her­zlichen
Beifall.

Hadas­sa Ben-Itto habe ihren Frieden mit Deutsch­land gemacht und danke den
Behör­den für ihren Kampf gegen Anti­semitismus, betont sie gegenüber der
RUNDSCHAU, während das vorher so aufmerk­same Pub­likum nach draußen drängt.
Die Abnei­gung gegenüber ihrem Volk bleibe trotz allem ein €päis­ches
Prob­lem: in Frankre­ich, in Eng­land, aber auch in Deutsch­land.

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