10. Mai 2015 · Quelle: Presseservice

Mittelmark: Schlappe für NPD in Lehnin und Brück

Titel
Gegen zwei Kundge­bun­gen der NPD im Land­kreis Pots­dam-Mit­tel­mark hat sich gestern Vor­mit­tag und am frühen Nach­mit­tag bre­it­er Bürg­er­protest formiert. In der Gemeinde Kloster Lehnin hat­ten sich unge­fähr 50 Men­schen ver­sam­melt, in der Stadt Brück sog­ar 150. Mit Schildern, Trans­par­enten, Pfif­f­en und laut­starken Unmuts­bekun­dun­gen protestierten sie gegen die neon­azis­tis­chen Ver­samm­lun­gen, die jew­eils 25 Per­so­n­en anzo­gen.
Bürger_innenproteste gegen Ras­sis­mus
Sowohl in Kloster Lehnin als auch in Brück hat­ten zuvor die Gemein­de­v­er­wal­tun­gen, mit dem Bürg­er­meis­ter an der Spitze, zu den Protesten gegen die offen­sichtlich ras­sis­tisch motivierten Ver­anstal­tun­gen der NPD aufgerufen. Entsprechende Beken­nt­nisse waren an diesem Tag auch im Orts­bild erkennbar. Kloster Lehnin hat­te u.a. einen Aufruf anbrin­gen lassen, in dem die Ver­wal­tung als Repräsen­tant des Ortes bekan­nte, dass die Gemeinde „Fam­i­lien- und Aus­län­der­fre­undlich“ sei. In Brück war an einem Ver­wal­tungs­ge­bäude ein großes Trans­par­ent mit der Auf­schrift „sol­i­darisch statt ras­sis­tisch“ ange­bracht. Zu dem hin­gen an den Straßen­leucht­en dutzende Plakate der Kam­pagne „Schön­er leben ohne Nazis“. Weit­er­hin wur­den die Brücker_innen durch A4-große Aufrufe der Gemeinde dazu aufge­fordert, durch direk­te Proteste gegen die NPD-Ver­samm­lung ein Zeichen für „Tol­er­anz und Men­schlichkeit“ zu set­zen. Mit Erfolg. Sowohl in Brück, als auch in Lehnin fan­den sich dann tat­säch­lich dutzende Men­schen ein, um in Hör- und Sichtweite gegen die Neon­azis zu protestieren. In Brück waren die NPDler von den Protesten sog­ar so über­wältigt, dass sie ihren Kundge­bung­sort unge­fähr 100m weit­er weg von den Gegendemonstrant_innen leg­en ließen. Mehr Bürger_innen erre­ichen kon­nten sie dadurch jedoch auch nicht. Die Beiträge der Red­ner ver­pufften ohne nen­nenswerte Wirkung auf die Anwohner_innen.
Eben­falls als sinn­los ent­pup­pte sich offen­bar der Ver­such der NPD noch in ein­er anderen Ortschaft spon­tan eine weit­ere Kundge­bung anzumelden. Nach­dem die Protestier_innen ihnen gefol­gt waren und eben­falls eine Ver­samm­lung anmelde­ten, soll die Partei aufgegeben haben.
NPD auf Pro­fil­ierungskurs
Ursprünglich hat­te die NPD zwei Kundge­bun­gen, zum einen in Kloster Lehnin ab 10.00 Uhr am Mark­t­platz Ecke Bahn­hof­sstraße und zum anderen in Brück ab 11.45 Uhr am Bahn­hof, unter dem Mot­to: „Nein zum Heim!“ angemeldet. Die Ver­anstal­tun­gen wur­den im Social­me­dia u.a. bei der „NPD Pots­dam-Mit­tel­mark“, der „NPD Prig­nitz-Rup­pin“ und den „Freien Kräften Prig­nitz“ bewor­ben. Beim Prig­nitzer Parteiver­band hieß es aber schon vor­ab ein­schränk­end: „Wenn ihr euch zufäl­lig in der Nähe befind­et, dann schaut doch mal vor­bei und unter­stützt die Damen und Her­ren auf der Straße“. Offen­bar war jedoch nie­mand aus dem Nord­west­en Bran­den­burgs in der Nähe. Die Teilnehmer_innen der NPD Ver­samm­lung stammten haupt­säch­lich aus den Land­kreisen Pots­dam-Mit­tel­mark, Havel­land, Ober­hav­el, Tel­tow-Fläming und Oder-Spree. Die meis­ten dieser Per­so­n­en sind als langjährige Funk­tionäre der Partei bzw. ihrer Jugen­dor­gan­i­sa­tion bekan­nt. Rede­beiträge hiel­ten so u.a. der Lan­desvor­sitzende der Jun­gen Nation­aldemokrat­en, Pierre Dorn­brach, und der Vor­sitzende des Kreisver­ban­des Hav­el-Nuthe, Michel Müller. Let­zter­er ver­suchte seine Ablehnung gegenüber Flüchtlin­gen und Asyl­suchen­den durch ver­meintliche Erken­nt­nisse aus Artikeln in mei­n­ungs­bilden­den Tageszeitun­gen, Zitat­en von umstrit­te­nen Politiker_innen und Antworten auf Anfra­gen im havel­ländis­chen Kreistag zu begrün­den. Das diese aus dem Zusam­men­hang geris­sen und so aneinan­derg­erei­ht ein ganz anderes Bild ergeben, als in der Real­ität erleb­bar, scheint dabei offen­bar beab­sichtigt. Auch das mit ver­meintlichen „Fak­ten“ aus einem anderen Land­kreis argu­men­tiert wurde ist beze­ich­nend. Denn die NPD ist mit ihrem Abge­ord­neten André Schär eigentlich auch im Kreistag Pots­dam-Mit­tel­mark vertreten. Der hiesige Kreis­rat scheint dort aber, anders als Müller im Havel­land, nur wenig im Sinne der Partei zu bewe­gen. Ein Rede­beitrag von André Schär war gestern eben­falls nicht vorge­se­hen. Ihm blieb nur die Rolle des Ver­samm­lungsleit­ers.
Über­haupt scheint die Posi­tion der NPD im Land­kreis Pots­dam-Mit­tel­mark des­o­lat. Die neue neon­azis­tis­che Klein­partei „Der dritte Weg“ hat den „Nation­aldemokrat­en“ im szenein­ter­nen Machtkampf hier offen­bar weit­ge­hend das Wass­er abge­graben. Der ehe­ma­lige Bad Belziger Abge­ord­nete Pas­cal Stolle, der erst im ver­gan­genen Jahr für die NPD in die Stadtverord­neten­ver­samm­lung der Kreis­stadt einge­zo­gen war, hat­te beispiel­sweise bere­its im Jan­u­ar die szenein­ter­nen Fron­ten gewech­selt. Er tritt momen­tan bei diversen Ver­anstal­tun­gen als „Mis­sion­ar“ des „drit­ten Weges“ auf. Und auch die „freien Kräfte“ der Region scheinen momen­tan mehr mit der neuen mil­i­tan­ten Bewe­gungspartei zu sym­pa­thisieren und blieben den gestri­gen Kundge­bun­gen, trotz voll­mundi­ger Ankündi­gung der „NPD Pots­dam-Mit­tel­mark“, dass die „viele“ Per­so­n­en aus diesem Spek­trum „vor Ort“ sein wer­den, fern.
Insofern sind die Parteiver­anstal­tun­gen in Lehnin und Brück als verzweifel­ter Ver­such der „Nation­aldemokrat­en“ inter­pretier­bar, in dieser Region wieder Fuß fassen zu wollen.
Fotos: hier

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