5. Februar 2003 · Quelle: ORB / Antiras

Müncheberger Asylbewerber zogen um

(ORB) Die Asyl­be­wer­ber von Müncheberg sind nach tage­lan­gen Protesten heute doch aus dem Heim am Rande der Stadt aus­ge­zo­gen. Sie wer­den auf vier Orte des Land­kreis­es Märkisch-Oder­land aufgeteilt, darunter auch Obdachlosen­heime. Noch am Mor­gen war es zwis­chen eini­gen Asyl­be­wer­bern sowie den zuständi­gen Mitar­beit­ern des Sozialamtes zu laut­starken, teil­weise hand­grei­flichen Auseinan­der­set­zun­gen gekom­men. ORB-Repor­terin Sabine Tzitschke sah sich vor Ort um und sprach mit Betroffenen. 

Es herrscht Umzugschaos vor dem Asyl­be­wer­ber­heim in Müncheberg. Das was Fam­i­lie Biberovic gehört, wird von der 10-jähri­gen Sil­via bewacht. Die Kleine wurde in Bosnien geboren, mit­ten in einen Krieg hinein. Seit den Greul­tat­en an ihren Eltern, ihre Mut­ter wurde vor ihren Augen verge­waltigt, schweigt sie, sagt kein Wort mehr, kann nicht reden. Sil­via ist schw­er trau­ma­tisiert. Eigentlich gehört sie in eine ordentliche Ther­a­pie. Doch das Asylkind find­et auch in Deutsch­land keine Ruhe. Eine Schule bräuchte sie und eine ruhige Woh­nung sagt ihre Mut­ter, aber es geht jet­zt erst ein­mal wieder in ein Heim. 

Rhimisch Biberovic, seit 1994 in Deutschland
“Mor­gen kein Strom, keine Heizung. Und was soll ich machen mit drei Kindern. Muss gehen. “ 

Weil das Heim in Müncheberg defin­i­tiv und auch aus hygien­is­chen Grün­den mor­gen geschlossen wird, müssen alle raus. Die Bewohn­er wer­den auf vier kleine Dör­fer im Kreis Märkisch-Oder­land aufgeteilt. Eigentlich woll­ten sich die Bewohn­er dage­gen wehren.
En Stre­it darüber let­zte Nacht mit Messern endete blutig. 

Thomas Wilde, Polizeis­prech­er MOL
“Wir gehen davon aus, dass alle Tat­beteiligten unter starkem Alko­hole­in­fluss ges­tanden haben und sich dort eine Sit­u­a­tion aufgeschaukelt hat. “ 

Und auch wenn sie jet­zt ausziehen, der Protest bleibt. Gegen Heimunter­bringung, gegen Gutschein­sys­teme. Für sie ist der Lan­drat aus Seelow ein Ras­sist, denn schließlich, als Asyl­be­wer­ber, gehören sie nicht in Obdachlosenheime. 

Mar­lies Wern­er, Sozialdez­er­nentin MOL
“Der Bus nach Post­berg ist weg. Und jet­zt wer­den wir für euch eine Lösung find­en. Ach, du bist ja auch wieder da. “ 

Nach lan­gen Diskus­sio­nen sind dann irgend­wie doch alle Asyl­be­wer­ber aus Müncheberg ver­schwun­den. Auch Sil­via stieg Stun­den später mit ihrer Mut­ter in den Bus nach Kuners­dorf. Die weit­ere Sta­tion ihrer Asyl­suche in Deutsch­land liegt 40 km nördlich im Oderbruch. 

Videobeitrag hier

Ergänzun­gen von Antiras

Das Heim Müncheberg wird im Ver­laufe dieser Woche geschlossen, da der Ver­trag nicht ver­längert wurde.
Kurzfristig haben alle Flüchtlinge die im Heim wohnen/wohnten die Erlaub­nis erhal­ten, in Woh­nun­gen im Land­kreis zu ziehen. Das gestal­tet sich aber schwierig, da es in der Kürze der Zeit kaum möglich ist so viele Woh­nun­gen zu kriegen. 

Manche Bewohn­er wollen in Müncheberg bleiben. Von einem Streik ist nichts bekan­nt (auf Indy­media war der­gle­ichen zu lesen. 

Die Flüchtlinge die in der kürze der Zeit keine Woh­nung kriegen, wer­den im Heim Kuners­dorf untergebracht. 

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