4. Februar 2003 · Quelle: progress.pdm

Stalingrad — ewiger Stern unserer Freiheit

Am heuti­gen Son­ntag gedacht­en rund 50 AntifaschstIn­nen und Pots­damer Bürg­erIn­nen den gefal­l­enen sow­jetis­chen Helden der Schlacht von Stal­in­grad. Zu der Kundge­bung hat­te die Pots­damer Antifa-Gruppe progress – antifas­cist youth ein­ge­laden.

Unter anderem redete auf der Ver­anstal­tung ein sow­jetis­ch­er Über­leben­der der Schlacht, die vor genau 60 Jahren das Ende Nazideutsch­lands ein­leit­ete, der den über­wiegend jugendlichen Teil­nehmerIn­nen für das Gedenken und Erin­nern an die Tausenden toten Sow­jet­sol­dat­en. Der Ex-Rotarmist mah­nte auch, dass die Erin­nerung an die Schlacht von Stal­in­grad und die Tat­en der Deutschen im Drit­ten Reich immer aufrechter­hal­ten wer­den müsse. Neben musikalis­chen Beiträ­gen aus alten wie neueren Zeit­en, gab es auch einen Rede­beitrag von progress, der im Wort­laut fol­gt:

Vor genau 60 Jahren endete die Stal­in­grad­er Oper­a­tion der Roten Armee erfol­gre­ich — die 6. Armee unter Gen­er­al Paulus wurde geschla­gen.

Diese Schlacht wurde von der ganzen Welt ver­fol­gt. Jedem war klar, dass sich in Stal­in­grad das Schick­sal Europas entsch­ied. Der Sieg der Roten Armee wurde von Vertretern aller Klassen und poli­tis­chen Strö­mungen als Wen­depunkt des Krieges begrif­f­en. Ob die britis­che König­in­mut­ter den Bewohn­ern der Stadt Stal­in­grad als Anerken­nt­nis ihrer Leis­tung ein Schw­ert über­re­ichte, ob die spanis­che KP Plakate druck­te mit der Auf­schrift: “Stal­in­gra­do — nue­va estrel­la de nues­tra lib­er­tad”, ob nach dem Krieg in Paris eine Met­ro­sta­tion den Namen Stal­in­grad erhielt: für alle Antifaschistin­nen und Antifaschis­ten war Stal­in­grad das Sym­bol siegre­ichen Kampfes.

Das Ende dieses siegre­ichen Kampfes wurde hier in Pots­dam mit dem Pots­damer Abkom­men besiegelt, indem die Siegermächte die Neuord­nung Europas nach dem Zweit­en Weltkrieg bes­timmten. Ein wichtiger Punkt in dem Abkom­men war, Europa poli­tisch so zu ord­nen, dass es den Deutschen nicht noch ein­mal möglich sei, einen Krieg gegen die ganze Welt anz­u­fan­gen. Nach der “demokratis­chen Wende” in der DDR erk­lärte der dama­lige Außen­min­is­ter Kinkel, dass das Pots­damer Abkom­men keine Gültigkeit mehr beanspruchen könne. Seit­dem ver­sucht die BRD die Bes­tim­mungen des Pots­damer Abkom­mens rück­gängig zu machen. Dabei ziehen von NPD über CDU, FDP, GRÜNE und SPD alle poli­tis­chen Kräfte an einem Strang. Ob Kalin­ingrad oder der Sude­ten­gau, ob Land in Polen oder Kun­st­güter in Rus­s­land — Deutsch­land will das, was ihm als Strafe für Völk­er­mord und Angriff­skrieg abgenom­men wurde, zurück haben. Gle­ichzeit­ig erk­lärt es alle Ansprüche sein­er Opfer für erledigt: so sieht die Ver­söh­nung aus, von der Thierse, Rau und Co. die ganze Zeit schwafeln.

In diesem poli­tis­chen Kli­ma kom­men alle die zu Zug, die schon immer wussten, dass die Deutschen die eigentlichen Opfer des Zweit­en Weltkrieges waren. Aus den Rat­ten­löch­ern des akademis­chen und des Kul­turbe­triebes kom­men all jene, die beweisen wollen, dass die Deutschen nur Opfer gewe­sen wären. Sie behaupten, dass über deutsches Leid nie gesprochen wer­den durfte, was nicht stimmt, da die Deutschen 55 Jahre lang nur ihr eigenes Leid beklagt haben. Mit­tler­weile wird nicht nur die Rote Armee zu ein­er Horde Hun­nen, die in Mittel€pa ein­bricht, und grund­los Tod und Ver­wüs­tung bringt; mit einiger Ver­spä­tung wagt man sich jet­zt auch die west­lichen Siegermächte als ver­brecherisch darzustellen. Ins­beson­dere die Roy­al Air Force wird in dieser Argu­men­ta­tion zur ver­brecherischen Organ­i­sa­tion. Stal­ins Erken­nt­nis, dass die Hitler kom­men und gehen, dass deutsche Volk aber beste­hen bleibt, bewahrheit­et sich wieder ein­mal.

Für uns als Linke gilt es die Notwendigkeit des Kampfes gegen Deutsch­land zu vertei­di­gen. Jenen Linken, die meinen, man könne mit der Roten Armee, der Roy­al Air Force und anderen nicht sol­i­darisch sein, da es sich nicht um rev­o­lu­tionäre Massen, son­dern um die Armeen von Nation­al­staat­en han­delte, ist ent­ge­gen­zuhal­ten, dass die endgültige Ver­nich­tung des Nation­al­sozial­is­mus mit all seinen Wurzeln die Bedin­gung für die Rev­o­lu­tion darstellt. Stal­in­grad ist und beleibt das Sym­bol des siegre­ichen antifaschis­tis­chen Kampfes. Es bleibt das Sym­bol für das Scheit­ern der deutschen Ambi­tio­nen auf Weltherrschaft. Es bleibt das Sym­bol für den Zwang, den Kampf mit aller notwendi­gen Härte zu führen.

Keine Friede mit Deutsch­land!
Ruhm und Ehre den Kämpfern gegen den Faschis­mus!
Darum lasst uns nun auf die siegre­iche Rote Armee anstoßen.
Anschließend kön­nt Ihr die Blu­men auf dem Fried­hof nieder­legen.

Nach dem Nieder­legen von Blu­men und Kerzen am sow­jetis­chen Ehren­mal auf dem Pots­damer Bass­in­platz, stießen die Teil­nehmerIn­nen der Gedenkkundge­bung in alter Sitte mit Wod­ka auf die gefal­l­enen sow­jetis­chen Helden der Roten Armee mit einem Gläschen Wod­ka an.

Kon­takt zu progress: progress.pdm@gmx.net

Aufruf zur Kud­nge­bung hier.

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