5. August 2005 · Quelle: LR

Müssen freie Träger allein das Haushaltsloch stopfen?

Cot­tbus. Die für 2006 vorge­se­henen Kürzun­gen in der Jugen­dar­beit und
Jugend­sozialar­beit gefährden die Ange­bots-Vielfalt in der Stadt und sind
deshalb nicht hinzunehmen. Das sagt Babette Hub, Vor­sitzende des
Unter­auss­chuss­es Jugend­hil­fe­pla­nung. Nach dem Willen der Ver­wal­tung sollen
zehn Prozent der Aus­gaben für freie Träger in diesem Bere­ich weg­fall­en.
Gle­ichzeit­ig will die Käm­merei nach dem Rück­zug des Diakonis­chen Werkes aus
dem Comics die Mit­tel für diese einzige inner­städtis­che
Jugend-Freizeit­ein­rich­tung ganz stre­ichen. Das bedeute, dass im Bere­ich der
Jugen­dar­beit und Jugend­sozialar­beit 11,2 Stellen nicht mehr finanziert
wer­den kön­nten.

Mit den im Haushalt­sen­twurf 2006 vorge­se­henen Kürzungsvorschlä­gen will die
Stadt nach Auskun­ft von Sozialdez­er­nent Berndt Weiße in diesem Bere­ich
ins­ge­samt 409 000 Euro eins­paren, davon 220 000 Euro für das Comics. Auch
für die im Haushaltssicherungskonzept fest­geschriebe­nen 189 000 Euro
Min­der­aus­gaben sollen allein die freien Trägern aufkom­men.

“Warum müssen die freien Träger allein dafür sor­gen, dass der öffentliche
Haushalt in Ord­nung kommt”, fragt Babette Hub, “und die städtis­chen
Ein­rich­tun­gen sind davon ausgenom­men.” Mit dem Beschluss der
Stadtverord­neten­ver­samm­lung, alle nichtho­heitlichen Auf­gaben nach
Möglichkeit auszugliedern, sei das nicht zu vere­in­baren.

Die Sozialar­bei­t­erin erin­nert an die 24 Erzieherin­nen, die im Jahr 2003 aus
Kitas zur Jugen­dar­beit gewech­selt sind. Mit der Begrün­dung eines ungedeck­ten
Bedarfs in diesem Bere­ich. Auch heute sei der Stel­lenbe­darf in der
Jugen­dar­beit keineswegs gedeckt. Babette Hub: “Gilt dann nicht auch heute
der gle­iche Rechts­grund­satz?”

Selb­st der niedrig ange­set­zte Ver­sorgungs­grad von zehn Prozent der Zwölf-
bis 21-Jähri­gen ist keineswegs über­all in Cot­tbus gesichert. Während in
Sach­sendorf, wo die Kinderzahl bei rel­a­tiv sta­bil­er Ange­botsstruk­tur in den
let­zten Jahren drama­tisch gesunken ist, 17 von 100 Jugendliche ein
Freizei­tange­bot vorfind­en, sind es im Cot­tbuser Osten lediglich drei
Prozent.

In Sandow soll die Zahl der Stellen nach dem Vorschlag des Unter­auss­chuss­es
Jugend­hil­fe­pla­nung von derzeit 2,8 auf 5,3 fast ver­dop­pelt wer­den.
Gravierende Ein­schnitte werde es hinge­gen in Sach­sendorf geben. Für den
Cot­tbuser Süden nehmen die Plan­er 10,2 Stellen ins Visi­er. 15,9 Stellen gibt
es hier derzeit. Babette Hub: “Das ist keines­falls zu viel. Aber wir müssen
das Ange­bot den begren­zten Möglichkeit­en anpassen.” Rein “rech­ner­isch” gebe
es über­haupt kein Bud­get für das “House Pri­or”, wo nach der Sanierung 5,8
städtis­che Stellen ange­siedelt sind.

“Wenn wir uns so große Ein­rich­tun­gen auch kün­ftig leis­ten wollen”, sagt
Babette Hub, “heißt das, dass viele kleine schließen müssen.” Die nach und
nach geschaf­fene Ange­botsvielfalt sei in Gefahr. “Es wird in der Ver­wal­tung
offen­bar nicht gese­hen, was für ein Poten­zial die freien Träger haben und
was sie an Ideen mit­brin­gen.” Jüng­stes Beispiel dafür sei die Zirkus­woche
Ende Juli im Strom­bad gewe­sen. Vier Vere­ine hät­ten zwei Jahre
Vor­bere­itungszeit in ein Pro­jekt gesteckt, von dem alle, die dabei waren,
noch in vie­len Jahren sagen wür­den: “Das war ein ganz toller Som­mer.”

Ehe­mals funk­tion­ierende Struk­turen sieht Babette Hub auch bei der
Sozialar­beit in Gefahr. “Das Street­work dro­ht wegzubrechen, weil alle
Ressourcen für die Schul­sozialar­beit gebraucht wer­den.” Die Stadt hat­te sich
dazu bekan­nt, die Sozialar­beit an Schulen unab­hängig von Sparzwän­gen in
gle­ich­er Höhe zu erhal­ten. Babette Hub: “Kon­se­quenz ist die Frage: Schließen
wir das Fan­pro­jekt oder das Wohn­pro­jekt ‚Löwen­zahn´?”

All diese Fak­ten, die hin­ter den Zahlen ste­hen, hät­ten die Stadtverord­neten
bei ihrer Entschei­dung über den Haushalt 2006 zu bedenken. Aus ihrer Sicht
gebe es nur eine Kon­se­quenz. Babette Hub: “Diese Kürzun­gen sind so nicht zu
ver­ab­schieden.”

Hin­ter­grund

Kosten der Jugen­dar­beit

Das städtis­che Bud­get für die Jugen­dar­beit und Jugend­sozialar­beit beträgt
rund 3,5 Mil­lio­nen Euro. Damit wer­den 71 Stellen, davon 46 bei freien
Trägern finanziert.

Für 2006 sieht die Ver­wal­tung ein Bud­get von rund 3,1 Mil­lio­nen Euro vor.
Das bedeutet eine Reduzierung um 11,2 Stellen.

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