21. April 2015 · Quelle: Presseservice

Nauen: Toleranzfest gegen NPD Mahnwache

Collage
Mit einem Fest „für eine demokratis­che, freie und tol­er­ante Stadt Nauen, für Fröh­lichkeit und kul­turelle Vielfalt“ hat die Stadt Nauen heute „gegen Recht­sex­trem­is­mus, Ras­sis­mus und Aus­län­der­feindlichkeit“ demon­stri­ert. Die Ver­anstal­tung, die vom Mika­do e.V. und vom Human­is­tis­chen Frei­denker­bund organ­isiert wurde, find­et seit 2012 jährlich statt, um Neon­azis am 20. April nicht die Innen­stadt zu über­lassen. Seit 2010 führt näm­lich der NPD Stadtver­band Nauen mit Unter­stützung von „Freie Kräften“ an diesem Tag eine so genan­nte Mah­nwache durch. Seit dem das Fest allerd­ings den Bere­ich Lin­den­platz / Garten­straße für sich beansprucht, mussten die Neon­azis ihre Kundge­bung außer­halb der his­torischen Alt­stadt ver­legen. Seit dem find­et deren Ver­anstal­tung an einem Denkmal für die Gefal­l­enen des ersten Weltkrieges statt.
Mah­nwache von NPD und Freien Kräften
Auch in diesem Jahr formierte sich die Mah­nwache, mit der vorge­blich an die Bom­bardierung der Stadt Nauen während des zweit­en Weltkrieges gedacht wer­den soll, an der üblichen Stelle. 25 Per­so­n­en aus den Land­kreisen Havel­land, Pots­dam-Mit­tel­mark und Ost­prig­nitz-Rup­pin nah­men daran teil, darunter auch zwei Abge­ord­nete der NPD aus Neu­rup­pin und Briese­lang. Der Großteil der Veranstaltungsteilnehmer_innen gilt allerd­ings als Sympathisant_innen der „Freien Kräfte Neu­rup­pin / Osthavel­land“. Eine Ton­ban­dauf­nahme, die mehrfach während der Kundge­bung abge­spielt wurde, machte dies eben­so deut­lich. Auf dieser waren Mar­vin und Beat­rice Koch sowie Dave Trick aus Neu­rup­pin zu hören, die Texte zum Bombe­nan­griff auf „ihre“ Stadt Nauen vor­lasen. Dass die Bom­bardierung aber nicht aus heit­erem Him­mel kam, wurde erwartungs­gemäß nicht erwäh­nt. Auch son­st wurde während der Mah­nwache nicht viel gesprochen. Lediglich Wag­n­ers Walküren­ritt wurde noch über die Musikan­lage abge­spielt, passend zur Zurschaustel­lung von mit­ge­bracht­en schwarzen Ban­nern und Fah­nen. Parteifah­nen waren hinge­gen aber anscheinend nicht erwün­scht, so dass die drei zugereis­ten Mit­glieder und Sym­pa­thisan­ten der Partei des „drit­ten Weges“ aus Pots­dam-Mit­tel­mark ihre Stan­darten wieder ein­roll­ten bzw. durch Orts­fah­nen erset­zten. Stattdessen erlaubt waren aber offen­bar die Fah­nen des Lan­des Bran­den­burg und der Bun­desre­pub­lik Deutsch­land. Let­ztere wurde von ein­er Gruppe junger Frauen und Män­ner beiges­teuert, die erst­mals an dieser Ver­anstal­tung teil­nah­men. Sie waren bere­its in der ver­gan­genen Woche beim „Nein zum Heim“ Auf­marsch mit­ge­laufen. Offen­bar war die Gruppe aber noch nicht mit dem Regle­ment der Mah­nwache ver­traut, so dass rumgeal­bert, Bier getrunk­en, ger­aucht und mit dem Handy gespielt wurde. In den Gesichtern der erfahre­nen Kad­er war deut­lich Dis­tanz zu diesen neuen Inter­essen­ten zu ent­deck­en. „Wenn das der Führer wüsste“ mögen sie gedacht haben, noch dazu an seinem Geburt­stag. Bleiben durften sie den­noch, schließlich geht es ja bei der­ar­ti­gen Ver­samm­lun­gen auch um ver­meintliche Bürg­ernähe.
Tol­er­anzfest und Proteste gegen Mah­nwache
Gegen die Ver­samm­lung von NPD und „Freien Kräften“ hat­te eine Einzelper­son übri­gens auch noch eine Gegen­ver­anstal­tung unter dem Mot­to „Gegen Neo­faschis­tis­che Wah­n­mache, Ras­sis­mus und rechte Gewalt! Flüchtlinge schützen, Nazis aus­brem­sen! 20.04.2015 – Kein Grund zu feiern, kein Grund zu trauern!“ angemeldet. Sie fand direkt gegenüber der neon­azis­tis­chen Kundge­bung statt. Allerd­ings nah­men daran nur 15 Per­so­n­en teil.
Zuvor sollen allerd­ings in der Zeit von 14.00 bis 18.30 Uhr, gemäß Angaben der Veranstalter_innen, bis zu 750 Men­schen das Tol­er­anzfest fre­quen­tiert haben – ein Erfolg für Gestalter_innen ein­er bun­ten Stadt.
Gegen 18.00 Uhr waren zumin­d­est noch unge­fähr 70 Per­so­n­en dort, die das dor­tige Imbiss‑, Infor­ma­tions- und Spielange­bot nutzten oder mit den dort präsen­ten zivilge­sellschaftlichen Ini­tia­tiv­en in Dia­log treten woll­ten.
Fotos: hier

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