8. Mai 2013 · Quelle: Aktionsbündnis Brandenburg

Nazi-Großkonzert in Finowfurt

Am 18. Mai sollen über 1.000 Neonazis auf dem Gelände des Landesvorsitzenden der Partei Die Rechte im Landkreis Barnim beschallt werden.

Ein Gast­beitrag von Sven­na Berg­er, apabiz e.V.

Ein „Bene­fizkonz­ert“ für „Kam­er­aden in Not“ will der Neon­azi Klaus Mann auf seinem Grund­stück im bran­den­bur­gis­chen Finow­furt (Land­kreis Barn­im) ver­anstal­ten. Wer genau in Not sein soll, will Mann, Lan­desvor­sitzen­der der Partei Die Rechte, nicht ver­rat­en. Sich­er ist, dass unter den angekündigten dreizehn Bands Szene­größen wie Sleip­nir und Legion of Thor vertreten sind, die das Konz­ert zu einem Großevent der ost­deutschen Neon­aziszene machen kön­nten. Das Grund­stück – im Land Bran­den­burg der derzeit wichtig­ste Ver­anstal­tung­sort der recht­en Szene – gewin­nt damit an bun­desweit­er Bedeutung.

Neue und altbekannte RechtsRock Bands

Angemeldet für den 18. Mai sind 1.500 Teilnehmer_innen. Auf dem Fly­er heißt es, es seien nur 500 Karten auss­chließlich im Vorverkauf zu erhal­ten. Ob weit­ere Karten ver­schenkt wer­den oder ob es sich nur um eine Werbe­masche han­delt, bleibt offen. Einen Ansturm auf die Karten kann Klaus Mann und der Konz­er­tor­gan­isatorin Gesine Hen­nrich aus Berlin sich­er sein. Urgesteine wie Sleip­nir und Legion of Thor sind weit­er­hin pop­ulär in der Szene und brin­gen neue Alben her­aus. Sleip­nir um den Sänger Mar­co L. veröf­fentlicht seit 20 Jahren rechte Lieder, deren Texte eine „Mis­chung aus Ras­sis­mus, Sozial­neid und NS-Bezug“ darstellen, so die Ein­schätzung des Recht­sRock-Experten Jan Raabe. Die Berlin­er Band Legion of Thor war Teil des ver­bote­nen Blood and Hon­our-Net­zw­erkes und feiert in diesem Jahr ihr 15-jähriges Bestehen.

Für viele Bands wird es nicht der erste Auftritt auf dem Finow­furter Grund­stück. Schon ein Blick auf die Band­na­men genügt, um die Aus­rich­tung des Konz­ertes zu erken­nen: So ist die Beze­ich­nung der Thüringer Gruppe 12 Gold­en Years, eine Anspielung auf die zwölf Jahre nation­al­sozial­is­tis­ch­er Dik­tatur von 1933 bis 1945. Die Band spielt über­wiegend eine Mis­chung aus klas­sis­chem Recht­srock. Sie beze­ich­net sich selb­st als „RAC“-Band – RAC ste­ht für „Rock against Com­mu­nism“. Ähn­lich wie 2 Min­utes Warn­ing haben sie Ele­mente des Hard­core über­nom­men, ein­er härteren und schnelleren Spielart des Punk. Neon­azis­tis­che Bands wählen die Selb­st­beze­ich­nung „Nation­al Social­ist Hard­core“ (NSHC). Die aggres­sive Musik und das mar­tialis­che Auftreten sind bei jun­gen männlichen Neon­azis der Autonomen Nation­al­is­ten beliebt.

Neben den genan­nten wer­den weit­ere Bands aus Ost­deutsch­land zu Gast sein, darunter viele aus Bran­den­burg: Exzess aus Straus­berg, Front­feuer aus Beeskow, Haus­man­nskost vom Cot­tbuser Label Rebel Records, Klänge des Blutes sowie die Bands Jung­blut und Wort­ge­fecht. Die bei­den let­zt­ge­nan­nten trat­en bere­its beim NPD-Som­mer­fest am 23. Juni 2012 in Finow­furt gemein­sam auf. Ras­sis­mus und Neon­azis­mus sind in ihren Tex­ten all­ge­gen­wär­tig, so heißt es in einem Lied von Jung­blut: „Wo redet man dir ein, ein Schwarz­er soll ein Deutsch­er [..] Wer beset­zt uns schon seit 60 Jahren – die BRD, die BRD“. Solche Texte kom­men in der Szene an. Das Straus­berg­er Trio von Exzess um Sänger Tobias V. gilt bun­desweit als eine auf­strebende Recht­sRock­band und spielte erst im let­zten Okto­ber während des NPD-Preußen­t­ages in Finow­furt. Außer­dem sollen auftreten: Pri­or­ität 18 aus Dres­den, Sach­sen­blut aus Freiberg in Sach­sen sowie Stimme der Vergel­tung aus Ueck­er­münde in Meck­len­burg-Vor­pom­mern. Stimme der Vergel­tung beteiligte sich im Som­mer 2012 an der Kam­pagne „Volk­stod stop­pen“ des Neon­azi-Net­zw­erkes Freies Pom­mern. Ganz im Stil des kurz zuvor ver­bote­nen Bran­den­burg­er Net­zw­erkes der Spreelichter spiel­ten sie mit weißen Masken und schwarzen Umhän­gen einen Song ein mit dem Titel „Volk­stod“.

Finowfurt: Brandenburgs Nazirock-Metropole

Über 20 Recht­sRock-Konz­erte inner­halb der ver­gan­genen sechs Jahre sind auf dem Gelände der Fam­i­lie Mann bekan­nt gewor­den. Die tat­sächlche Zahl kön­nte noch höher liegen. Zu den Großver­anstal­tun­gen gehören neben dem DVU- und späteren NPD-Som­mer­fest auch der Preußen­tag der Bran­den­burg­er NPD. Ein Event, das als Gegen­ver­anstal­tung zum Tag der deutschen Ein­heit organ­isiert wird und das Ver­lan­gen nach ein­er „echt­en Wiedervere­ini­gung“ propagiert. Vor sechs Jahren zog die Fam­i­lie Mann nach Finow­furt. Klaus Mann, Ehe­frau Sybille (stel­lvertre­tende Vor­sitzende des Bran­den­burg­er Lan­desver­band der Partei Die Rechte) und der eben­falls in der neon­azis­tis­chen Szene aktive Sohn, lebten zuvor im berlin-nahen Seefeld (Land­kreis Barn­im). Auch zu dieser Zeit ver­anstal­teten sie Konz­erte mit neon­azis­tis­chen Bands und Organ­i­sa­tio­nen wie der Berlin­er Kam­er­ad­schaft Spreewacht und der eng mit dieser ver­bun­de­nen Band Legion of Thor.

Die let­zten Konz­erte am 6. Okto­ber 2012 (NPD-Preußen­tag mit 600 Per­so­n­en) sowie am 13. April 2013 (Grün­dungs­feier Die Rechte Bran­den­burg mit 80 Per­so­n­en) wur­den durch die Polizei aufgelöst. Der Preußen­tag endete mit Ermit­tlungsver­fahren wegen Volksver­het­zung gegen die Bands Haus­man­nskost und Front­feuer. Und während des Konz­ertes vor weni­gen Wochen wur­den indizierte Lieder gespielt, was einen Polizeiein­satz auslöste.

Parteifunktionäre, Freie Kräfte und Partyskins

Organ­isatorin des anste­hen­den Großkonz­ertes ist die 43-jährige Berliner­in Gesine Hen­nrich. Die ehe­ma­lige Aktivistin der ver­bote­nen Kam­er­ad­schaft Front­bann 24 hält eben­so wie Klaus Mann gute Kon­tak­te in die Recht­sRock- und gewalt­tätige Kam­er­ad­schaftsszene. In der Ver­gan­gen­heit trat sie als Organ­isatorin von extrem recht­en Ver­anstal­tun­gen auf, was unter anderem 2009 zu ein­er Verurteilung vor dem Amts­gericht Bernau wegen Volksver­het­zung und Ver­stoß gegen das Jugend­schutzge­setz führte.

Das Bene­fizkonz­ert am 18. Mai wird ein bun­desweites Tre­f­fen für die neon­azis­tis­che Musik­szene. Es ist zu erwarten, dass sich das Pub­likum aus Struk­turen der Partei Die Rechte sowie durch Aktivist_innen der NPD, von Kam­er­ad­schaften und Freien Kräften zusam­menset­zen wird. Wofür die Ein­nah­men des Bene­fizkonz­ertes aufge­wandt wer­den sollen, bleibt offen. Auf den Karten find­et sich der Slo­gan „EINER für alle – alle für EINEN“. Mut­maßen lässt sich, dass eine Verbindung zum ger­ade begonnenen NSU-Prozess in München beste­ht. Für den dort wegen Bei­hil­fe zum Mord in neun Fällen mitangeklagten mut­maßlichen NSU-Unter­stützer Ralf Wohlleben läuft derzeit jeden­falls eine neon­azis­tis­che Sol­i­dar­ität­skam­pagne unter dem Mot­to „Frei­heit für Wolle“.

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