26. März 2007 · Quelle: Antifaschistische Gruppen im Westhavelland

Naziaufmarsch in Rathenow verhindern!

Am Mittwoch, den 18. April 2007, will die (neo)nazistische NPD gegen 17.00 Uhr in Rathenow an der Gedenkstätte der Opfer der bei­den Weltkriege auf dem Wein­bergfried­hof auf­marschieren. Vorge­blich­er Anlass ist die Erin­nerung an die Opfer der Bom­bardierung Rathenows im Jahre 1944.

Am 18. April 1944 hat­ten B 17 und B 24 Bomber der 8. US Air Force in den frühen Nach­mit­tagsstun­den die ARADO Flug­w­erke in Rathenow Hei­de­feld ange­grif­f­en und dadurch u.a. die Lizen­zpro­duk­tion des berüchtigten Heinkel HE 111 Bombers gestoppt. 60 Rathenow­er Bürg­er kamen bei dem Angriff ums Leben. 16 US Flugzeuge wur­den durch Flak abgeschossen, wobei ins­ge­samt 121 Crewmit­glieder starben.

Ein Angriff aus dem Nichts?

Seit dem 30. Jan­u­ar 1933 waren in Deutsch­land die Nation­al­sozial­istIn­nen an der Macht, deren Pro­gram­matik Nation­al­is­mus, Ras­sis­mus, Anti­semitismus und deren Mit­tel Unter­drück­ung, Folter, Mord waren. Auch in Rathenow.
Die NSDAP bzw. ihre Sturmabteilung (SA), die hier seit 1926 vertreten war, organ­isierte bere­its ab dem 1.März 1933 die Ver­haf­tung von Promi­nen­ten städtis­chen Sozialdemokrat­en und Kom­mu­nis­ten, die sie in die ersten Konzen­tra­tionslager nach Bör­nicke (Osthavel­land) und Oranien­burg verschleppten.
Am 1. April 1933 organ­isierte die SA auch in Rathenow Boykot­tak­tio­nen gegen jüdis­che Geschäfte.
Am 9. Novem­ber 1938, im Zuge des Novem­ber­pogroms, wurde die Rathenow­er Syn­a­goge zer­stört und das jüdis­che Landw­erk in Steck­els­dorf überfallen.
Am 1. Sep­tem­ber 1939 begann mit dem Über­fall der NS Armeen auf die Repub­lik Polen der zweite Weltkrieg, in den auch die in Rathenow sta­tion­ierten Batail­lone der Nazi­wehrma­cht ein­be­zo­gen wurden.
Sofort, aber in den fol­gen­den Jahren noch pro­gres­siv steigend wurde die mil­itärische Auseinan­der­set­zung als Ver­nich­tungs­feldzug im Rah­men des von der NS Führung propagierten „Kampfes um Leben­sraum“ geführt, ins­beson­dere seit 1941 in der Sow­je­tu­nion und Jugoslawien.
Zehn­tausende JüdIn­nen wur­den alleine in den ersten Kriegsmonat­en in Weißrus­s­land und in der Ukraine durch SS Ein­satz­grup­pen ermordet, unzäh­lige Dör­fer und hun­derte Städte durch die Nazi­wehrma­cht und ihrer Luft­waffe zerstört.
Erst 1943 gelang es den inter­na­tionalen Ver­bün­de­ten den NS Aggres­soren endgültig den Schwung aus ihrer mörderischen Brand­walze zu nehmen und sie sukzes­siv zum Ursprung zurückzuführen.
Die ver­brecherische NS Führung dachte jedoch zu keinen Zeit­punkt daran, den von ihnen ent­facht­en Krieg zu been­den. Auch nicht als die Bomben bere­its in ihre Wohnz­im­mer fielen.
Im Gegen­teil, durch die Mobil­isierung der Bevölkerung für den total­en Krieg­sein­satz soll­ten noch ein­mal die let­zten Reser­ven mobil­isiert wer­den um das nation­al­sozial­is­tis­che Mord­bren­ner­sys­tem zu sta­bil­isieren. KZ Häftlinge und Zwangsar­beit­er wur­den in die NS Rüs­tungsin­dus­trie gepresst um die an der Front ver­heizten deutschen Arbeit­er zu ersetzen.
Auch in Rathenow wur­den Zwangsar­beit­er in kriegswichti­gen Betrieben einge­set­zt, für die Aufrechter­hal­tung der Kampf­bomber­pro­duk­tion in Hei­de­feld sog­ar Häftlinge eines extra ein­gerichteten Außen­lagers des berüchtigten KZ Sach­sen­hausen, die erst in den let­zten Kriegsta­gen 1945 befre­it wurden.

Was will die NPD?

Nach dem Scheit­ern des Ver­bot­santrages und den Wahler­fol­gen in Sach­sen, Berlin und Meck­len­burg – Vor­pom­mern ist die recht­sex­trem­istis­che Partei im Rah­men ihres Dreisäu­lenkonzeptes „Kampf um die Köpfe“, „Kampf um die Straße“ und „Kampf um die Par­la­mente“ bestrebt neue Basis­struk­turen in Bran­den­burg zu schaf­fen um eine langfristige Ver­ankerung in der Mark sowie deren Kreisen zu erre­ichen und ihre in erster Lin­ie frem­den­feindlichen Ide­olo­gie – den so genan­nten „nationalen Sozial­is­mus“ – in der Mitte der Gesellschaft zu etablieren.
(Neo)nazis, die in Bran­den­burg immer wieder durch bru­tale Über­griffe auf aus­ländis­che Flüchtlinge und Gas­tar­beit­er von sich Reden machen, dienen der NPD dabei immer wieder als willige Steig­bügel­hal­ter. Auch in Rathenow.
Der örtliche NPD Stadtver­band set­zt sich nahezu voll­ständig aus Per­so­n­en zusam­men, die zuvor in zum Teil mit­tler­weile ver­bote­nen (neo)nazistischen Grup­pierun­gen und Kam­er­ad­schaften aktiv waren.
Der Vor­sitzende des Rathenow­er Stadtver­ban­des, Mar­cell Hor­lebeck, ist ein Gewohn­heit­skrim­ineller, der wegen zahlre­iche Gewalt – und Pro­pa­gan­dade­lik­te vorbe­straft ist. 1999 und 2001 ging er so beispiel­sweise in min­destens drei Fällen bru­tal gegen linke Jugendliche vor, im März 2001 warf er eine beleuchtete Scheibe des Rathenow­er Flüchtling­sheims am Birken­weg ein und im April 2001 skandierte er mit weit­eren Tat­beteiligten in der Nähe des Wein­bergfried­hofes u.a.: „Die Türken, die Kanaken sollen ver­reck­en?“ und „Die Juden pis­sen wir auf die Gräber!“. 2006 wurde Hor­lebeck zu dem zu ein­er Frei­heitsstrafe wegen Trunk­en­heit am Steuer verurteilt.

Was tun?

Im Rah­men des Bünd­niss­es „Rathenow zeigt Flagge“ haben sich die Stadt und ihre Bürg­er ein­deutig gegen Aus­län­der­hass, Ras­sis­mus und (Neo)nazismus posi­tion­iert — jet­zt gilt es, die dort man­i­festierten Worte in die Tat umzusetzen.
(Neo)nazis und Ras­sis­ten dür­fen keine öffentliche und hal­böf­fentliche Ver­samm­lung­sorte über­lassen wer­den – Kein Raum, Keine Straße, Kein Friedhof.

Nazi­aufmärsche über­all verhindern!

Naz­itr­e­ff­punk­te dichtmachen!

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