5. Dezember 2006 · Quelle: LR

Neue Denkansätze gefragt

(04.12.2006)

Jugendliche disku­tierten über Inte­gra­tion von Aus­län­dern
Unter dem gewollt Antworten provozieren­den Mot­to «Bunt + Offen = Forst?!» luden Jugendliche des Forster Gym­na­si­ums, die RAA Forst und Cot­tbus sowie die Aus­län­der­beauf­tragte zum «Open Space» , um gemein­sam zu disku­tieren, wie man die Inte­gra­tion Zuge­wan­dert­er und von Spä­taussiedlern unter­stützen und gegen Ras­sis­mus vorge­hen könne. Neue Denkan­sätze waren am Sam­stag gefragt.

Die Jugendlichen schrieben Vorschläge für Fra­gen zur Diskus­sion beim «Space Open» auf.
In der Aula des Gym­na­si­ums, das den Titel «Schule ohne Ras­sis­mus – Schule ohne Gewalt» trägt, fan­den sich neben den Mit­gliedern der Arbeits­gruppe «Schule ohne Ras­sisimus» und ihren Mitschülern auch Vertreter von Forster Parteien, Forster Street­work­er, Vertreter des Nix e. V. des East­side und des Park7, Vertreter des Kreisju­gen­dringes, Mitar­beit­er der Anlauf­stelle für Opfer recht­sex­tremer Gewalt in Süd­bran­den­burg, des Diakonis­chen Werkes Elbe/Elster und des bran­den­bur­gis­chen Vere­ins «Opfer­per­spek­tive» aus Pots­dam ein. Der amtierende Forster Bürg­er­meis­ter Jür­gen Gold­schmidt (FDP) erin­nerte an das Vor­bere­itungs-Open Space im Park7 und erk­lärte, er hoffe, das Frageze­ichen werde bis zum Abschluss der Ver­anstal­tung ganz ver­schwinden. Neben ihm waren auch die Forster Bürg­er­meis­terkan­di­dat­en Hel­mut Ließ, Ingo Paeschke und Cor­nelius Schulz anwe­send. Unter Begleitung von Open-Space-Mod­er­a­torin Karoli­na Iwa gin­gen die Teil­nehmer der ver­schieden­sten Alters­grup­pen daran, die sie bewe­gen­den Fra­gen auf Papi­er zu brin­gen, um sie anschließend in Arbeits­grup­pen zu disku­tieren. Neue Gesichter aus Forst und Umge­bung sowie Schüler ander­er Schulen waren jedoch rar in der Aula des Gym­na­si­ums. Auch Spä­taussiedler, die doch beim Vor­bere­itungstr­e­f­fen Inter­esse bekun­det hat­ten, fan­den nicht den Weg dor­thin. Man habe viele Ein­ladun­gen ver­schickt, an Spä­tausssiedler, aber auch ans Asy­lanten­heim. Das sei eine Frage der Eigen­ver­ant­wor­tung, meinte Susann e Kschen­ka von der Forster RAA. Denn man möchte nicht über die Köpfe der Betr­e­f­fend­en hin­weg, son­dern vor allem mit ihnen sprechen. Das erfordere einen län­geren Atem. Schließlich lautet ein­er der Leit­sätze des Open-Space: «Nicht die Zahl der Anwe­senden zählt, son­dern die Ergeb­nisse des Tages.» Doch nach Jean Paul Edz­imb, dem 41-jähri­gen Asylb­wer­ber aus Kamerun fand auch der zwanzigjährige Ismail aus Kenia den Weg zum Tre­f­fen. Bei­de wur­den gle­ich in die Diskus­sio­nen inner­halb der Grup­pen ein­be­zo­gen, die sich unter anderem um die The­men «Wie kann man in Forst leben­den Flüchtlin­gen helfen, sich in der Stadt wohl zu fühlen«» , «Wie kön­nen wir Men­schen zueinan­der brin­gen, sie miteinan­der verbinden»» , ««Wie wichtig sind Gedenk­tage«» , «Kann man aus der Geschichte ler­nen»»» dreht­en. Doch auch die «Wurzeln des Ras­sis­mus und wie kann man sie bekämpfen«» , das konkrete Wo, Wer, Wie der Frem­den­feindlichkeit in Forst sowie das The­ma «Wie spreche ich mit Men­schen, die undemokratis­che und frem­den­feindliche Ein­stel­lun­gen haben»» und «Warum wer­den im Pri­vatleben solche Begriffe wie Kanaken und Fid­schi toleriert«» , bewegte die Open-Space-Teil­nehmer.

Die Sprache sei wohl das entschei­dende Prob­lem, sich einzubrin­gen, stell­ten die Jugendlichen fest. Sprachkurse nicht nur für Jugendliche, die hier die Schule besuchen, son­dern auch für deren Eltern seien gefragt. Doch auch Aus­län­der und Spä­taussiedler kön­nten sich ein­brin­gen, hät­ten etwas zu bieten, zum Beispiel beim Erler­nen von Fremd­sprachen durch deutsche Schüler. «Oder bei Schul­pro­jek­ten ihre Län­der und ihre Sprachen vorstellen» , warf «Gast­ge­ber» -Schulleit­er Thomas Röger ein, der an den Franzö­sisch- und Englis­chken­nt­nis­sen von Jan Paul Edz­imb Inter­esse zeigte.

Zwan­glose Tre­f­fen in gemütlich­er Atmo­späre kön­nen zusam­men­brin­gen. Sport mache Spaß und kann eben­falls verbinden. Vorurteile könne man am besten in per­sön­lichen Gesprächen abbauen, fol­gerten die Teil­nehmer. Straßen­feste, Vere­ine ein­beziehen – das seien Lösun­gen, meinte Jugend­ko­or­di­na­tor Olaf Noack. Ein­er der Asyl­be­wer­ber berichtete von seinen Erfahrun­gen mit Ein­lass­di­en­sten des «Blue Inn» in Forst. Man könne für seine Sicher­heit nicht garantieren hieß es da und man wies ihn ab.
Was tun gegen recht­es Gedankengut» Nur wer den jun­gen Leuten per­sön­lich wichtig sei, könne auf sie ein­wirken, gab Jan Neupötsch von der RAA in Forst zu bedenken. Die NPD organ­isiere pop­uläre Feste, unter­bre­ite Kinder- und Fam­i­lien­ange­bote. «Was unter­bre­it­en wir?» , so fragte er. Man müsse auf die Jugendlichen einge­hen, sie gefühlsmäßig ansprechen, sich auf ihre Inter­essen ein­stellen und sie trotz ihrer Gesin­nung als Per­so­n­en sehen. «Aus­gren­zung bringt nichts. Ohne Kon­fronta­tion aufeinan­der zuge­hen, ist wichtig» , so Annett Müller vom Nix. e. V. «Kon­tak­te zu Jugend­grup­pen auf dem Land herzustellen zwis­chen Jugendlichen unter­schiedlich­ster Ein­stel­lun­gen. Oder ein Mul­ti­kul­ti-Sport­fest» , sieht Thomas Röger als gang­baren Weg. «Zumal die Jugendlichen von der Poli­tik oft tief ent­täuscht sind. Auf dem Land sind demokratis­che Parteien kaum vertreten. Jugendliche wer­den so oft mit ein­fachen recht­en Parolen geködert» , so Anke Schwarzen­berg (Linke. PDS).

Alle Vorschläge und Anre­gun­gen mün­de­ten am Abend in ein­er Doku­men­ta­tion, die jedem Teil­nehmer aus­ge­händigt wurde.

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