3. Juli 2016 · Quelle: Presseservice

Neuruppin: JWP Mittendrin erinnerte an Emil Wendland

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Am (Samstag)Vormittag haben am Schulplatz in Neu­rup­pin  unge­fähr 30 Men­schen aus dem Umfeld des linksalter­na­tiv­en Jugend­wohn­pro­jek­tes Mit­ten­drin an die bru­tale Tötung von Emil Wend­land in der Nacht vom 1. Zum 2. Juli 1992 erin­nert. Eine dreiköp­fige Gruppe Naziskins hat­ten den auf ein­er Park­bank schlafend­en Woh­nungslosen vor 24 Jahren zunächst mit Schlä­gen und Trit­ten mal­trätiert. Dann wurde eine Bier­flasche auf seinem Kopf zer­schla­gen und abschließend mit einem Mess­er auf ihn eingestochen. Wend­land ver­starb kurze Zeit später an inneren Blu­tun­gen.
Die Tat stellte lokal den Höhep­unkt neon­azis­tis­ch­er Exzesse Anfang der 1990er Jahre da. „Es gab nur wenige Tage ohne Mel­dun­gen in den Zeitun­gen von recht­en Über­grif­f­en, Anschlä­gen auf Asyl­suchen­den­heime, Tre­f­fen von 200+ Nazis, recht­en Parolen, Sprühereien“, wie das JWP Mit­ten­drin in einem Aufruf zu dessen heutiger Gedenkkundge­bung schrieb. Trotz­dem geri­et der bru­tale Gewal­takt über die Jahre lang ins Abseits der Lokalgeschichte. Bere­its seit 1993 wurde die Tat nicht mehr in der Sta­tis­tik des Innen­min­is­teri­ums zu Todes­opfern extrem rechter Gewalt geführt. Ein offizielles Andenken an den Getöteten blieb jahre­lang aus. Erst die Aufar­beitung der jüng­sten Geschichte Neu­rup­pins durch das JWP Mit­ten­drin führte zur Schaf­fung eines kleinen Ortes der Erin­nerung in der Nähe des Schulplatzes. Durch Recherchen des Moses Mendel­sohn Zen­trums in den ehe­ma­li­gen Prozes­sak­ten zum Ver­fahren gegen die dama­li­gen Täter wur­den 2015 zudem auch ein­deutige Belege für einen Gewal­takt mit extrem rechter Moti­va­tion gefun­den.  Das Bun­desin­nen­min­is­teri­um ergänzte daraufhin seine Sta­tis­tik. Emil Wend­land wurde somit auch offiziell als Todes­opfer rechter Gewalt anerkan­nt.
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Neu­rup­pin zählt auch heute noch zu den Haup­tak­tion­sräu­men des neon­azis­tis­chen Milieus im Land Bran­den­burg. Im ver­gan­genen Jahr ver­anstal­teten lokale Neon­azis eine Großdemon­stra­tion zum Tag der so genan­nten „deutschen Zukun­ft“. Gestern (Fre­itag) ver­sam­melten sich Sympathisant_innen der neon­azis­tis­chen „Freien Kräfte Neu­rup­pin – Osthavel­land“, um den Tod von Emil Wend­land für pro­pa­gan­dis­tis­che Zwecke zu miss­brauchen. Die Tötung des Woh­nungslosen wurde als „sub­kul­turelle Per­spek­tivlosigkeit“ rel­a­tiviert und neon­azis­tis­che Weltan­schau­ungsmuster als Grund­lage für die Tat ver­leugnet.
Fotos von der Gedenkkundge­bung des JWP Mit­ten­drin: hier
Fotos von der Neon­azikundge­bung am Fre­itag: hier

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