3. Juli 2016 · Quelle: Presseservice

Neuruppin: JWP Mittendrin erinnerte an Emil Wendland

Am Samstagvormittag erinnerten 30 Menschen an die Tötung von Emil Wendland im Juli 1992. Einen Abend zuvor relativierten 14 Neonazis im Rahmen einer eigenen Kundgebung den Tod des Wohnungslosen und wiesen jede Verantwortung von sich.

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Am (Samstag)Vormittag haben am Schulplatz in Neu­rup­pin  unge­fähr 30 Men­schen aus dem Umfeld des linksalter­na­tiv­en Jugend­wohn­pro­jek­tes Mit­ten­drin an die bru­tale Tötung von Emil Wend­land in der Nacht vom 1. Zum 2. Juli 1992 erin­nert. Eine dreiköp­fige Gruppe Naziskins hat­ten den auf ein­er Park­bank schlafend­en Woh­nungslosen vor 24 Jahren zunächst mit Schlä­gen und Trit­ten mal­trätiert. Dann wurde eine Bier­flasche auf seinem Kopf zer­schla­gen und abschließend mit einem Mess­er auf ihn eingestochen. Wend­land ver­starb kurze Zeit später an inneren Blu­tun­gen.
Die Tat stellte lokal den Höhep­unkt neon­azis­tis­ch­er Exzesse Anfang der 1990er Jahre da. „Es gab nur wenige Tage ohne Mel­dun­gen in den Zeitun­gen von recht­en Über­grif­f­en, Anschlä­gen auf Asyl­suchen­den­heime, Tre­f­fen von 200+ Nazis, recht­en Parolen, Sprühereien“, wie das JWP Mit­ten­drin in einem Aufruf zu dessen heutiger Gedenkkundge­bung schrieb. Trotz­dem geri­et der bru­tale Gewal­takt über die Jahre lang ins Abseits der Lokalgeschichte. Bere­its seit 1993 wurde die Tat nicht mehr in der Sta­tis­tik des Innen­min­is­teri­ums zu Todes­opfern extrem rechter Gewalt geführt. Ein offizielles Andenken an den Getöteten blieb jahre­lang aus. Erst die Aufar­beitung der jüng­sten Geschichte Neu­rup­pins durch das JWP Mit­ten­drin führte zur Schaf­fung eines kleinen Ortes der Erin­nerung in der Nähe des Schulplatzes. Durch Recherchen des Moses Mendel­sohn Zen­trums in den ehe­ma­li­gen Prozes­sak­ten zum Ver­fahren gegen die dama­li­gen Täter wur­den 2015 zudem auch ein­deutige Belege für einen Gewal­takt mit extrem rechter Moti­va­tion gefun­den.  Das Bun­desin­nen­min­is­teri­um ergänzte daraufhin seine Sta­tis­tik. Emil Wend­land wurde somit auch offiziell als Todes­opfer rechter Gewalt anerkan­nt.
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Neu­rup­pin zählt auch heute noch zu den Haup­tak­tion­sräu­men des neon­azis­tis­chen Milieus im Land Bran­den­burg. Im ver­gan­genen Jahr ver­anstal­teten lokale Neon­azis eine Großdemon­stra­tion zum Tag der so genan­nten „deutschen Zukun­ft“. Gestern (Fre­itag) ver­sam­melten sich Sympathisant_innen der neon­azis­tis­chen „Freien Kräfte Neu­rup­pin – Osthavel­land“, um den Tod von Emil Wend­land für pro­pa­gan­dis­tis­che Zwecke zu miss­brauchen. Die Tötung des Woh­nungslosen wurde als „sub­kul­turelle Per­spek­tivlosigkeit“ rel­a­tiviert und neon­azis­tis­che Weltan­schau­ungsmuster als Grund­lage für die Tat ver­leugnet.
Fotos von der Gedenkkundge­bung des JWP Mit­ten­drin: hier
Fotos von der Neon­azikundge­bung am Fre­itag: hier

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Nach Schlägereien von Män­ner­grup­pen unter­schiedlich­er Nation­al­ität woll­ten Neon­azis gestern in Rheins­berg ein flüchtlings­feindlich­es Sig­nal set­zen. Doch ihre angemeldete Kundge­bung ver­puffte am Gegen­protest.
Gestern gedacht­en ca. 60 Per­so­n­en in Neu­rup­pin Emil Wend­land und set­zten ein sicht­bares Zeichen gegen rechte Het­ze und Gewalt.
Wir rufen dazu auf sich am 01. Juli 2020 ab 18:00 Uhr am Rosen­garten, dem zen­tralen Gedenko­rt für Emil Wend­land, einzufind­en, diesem würdig zu Erin­nern und ein sicht­bares Zeichen gegen rechte Het­ze und Gewalt zu set­zen.

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