16. Juni 2004 · Quelle: MAZ

NPD erhielt 2,7 Prozent und legte gegenüber 1999 zu

EU-Wahl im Kreis: Repub­likan­er bedeu­tungs­los, Graue und Tier­schutz­partei bei zwei Prozent

(MAZ, 15.6.) OBERHAVEL Die kleinen Parteien kon­nten von der niedri­gen Beteili­gung bei den EU-Wahlen
offen­sichtlich nicht in dem Maße wie erwartet prof­i­tieren. NPD und
Repub­likan­er spie­len im Kreis Ober­hav­el kaum eine Rolle. 

Bei der NPD macht­en im Kreis Ober­hav­el 1274 Wahlberechtigte ihr Kreuz. Das
sind 2,7 Prozent der Wäh­ler. Die NPD erhielt damit 1,4 Prozent mehr als bei
den EU-Wahlen 1999 (580 Stim­men). In die Bedeu­tungslosigkeit sind die
Repub­likan­er abgerutscht. Sie erhiel­ten 648 Stim­men. Das sind 1,4 Prozent.
Bei den EU-Wahlen 1999 hat­ten die Repub­likan­er noch 927 Stim­men (2,1
Prozent). 

Die Grauen wählten 947 (2,0 Prozent). Drittstärk­ste Partei unter den
“Son­sti­gen” wurde die Tier­schutz­partei mit 944 Stim­men (2,0 Prozent),
gefol­gt von der Fam­i­lien­partei mit 707 Stim­men (1,5 Prozent). 

An der EU-Wahl im Kreis beteiligten sich 48 136 Wäh­ler. Gültige Stim­men: 47
180. Die Wahlbeteili­gung von 29,7 Prozent liegt damit um 0,7 Prozent
niedriger als die vor fünf Jahren. 

PDS-Hochbur­gen waren bei den EU-Wahlen Oranien­burg, gefol­gt von Liebenwalde
und Leege­bruch. In Glienicke, im Müh­len­beck­er Land und in der Gemeinde
Oberkrämer ist die CDU die stärk­ste Partei. In den S‑Bahn-Gemein­den
erziel­ten die Bünd­nis­grü­nen zwis­chen 15,1 und 13,7 Prozent und damit
Ergeb­nisse, die noch deut­lich über dem Bun­dess­chnitt liegen. 

Arbeit gegen rechts ohne Geld

Vere­in muss Mitar­bei­t­erin entlassen

(MAZ, 15.6., Frauke Her­weg) ORANIENBURG Keine haup­tamtliche Mitar­bei­t­erin mehr, Abschied von dem Büro in der
Bernauer Straße. Ende August läuft die finanzielle Hil­fe des Fördervereins
für interkul­turelle Bil­dung und Begeg­nung (FiBB) aus. Drei Jahre lang hatte
das vom Bun­des­fam­i­lien­min­is­teri­um ini­ti­ierte Civ­i­tas-Pro­gramm den Verein
unter­stützt. Ohne diese Hil­fe, sagt der FiBB-Vor­sitzende Bern­hard Fricke,
müsse der Vere­in sein Oranien­burg­er Büro kündi­gen und Geschäftsführerin
Minette von Krosigk entlassen. 

Zwar hat Oranien­burgs Bürg­er­meis­ter Hans-Joachim Laesicke dem Vere­in ein
Auswe­ichquarti­er ange­boten — für den Über­gang Unter­schlupf in einer
ehe­ma­li­gen Kita am Lin­den­ring, später einen Raum im geplanten Bürgerzentrum
an der Albert-Buch­mann-Straße. Doch Fricke fürchtet trotz­dem um die weitere
Arbeit des Vere­ins, der maßge­blich die Aktio­nen des Forums gegen Rassismus
und rechte Gewalt unterstützt. 

Ohne eine haup­tamtliche Mitar­bei­t­erin lassen sich viele Pro­jek­te nicht mehr
ver­wirk­lichen, dro­hen Kon­tak­te, die von Krosigk über Jahre bei den Schulen
und beim VHS-Bil­dungswerk aufge­baut hat, abzubrechen. “Wir müssen so
arbeit­en wie ganz zu Anfang”, sagt Fricke. “Ehre­namtlich.”

Am kom­menden Don­ner­stag wollen die Forumsmit­glieder berat­en, wie sie die
Arbeit kün­ftig schul­tern wollen. Die jährliche Demo zum Anti­ras­sis­mustag im
März werde es “in jedem Fall” weit­er geben, sagt Fricke. Für das Fest der
Hoff­nung auf dem SS-Trup­pen­gelände wer­den die Forumsmit­glieder Mitstreiter
aus anderen Ini­tia­tiv­en suchen. “So in dieser Form wird es dieses Fest nicht
mehr geben”, sagt Fricke. 

Ein Nachteil müsse das allerd­ings nicht sein. Werde das Fest von einem
Bünd­nis von Ini­tia­tiv­en getra­gen, werde es vielle­icht noch attraktiver,
hofft Fricke. Auch die gemein­same Adresse mit anderen Ini­tia­tiv­en am
Lin­den­ring und später in der Albert-Buch­mann-Straße, auf die Fricke nach
einem entsprechen­den Antrag an die Stadt jet­zt hofft — möglicher­weise eine
Hil­festel­lung für eine ver­net­zte Arbeit. 

FiBB-Geschäfts­führerin Minette von Krosigk schei­det nach drei Jahren
ent­täuscht aus dem Amt. Mit dem Aus­laufen ihrer Stelle hat die 61-Jährige
immer gerech­net. Allerd­ings hätte sie sich ein wenig mehr Engage­ment der
Ober­havel­er gewün­scht. “Ich hat­te gehofft, mehr Leute hier­her holen zu
kön­nen”, sagt von Krosigk. “Das ist uns nicht gelungen.” 

Auch von Krosigk sorgt sich um die kün­ftige Arbeit des Vere­ins. Seit etwa
einein­halb Jahren geht das ehre­namtliche Engage­ment zurück, so ihr Eindruck.
The­ater­work­shops mit Azu­bis, Kom­mu­nika­tion­strain­ings, Begeg­nun­gen mit
Asyl­be­wer­bern — all diese Pro­jek­te, die die ehe­ma­lige Jour­nal­istin in den
ver­gan­genen Jahren angestoßen hat, lassen sich mit Hon­o­rarkräften nur schwer
kon­tinuier­lich organ­isieren, fürchtet sie. Die Recht­sex­tremen, sagt sie,
“sind immer noch da. Es passiert nur weniger Blutiges.”

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