7. April 2016 · Quelle: Einige Antirassist_innen Potsdam

Öffentlicher Brief an den Leiter der Kfz Selbsthilfewerkstatt Potsdam

Aufgrund der andauernden Bedrohungssituation für Geflüchtete, unter anderem am Schlaatz, ist es uns ein Anliegen die aktuelle Situation nicht unwidersprochen hinzunehmen. Ein Ausgangspunkt für rassistisch motivierte Aggressionen und Attacken ist die Kfz Selbsthilfewerkstatt an der Alten Zauche, direkt neben der Geflüchtetenunterkunft am Schlaatz.

Auf­grund der andauern­den Bedro­hungssi­t­u­a­tion für Geflüchtete, unter anderem am Schlaatz, ist es uns ein Anliegen die aktuelle Sit­u­a­tion nicht unwider­sprochen hinzunehmen. Ein Aus­gangspunkt für ras­sis­tisch motivierte Aggres­sio­nen und Attack­en ist die Kfz Selb­sthil­few­erk­statt an der Alten Zauche, direkt neben der Geflüchtete­nun­terkun­ft am Schlaatz. In diesem Zusam­men­hang haben wir uns vor zwei Wochen an Hen­ry Koch, den ver­ant­wortlichen Leit­er der Werk­statt, gewandt, um auf struk­turelle Verän­derun­gen in und im Umfeld der Werk­statt hinzuwirken. Diesen Brief möcht­en wir hier dokumentieren:



Umgang der Kfz Selb­sthil­few­erk­statt mit ras­sis­tis­chen Vorfa?llen
Sehr geehrter Herr Koch,
Sie sind Leit­er der Selb­sthil­few­erk­statt am Schlaatz. Wie Sie vielle­icht schon mit­bekom­men haben, ist Ihre Werk­statt in der Ver­gan­gen­heit in den Fokus von Antifaschist_innen gelangt. Dieser Fokus wird sich so schnell nicht verschieben.
Aus­gangspunkt ist die sich vera?ndernde, zunehmend bedrohlich­er wer­dende Stim­mung am Schlaatz. Betrof­fen davon sind hauptsa?chlich Geflu?chtete oder andere Men­schen mit nicht-weißer Haut­farbe. Ihre Werk­statt wurde dabei zu einem Angstort fu?r eben diese Men­schen. Vom Grundstu?ck Ihrer Werk­statt aus kam es zu min­destens einem ras­sis­tis­chen Angriff, bei dem Werkzeuge aus Ihrer Werk­statt Tat­waf­fen waren. Auch wurde uns schon mehrfach von ver­balen Attack­en auf Geflu?chtete berichtet.
Ihre Werk­statt ist nicht nur ein Ort, von dem ras­sis­tis­che Angriffe aus­ge­hen, son­dern auch ein Ort, an den sich beken­nende Neon­azis zuru?ckziehen ko?nnen. Sie mu?ssen sich in Ihrer Werk­statt noch nicht ein­mal die Mu?he machen, ihre Ide­olo­gie zu ver­ber­gen, denn sowohl von Ihnen als auch von den anderen in der Werk­statt Mitar­bei­t­en­den wer­den die neon­azis­tis­chen Sym­bole auf Kleidungsstu?cken toleriert. Dabei leg­en Neon­azis in ihrer Freizeit ihre Ide­olo­gie nicht ein­fach ab. Sie ist weit­er vorhan­den in ihren Ko?pfen und ihren A?ußerungen. Entwed­er nutzen Neon­azis Ihre Werk­statt als willkommene Nebenbu?hne fu?r poli­tis­che Aktivita?ten oder sie nutzen sie um neue Kra?fte zu tanken (und neben­bei die Autos zusam­men zu hal­ten, die sie zu neon­azis­tis­chen Demon­stra­tio­nen bringen).
Obwohl die benan­nten Vorfa?lle bere­its seit einiger Zeit bekan­nt sind, haben Sie daraus keine wahrnehm­baren Kon­se­quen­zen gezo­gen. Das wer­den wir so nicht akzep­tieren. Wir fordern Sie auf, erkennbaren Neon­azis, wie zum Beispiel dem stadt­bekan­nten Tim Borows­ki, sofort Hausver­bote zu erteilen, ras­sis­tis­che U?bergriffe und Po?beleien zu unterbinden und nicht la?nger einen Ru?ckzugsort fu?r Rassist_innen zu bieten. Wir sagen Angstra?umen den Kampf an. Wir dulden wed­er Angstra?ume fu?r Geflu?chtete, noch fu?r andere nicht in das Welt­bild von Neon­azis passende Menschen.
Sie wer­den Hil­fe im Umgang und bei der Umset­zung dieser Stan­dards brauchen. Es gibt Organ­i­sa­tio­nen, die darauf spezial­isiert sind, in solchen Fa?llen zu helfen. Wen­den Sie sich an das „Mobile Beratung­steam Pots­dam“ oder die „Ser­vices­telle Tol­er­antes und Sicheres Pots­dam“. Diese ko?nnen Sie bei der Verbesserung der Sit­u­a­tion fu?r alle Beteiligten vor Ort unterstu?tzen. Vielle­icht wa?re auch ein Inte­gra­tionspro­jekt fu?r Geflu?chtete nach dem Umset­zen der Stan­dards im Rah­men der Selb­sthil­few­erk­statt denkbar.
Wir wer­den diesen Brief, zwei Wochen nach­dem Sie ihn erhal­ten haben, vero?ffentlichen. Damit mo?chten wir Ihnen Zeit zum selbststa?ndigen Han­deln geben.
Mit fre­undlichen Gru?ßen,
Einige Antirassist_innen Potsdam

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