12. Februar 2015 · Quelle: Presseservice

Oberhavel Nazifrei“ demonstriert für eine „Willkommenskultur“

Titelbild
Unter dem Mot­to „Ober­hav­el für alle – Oranien­burg ist anders. Weltof­fen. Bunt!“ demon­stri­erten heute 200 Men­schen in Oranien­burg (Land­kreis Ober­hav­el) für die Unter­bringung von Flüchtlin­gen und Asyl­suchen­den in der Stadt sowie eine vielfältige Willkom­men­skul­tur. Zu der Ver­anstal­tung aufgerufen hat­te ein über­parteilich­es Bünd­nis aus Parteien, wie SPD, die Grü­nen und DIE.LINKE, und Ini­tia­tiv­en, wie dem „Tol­er­an­ten Bran­den­burg“ und „Willkom­men in Ober­hav­el“. Die Demon­stra­tion richtete sich auch gegen den zeit­gle­ich stat­tfind­en­den, drit­ten „Abendspazier­gang“ von Asylgegner_innen, Hooli­gans, Neon­azis und Rassist_innen. An diesem beteiligten sich heute unge­fähr 200 Per­so­n­en.
Kon­tro­verse Diskus­sion zu Abendspaziergän­gen
Die „Abendspaziergänge“ wer­den mit­tler­weile auch von den regionalen Medi­en kri­tisch hin­ter­fragt. Nico Scu­teri vom Mobilen Beratung­steam für Gemein­we­sen­ber­atung, ein Experte für Recht­sex­trem­is­mus im Land­kreis Ober­hav­el, hat­te in einem Inter­view mit der MAZ darauf hingewiesen, dass diese Ver­anstal­tun­gen klar als „recht­sex­trem“ zu werten sind, da NPD und JN Funk­tionäre nicht ein­fach nur mit­laufen, son­dern auch an der Logis­tik der Ver­samm­lung beteiligt sind, in dem sie Laut­sprecher­wa­gen, Ord­ner und Redner_innen stellen. Dem Wider­sprach allerd­ings unlängst der Vel­tener Stadtverord­nete Robert Wollins­ki (NPD). Nach seinen Erken­nt­nis­sen, war die JN über­haupt nicht und einige NPD Mit­glieder nur als Mitläufer aktiv. Jedoch ist die Seriosität solch­er Aus­sagen höchst zweifel­haft. Da selb­st der poli­tisch zuvor noch nicht aufge­fal­l­ene Anmelder der Abendspaziergänge, Car­lo-Eik Christopeit, zugab von einem bekan­nten JN Sym­pa­thisan­ten bei der Anmel­dung berat­en wor­den zu sein. Dieser soll im Übri­gen beim zweit­en Abendspazier­gang auch als Red­ner aufge­treten sein. Wollinskis Wider­spruch ist somit als Desin­for­ma­tion zu Werten, um die Anbiederung der extremen Recht­en an die bürg­er­liche Mitte der Gesellschaft zu ver­schleiern.
Auch aktuell set­zt sich diese Ver­schleierungstak­tik fort. So rief die Bürg­erini­tia­tive „Nein zum Heim in Oranien­burg“, ein­er mit der NPD ver­wobe­nen Social­me­dia-Kam­pagne, anstatt der Parteior­gan­i­sa­tion zur Teil­nahme am heuti­gen „Abendspazier­gang“ auf.
Wieder Neon­azis im Gefolge
Insofern ist es wenig ver­wun­der­lich das auch wieder mehrere Neon­azis am Aufzug teil­nah­men, darunter die NPD Stadtverord­neten Robert Wollins­ki aus Vel­ten und Detlef Appel aus Oranien­burg. Weit­er­hin wur­den auch Aktivist_innen aus dem Oranien­burg­er JN Spek­trum erkan­nt. Deut­lich geringer war hinge­gen die Anzahl auswär­tiger Neon­azis. Von diesen wurde nur Einzelper­so­n­en aus dem Land­kreis Ost­prig­nitz-Rup­pin und Berlin erkan­nt.
Statt der offen­sichtlichen Vere­in­nah­mung durch das neon­azis­tis­che Milieu kristallisiert sich immer mehr eine ver­schworene Gemein­schaft von Asylgegner_innen, Hooli­gans, Neon­azis und Rassist_innen her­aus, die sich unter bürg­er­lichem Antlitz auf das The­ma Asyl eingeschossen hat.
Alle Rede­beiträge gin­gen in diese Rich­tung. Manche gaben einen objek­tiv-kri­tis­chen Blick vor, andere bein­hal­teten auss­chließlich dumpfe Polemik gegen Flüchtlinge und Asyl­suchende. Von den sieben Reden waren aber lediglich zwei Beiträge rhetorisch bemerkenswert, in denen unter­schwellig auch neon­azis­tis­che Ide­olo­gie trans­portiert wurde. Diese Reden hat­ten völkische und revi­sion­is­tis­che Züge. Beson­ders bemerkenswert war dies­bezüglich der Rede­beitrag ein­er jun­gen Frau, die zunächst betonte nach 1945 geboren zu sein und nichts mit Konzen­tra­tionslagern zu tun zu haben, um dann vehe­ment ein Ende der aus ihrer Sicht damit ver­bun­de­nen so genan­nten „Schuld­kul­tur“ zu fordern. Und das in ein­er Stadt in eines der ersten Konzen­tra­tionslager Nazideutsch­lands errichtet wurde.
Ober­hav­el Naz­ifrei beset­zt Route
Zwar kon­nte der „Abendspazier­gang“ auch ein drittes mal rel­a­tiv ungestört durch Oranien­burg ziehen, jedoch sorgte das Bünd­nis „Ober­hav­el Naz­ifrei“ dafür, dass dies nicht auf der son­st üblichen Route geschah. Die „Abendspaziergänger_innen“ hat­ten schlechtweg vergessen ihre Ver­anstal­tung rechtzeit­ig anzumelden, so dass die Befürworter_innen ein­er Willkom­men­skul­tur ihnen bei der Anmel­dung ein­er Demon­stra­tion zuvor kom­men kon­nten. Der oblig­a­torische „Abendspazier­gang“ in der Innen­stadt fiel somit aus. Stattdessen mussten die Teilnehmer_innen dieser Ver­samm­lung eine recht unat­trak­tive Strecke, qua­si ein­mal rund um die Bahn­hal­testelle herum, nehmen.
Kleine Zwis­chen­fälle am Rande
Sichtlich gefrostet kon­nten sich dabei auch wieder einige aggres­sive Demon­stran­ten des „Abendspazier­gangs“ nicht beherrschen und ver­sucht­en Pressevertreter_innen anzu­greifen. Die Polizei ver­hin­derte dies, gab aber auch den Hin­weis an die Presse sich auf Dis­tanz zur Demon­stra­tion zu hal­ten, da son­st die Sicher­heit nicht garantiert wer­den könne.
Ein weit­er­er Zwis­chen­fall ereignete sich in unmit­tel­bar­er Nähe der Willkom­mens­de­mo, dort ver­suchte ein junger Mann durch das Zeigen des „Hit­ler­grußes“ zu provozieren. Gegen ihn wird jet­zt wegen Ver­wen­dens von Kennze­ichen ver­fas­sungswidriger Organ­i­sa­tio­nen ermit­telt.
weit­ere Fotos: hier und hier

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Unser Autor ist vor Neon­azis wegge­laufen und er war mit Recht­en befre­un­det. In den Neun­zigern in Ost­deutsch­land ging das zusam­men. Und heute?

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