8. November 2006 · Quelle: Junge Welt

Polizei in früherer SS-Kaserne

Von Frank Brendle 

Die bran­den­bur­gis­che Polizei wird jet­zt in ehe­ma­li­gen SS-Kaser­nen aus­ge­bildet: Am vorigen Woch­enende haben die ersten Polizeian­wärter ihren Dien­steid auf dem Gelände der neu ein­gerichteten Polizeifach­hochschule in Oranien­burg geleis­tet. Auf dem Are­al, das direkt neben der KZ-Gedenkstätte Sach­sen­hausen liegt, befand sich während der Nazidik­tatur ein SS-Trup­pen­lager. Hier waren auch die Wach­mannschaften des Konzen­tra­tionslagers untergebracht. 

Nach dem Zweit­en Weltkrieg waren auf dem Gelände zunächst Ange­hörige der Sow­je­tarmee sta­tion­iert, später Sol­dat­en der NVA und danach der Bun­deswehr. Von 1991 bis 2002 wur­den die Kaser­nen vom Polizeiprä­sid­i­um Oranien­burg genutzt. 

Danach standen die Gebäude leer und dro­ht­en zu ver­fall­en. Let­zteres wollte die Stiftung Bran­den­bur­gis­che Gedenkstät­ten, die auch Betreiberin der Gedenkstätte KZ Sach­sen­hausen ist, unbe­d­ingt ver­hin­dern. Bei dem Kom­plex han­dle es sich um die bun­desweit einzige KZ-Anlage, die noch als kom­plettes »Ensem­ble« erhal­ten sei, betonte der Press­esprech­er der Gedenkstätte, Horst Sef­er­ens, gegenüber jW. Die Stiftung hat sich deswe­gen dafür einge­set­zt, daß die Polizeis­chule dort in die alten Kaser­nen einzieht, damit die Gebäude erhal­ten bleiben. 

Karl Sten­zel, der als KPD-Mit­glied während der Naz­i­herrschaft im KZ Sach­sen­hausen gefan­gen war, zeigte sich im jW-Gespräch empört darüber, daß die Über­leben­den des KZ in die Pla­nun­gen nicht einge­bun­den wor­den seien: »So etwas müssen wir aus der Zeitung erfahren.« Sten­zel zufolge gren­zt der Sport­platz der Polizeis­chule unmit­tel­bar an das Kre­ma­to­ri­um und die Hin­rich­tungsstätte des ehe­ma­li­gen KZ. Das sei ein Ort, an dem der ermorde­ten Häftlinge gedacht werde. »Lautes Hur­rageschrei vom Sport­platz kön­nte dieses Gedenken stören«, befürchtet Stenzel. 

Aus­gelegt ist die Hochschule für 800 Studierende und jährlich mehrere tausend Fort­bil­dung­steil­nehmer. Zum Aus­bil­dung­spro­gramm gehören mehrtägige Sem­i­nare über die Rolle der Polizei im Nazis­taat. Die Sem­i­nare wer­den von der Gedenkstätte ver­anstal­tet. Der Fach­hochschul­präsi­dent Rain­er Grieger kom­men­tierte das bei Eröff­nung der Hochschule fol­gen­der­maßen: »Wenn man einige hun­dert Meter weit­er zur Gedenkstätte geht, ist zu sehen, was passiert, wenn sich staatliche Gewalt nicht an Grund- und Men­schen­rechte hält.« 

Bran­den­burgs Innen­min­is­ter Jörg Schön­bohm (CDU) klam­merte bei der Eröff­nung den his­torischen Hin­ter­grund des Gebäudekom­plex­es aus. Er schwärmte vielmehr von der Investi­tion in einen »pro­fes­sionellen und motivierten Polizeinach­wuchs«. Wer sich auf dem Gelände umschaue, der »muß ganz ein­fach von diesem attrak­tiv­en Cam­pus überzeugt sein«.

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