14. Dezember 2003 · Quelle: Inforiot

Polizei prügelt die Straße für Nazis frei

INFORIOT Etwa 200 Neon­azis — vor allem aus Berlin, Bran­den­burg und Sach­sen — haben am Sonnabend in Hoy­er­swer­da und Cot­tbus demon­stri­ert. Im säch­sis­chen Hoy­er­swer­da kon­nten die Recht­en offen­bar weit­ge­hend ungestört marschieren. In Cot­tbus, dem zweit­en Teil der “Dop­pelde­mo”, kam es hinge­gen zu mas­siv­en Störun­gen durch Antifas und Bürg­erIn­nen. Die Polizei set­zte gegen die Nazigeg­ner­In­nen stel­len­weise Wasser­w­er­fer, Pfef­fer­spray und Knüp­pel ein. Presseagen­turen wider­sprechen sich bei ihren Angaben über die Anzahl der Fes­t­nah­men, die Mel­dun­gen schwanken zwis­chen ein­er und sieben Ver­haf­tun­gen.

Die linke Gegen­demon­stra­tion in Cot­tbus unter dem Mot­to “Naz­izm? Nie, dzieku­je!” (pol­nisch für “Nazis? nein Danke!”) war kurzfristig ver­boten wor­den. Es fand lediglich eine kurze Kundge­bung in der Straße der Jugend statt. Daneben gab es noch einige bürg­er­liche Protestver­anstal­tun­gen, zum Beispiel in ein­er Kirche. Antifas und auch immer mehr Bürg­erIn­nen sam­melten sich schließlich am Bahn­hof, um die aus Hoy­er­swer­da ein­tr­e­f­fend­en Nazis zu emp­fan­gen. Bis kurz vor 17 Uhr war die Menge der Nazigeg­n­er auf schätzungsweise 600 Men­schen angewach­sen. Ent­ge­gen den Erwartun­gen von zahlre­ichen Stadtver­ant­wortlichen in den Vorta­gen kamen also nicht “mehrere Tausend” bürg­er­liche Gegen­demon­stran­tInnen zusam­men — die Mehrzahl der Anwe­senden bestand aus linken Jugendlichen. Die angekündigte “Besen”-Demo fand nicht statt. (Mit­tler­weile wur­den wir darauf hingewiesen, dass dur­chaus ein Kehrfahrzeug der Stadt hin­ter der recht­en Demo hit­ner­her­fuhr, allerd­ings waren kaum Bürg­erIn­nen mit Besen unter­wegs)

Um etwa 17 Uhr ver­suchte sich der Demozug der Nazis vom Bahn­hof aus auf die Straße zu bewe­gen. Doch das gesamte Gelände in der Umge­bung war von Gegen­demon­stran­tInnen umsäumt. Die Polizei, mit einem mas­siv­en Aufge­bot vor Ort, räumte schließlich bru­tal die Kreuzung am Bahn­hof. Trotz­dem war Protest möglich. Über hun­derte Meter liefen die Nazigeg­ner­In­nen direkt neben der recht­en Demo, die von ein­er engen Polizeikette umschlossen war. Rufe wie “Nazis raus!” über­schall­ten die Parolen der Recht­en um ein vielfach­es, vere­inzelt wur­den Plas­tik- und auch Glas­flaschen in Rich­tung der Nazis gewor­fen.

In der Innen­stadt hiel­ten die Nazis wenig später eine Kundge­bung ab. Hier kam es schließlich zum Eklat. Etwa 200 Antifas und Bürg­erIn­nen hak­ten sich unter und block­ierten so die Route, die die Recht­en weit­er­laufen woll­ten. Auch hier: “Pfui!” und “Nazis raus!”-Sprechchöre. Nach weni­gen Minuten knüp­pelte und prügelte die Polizei den Weg für die Nazis frei. Ein Wasser­w­er­fer kam zum Ein­satz, vere­inzelt wurde Pfef­fer­spray ver­sprüht. Mehrere Men­schen wur­den ver­let­zt.

Gegen 19 Uhr war der Nazi­auf­marsch been­det. Ver­ant­wortlich für die Demo zeich­neten freie Kam­er­ad­schaften. Anmelder war der Ham­burg­er Nazi Chris­t­ian Worch. Gor­don Rein­holz — Anführer des “Märkischen Heimatschutzes” war ein­er der Red­ner. Die rechte Demo richtete sich gegen die Oster­weiterung der EU.

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