29. November 2002 · Quelle: AAB

Potzlow ist überall

Am 12.7. diesen Jahres wurde der 16jährige Mar­i­nus im bran­den­bur­gis­chen Pot­zlow von drei recht­sradikalen Schlägern zu Tode gefoltert und anschließend in ein­er Jauchegrube ver­schar­rt. Mar­i­nus musste ster­ben, weil er Hiphop-Hosen und blondierte Haare trug, schreiben zumin­d­est die Zeitun­gen, alle sind entset­zt — jet­zt.
Entset­zt sind auch wir… Über­raschend aber ist dieser Mord nicht.


Schließlich war Mar­i­nus nicht das erste Opfer neo­faschis­tis­ch­er Gewalt in dieser Region.Schließlich fol­gten die Täter ein­er Logik, die kon­sti­tu­ierend ist für diese Gesellschaft: der kap­i­tal­is­tis­chen Ver­w­er­tungslogik. Der Logik, dass nur weit­erkommt, wer stärk­er ist, dass es nüt­zlich­es und unnützes Leben gibt, dass Konkur­renz das Geschäft belebt und jed­er das bekommt, was er ver­di­ent.
Mar­i­nus war lern­be­hin­dert. Wieviel ver­di­ent jemand, der mit 16 noch auf dem durch­schnit­tlichen Entwick­lungs­stand eines 11jährigen ste­ht?

 

Wieviel nützt jemand, der wahrschein­lich niemals richtig schreiben und lesen kann? Mar­i­nus musste ster­ben, weil er schwäch­er war und ver­meintlich weniger wert als andere. Er musste ster­ben, weil er Nazi-Schläger traf, die die gesamt­ge­sellschaftlich verin­ner­lichte und akzep­tierte kap­i­tal­is­tis­che Ver­w­er­tungslogik gnaden­los kon­se­quent durch­set­zten.

 

Die Region Uck­er­mark ist seit Jahren eine Hochburg für Recht­sradikale. Bere­its vo 5 Jahren, im August 1997 wurde im 500-Ein­wohn­er-Dorf Pot­zlow ein faschis­tis­ch­er Mord verübt. Damals schlu­gen 5 Nazis einen Sozialar­beit­er mit Eisen­stan­gen tot. Als Beloh­nung erhielt das Nach­bar­dorf Strehlow ein Jugendzen­trum und eine Sozialar­beit­er­stelle.
Das Konzept: akzep­tierende Jugend­sozialar­beit. Heute heißt das „ offene Jugen­dar­beit“ und meint lediglich, dass Nazis nicht mehr expliz­it gefördert, son­dern ein­fach nur toleriert wer­den. Nicht ohne Grund ist das Jugendzen­trum Strehlow mit­tler­weile Anlauf­punkt für Nazis aus der gesamten Region. Auch zwei der Mörder von Mar­i­nus verkehrten dort regelmäßig. Und während Mark­t­plätze, Tankstellen und Dorffeste in der Region seit Jahren „no-go-areas“ für Migran­tInnen, Obdachlose, Punks usw darstellen, unter­hält sich Bran­den­burgs Innen­min­is­ter Jörg Schön­bohm mit der recht­sex­tremen Zeitung „Junge Frei­heit“ und erk­lärt bei dieser Gele­gen­heit, Proteste und Aktio­nen gegen Nazis stärk­ten diese nur. Während regelmäßig Men­schen tot­geschla­gen wer­den, kürzt die Lan­desregierung die För­der­mit­tel für alter­na­tive und antifaschis­tis­che Pro­jek­te und Ini­tia­tiv­en. Tol­er­antes Bran­den­burg heißt nichts anderes als gle­ichgültiges Wegse­hen, heim­lich­es bis offenes Ver­ständ­nis für ras­sis­tis­che und faschis­tis­che Schläger und dauern­des Ent­poli­tisieren recht­sradikaler Straftat­en.

 

Antifa Aktion Berlin am 26.11.02

 

Die deutschen Zustände angreifen

Pot­zlow ist über­all!

 

Demo: Sa, 30.11.02

13 Uhr Kundge­bung in Pot­zlow /Strehlow gegen die akzep­tierende Jugen­dar­beit vor Ort

 

15 Uhr Demon­stra­tion in Pren­zlau gegen die rechte Hege­monie sowie dem alltäglichen Ras­sis­mus

 

Busse ab Berlin: 11.00 Uhr ab S‑Bhf Hein­ers­dorf, P&R Platz Bus­fahrkarten: Buch­laden Schwarze Risse — Mehring­hof Berlin. Mit der Bahn zur Demo nach Pren­zlau 12.45 Uhr Ost­bahn­hof

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