30. April 2003 · Quelle: MAZ

Potzlow-Mord Ende Mai vor Gericht

NEURUPPIN Der Mord an dem 17-jähri­gen Mar­i­nus Schöberl aus Pot­zlow
(Uck­er­mark) wird vom 26. Mai an vor dem Landgericht Neu­rup­pin ver­han­delt.
Die Anklage der Staat­san­waltschaft — Ver­dacht des gemein­schaftlichen Mordes
aus niederen Beweg­grün­den — sei jet­zt zuge­lassen wor­den, sagte
Gerichtssprech­er Frank Jüt­tner gestern. Laut Staat­san­waltschaft haben zwei
17-Jährige aus Pot­zlow und Tem­plin sowie ein 23-jähriger Pot­zlow­er den
Schüler im Juli 2002 grausam mis­shan­delt, getötet und in eine Jauchegrube
gewor­fen. Die Beschuldigten sollen der recht­en Szene ange­hören.

Die bru­tale Tat hat­te bun­desweit Entset­zen aus­gelöst. Die bere­its
skelet­tierte Leiche des Schülers war erst im Novem­ber 2002 auf dem Gelände
ein­er ehe­ma­li­gen Stal­lan­lage ent­deckt wor­den. Ein­er der Tatverdächti­gen
hat­te die Stelle, wo der Tote lag, im Bekan­ntenkreis erwäh­nt. Laut Anklage
sollen die drei Beschuldigten das Opfer aus “einem Über­legen­heits­ge­fühl”
her­aus getötet haben. Ihnen habe nicht gepasst, dass Mar­i­nus eine
Sprach­störung und blond gefärbte Haare hat­te.

Die Tat selb­st soll von bish­er kaum gekan­nter Grausamkeit geprägt gewe­sen
und einem Film der amerikanis­chen Nazi-Szene nachemp­fun­den wor­den sein. “So
was Schreck­lich­es erleben wir sel­ten”, hat­te Ober­staat­san­walt Gerd
Schnittch­er erk­lärt. Um die grausamen Qualen zu verdeck­en, sei der Schüler
umge­bracht und in der Jauchegrube ver­steckt wor­den.

Die Jugend­kam­mer des Landgerichts habe bere­its einen Antrag abgelehnt, das
Ver­fahren eines der 17-Jähri­gen abzutren­nen und nicht öffentlich zu
ver­han­deln, sagte Jüt­tner. Alle Beschuldigten soll­ten sich unter gle­ichen
Bedin­gun­gen vertei­di­gen, was der Wahrheits­find­ung diene. Inwieweit das
gesamte Ver­fahren öffentlich ver­han­delt wird, muss die Kam­mer im
Prozessver­lauf entschei­den. Laut Staat­san­waltschaft legten die bei­den
Jün­geren — zwei Lehrlinge — Teilgeständ­nisse ab; der 23-Jährige schweigt zu
den Vor­wür­fen.

Für das Ver­fahren wur­den bish­er 30 Zeu­gen benan­nt. Es wird mit zehn
Ver­hand­lungsta­gen gerech­net. Das Urteil ist früh­estens am 18. Juni zu
erwarten.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Beiträge aus der Region

Was ist denn da los? Warum beset­zen diese Chaoten schon wieder ein Haus?
Der Flüchtlingsrat Bran­den­burg, Jugendliche ohne Gren­zen und die Flüchtlings­ber­atung des Ev. Kirchenkreis­es Oberes Havel­land kri­tisieren die Unter­bringungspoli­tik im Land­kreis Ober­hav­el.
PRO ASYL und Flüchtlingsrat Bran­den­burg fordern: Ein­satz für die Rechte von Flüchtlin­gen bedeutet klare Kante gegen Recht­sradikalis­mus und Ras­sis­mus

Opferperspektive

Termine für Potsdam

NSUwatch Brandenburg

Termine für Berlin

Netzwerk Selbsthilfe

Suche

  • Kategorien


  • Regionen



Inforiot