24. Oktober 2005 · Quelle: TAZ

Provinz-Nazis auf Berlintour


Angekündigt hat­ten die Jun­gen Nationalen einen Großauf­marsch. Am Ende war es nicht mehr als ein Häufchen. Begleit­et von 500 Gegen­protes­tanten marschierten am Sam­stag 126 Neon­azis durch den Stadt­teil Pankow

Berlins Neon­azis ver­suchen es neuerd­ings mit ein­er neuen Masche. Sie prahlen vorher in ihren Aufrufen im Inter­net mit promi­nen­ten Red­nern und kündi­gen “Großaufmärsche” an. Doch es scheint nichts zu nützen. Es kom­men trotz­dem nicht viele.

So auch beim Auf­marsch der recht­sex­tremen NPD-Jugen­dor­gan­i­sa­tion Junge Nation­aldemokrat­en (JN) am Sam­stag in Pankow: 300 Marschier­er hat­ten die Ver­anstal­ter bei der Ver­samm­lungs­be­hörde angemeldet, es kamen 126. Promi­nente Red­ner wie der NPD-Vor­sitzende Udo Voigt oder die bei­den Kam­er­ad­schafts­führer Thomas Wulff (bekan­nt als “Stein­er”) und Gor­don Rein­holz waren angekündigt. Es redete bloß der Exber­lin­er Neon­azi Lutz Geis­sen, der seit einem Jahr in Greif­swald beim Auf­bau ein­er Kam­er­ad­schaftsstruk­tur sein Glück ver­sucht.

Und so ver­lief der Auf­marsch in gewohn­ter Manier: Polizis­ten nah­men den Nazip­ulk an der S‑Bahn-Sta­tion in Emp­fang, schirmten ihn weiträu­mig vor den bere­its wartenden Gegen­demon­stran­ten ab und begleit­eten die Marschier­er, bis sie die S‑Bahn eine Sta­tion weit­er wieder bestiegen. Zwis­chen­durch kam es zu kleinen Rangeleien mit den Gegen­demon­stran­ten. Und am Ende wet­terte ein Nazis­prech­er via Megaphon gegen das Holo­caust-Mah­n­mal. Er verkün­dete stolz, dass sie an diesem Tag wieder sehr erfol­gre­ich waren. Der Antifa hät­ten sie es mal wieder gezeigt.

Unter dem Mot­to “Mehr Geld und soziale Gerechtigkeit für die deutsche Jugend” hat­te die Partei­ju­gend der NPD für den Auf­marsch gewor­ben, um sich für ein “nationales Jugendzen­trum” einzuset­zen. Parteim­it­glieder der NPD oder der JN waren jedoch kaum zu sehen. Stattdessen kamen zumeist sehr junge Anhänger der recht­sex­tremen Kam­er­ad­schaft “Märkisch­er Heimatschutzbund”. Diese Kam­er­ad­schaft ist vor allem in der Gegend um Eber­swalde in Bran­den­burg aktiv. Doch seit kurzem hat sie auch eine Berlin­er Sek­tion. In ihrem Umfeld tum­meln sich vor allem ehe­ma­lige Mit­glieder der seit einem hal­ben Jahr ver­bote­nen Kam­er­ad­schaften Baso und Tor.

Der Auf­marsch führte vom S‑Bahnhof Pankow über die Bre­ite Straße, vor­bei am Rathaus über den Grabbeallee bis zum S‑Bahnhof Hein­ers­dorf und dauerte etwa zweiein­halb Stun­den. Auf der Gegen­seite hat­ten sich zunächst etwa 500 Gegen­demon­stran­ten am Jüdis­chen Waisen­haus zu ein­er Kundge­bung ver­sam­melt, zu der neben der örtlichen Antifa und dem “Pankow­er Net­zw­erk gegen Ras­sis­mus, Anti­semitismus und rechte Gewalt” auch die Lan­desver­bände der SPD, Linkspartei.PDS und Grü­nen aufgerufen hat­ten. Als die Neon­azis in der Berlin­er Straße vor­beizo­gen, gab es einige Rangeleien, vere­inzelt flo­gen Eier und Steine auf den zu ein­er Schild­kröten­for­ma­tion zusam­mengepfer­cht­en Naz­i­block. Die Polizei, die mit ins­ge­samt vier Hun­dertschaften vor Ort war, tren­nte die bei­den Lager durch einen Fahrzeugkon­voi voneinan­der.

Ins­ge­samt nah­men die Ein­satzkräfte neun Gegen­demon­stran­ten fest, Ver­let­zte gab es keine. Und auch die Wasser­w­er­fer und Räumpanz­er, die in den Seit­en­straßen geparkt waren, kamen nicht zum Ein­satz. Gegen 14.50 Uhr war der Spuk vor­bei.

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