6. März 2002 · Quelle: Märkische Allgemeine

Prozessauftakt in Neuruppiner Amtsgericht gegen 4 Wittstocker Nazis

NEURUPPIN Der Prozess gegen Sven K., die Brüder Daniel und Den­nis E. sowie Karsten St. gestern vor dem Neu­rup­pin­er Amts­gericht endete nicht wie geplant mit einem Urteil. Ger­ade mal die Anklage wurde verlesen. 

Die wirft den vier jun­gen Män­nern im Alter von 21 bis 23 Jahren gefährliche Kör­per­ver­let­zung, Haus­friedens­bruch und Sachbeschädi­gung vor. Danach, so der Staat­san­walt, feierten die vier Angeklagten, die der recht­en Szene ange­hören sollen, mit Gle­ich­gesin­nten in der Woh­nung von Den­nis E. Alko­hol machte die Runde, die Musik heizte die Feiern­den zusät­zlich an: Musik mit frem­den­feindlichen Tex­ten, so auch die indizierte CD “Her­ren­rasse” der Gruppe Macht und Ehre. Der­art aufges­tachelt fiel der Gruppe ein, dass bei einem Nach­barn häu­fig ein “Neger” zu Besuch ist. Alle waren sich einig, “dem eins auf die Fresse zu hauen”. Gesagt, getan. 

Gemein­sam ran­nten alle in den vierten Stock zur Woh­nung von Daniel A. Die geschlossene Woh­nungstür wurde einge­treten. “Wo ist der Neger?”, soll Den­nis St. gerufen haben. Der 18-Jährige ist dafür bere­its in einem anderen Ver­fahren recht­skräftig zu ein­er Jugend­strafe von drei Jahren und drei Monat­en verurteilt worden. 

Der so beschimpfte Manuel G. hat­te sich aus Angst auf den Balkon geflüchtet und klet­terte von dort aus auf den Nach­bar­balkon. “Da ist er ja!” Den­nis St. hat­te den Flüch­t­en­den ent­deckt. In panis­ch­er Angst schwang sich Manuel G. über die Brüs­tung, um auf den darunter gele­ge­nen Balkon zu gelan­gen. Doch statt in Sicher­heit lan­dete er drei Stock­w­erke tiefer auf dem Erd­bo­den. Trotz sein­er Ver­let­zun­gen gelang ihm die Flucht. 

In der Zwis­chen­zeit wurde der Woh­nungsin­hab­er von min­destens zwei sein­er unge­bete­nen Gäste mit Fäusten geschla­gen. Ein ander­er zertrüm­merte mit der Hand die Scheibe der Wohnz­im­mertür. Ein­er trat die Tür der Schrankwand ab. Dann macht­en sich alle auf die Suche nach Manuel G. Den­nis E. mit ein­er Eisen­stange bewaffnet, Karsten S. hat­te einen Schla­gring im Auto. Von diesem Tather­gang geht die Staat­san­waltschaft aus. Die Angeklagten woll­ten sich gestern nicht dazu äußern. 

Bevor der in einem Jugend­ver­fahren bere­its verurteilte Den­nis St. als Zeuge aus der Haft vorge­führt wer­den sollte, erhiel­ten die Vertei­di­ger die Pro­tokolle sein­er Ver­hand­lung. 29 Seit­en in ein­er knap­pen Stunde durchzuar­beit­en: Das sei ein­deutig zu wenig Zeit, fan­den übere­in­stim­mend die Anwälte. Das Gericht gab ihnen Recht. Bis näch­ste Woche haben sie nun Zeit zum Akten­studi­um. Die Ver­hand­lung wird am 14. März fortgesetzt.

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