26. Oktober 2015 · Quelle: Presseservice

Rathenow: Am Vorabend des Demonstrationstages

Die für den Dien­stagabend in Rathenow angekündigte und flüchtlings­feindliche Kundge­bung des so genan­nten „Bürg­er­bünd­niss­es Havel­land“ wird mit­tler­weile auch über die Lan­des­gren­zen hin­aus bewor­ben. Einzelne Sympathisant_innen dieses Net­zw­erkes beteiligten sich gestern an ein­er PEGI­DA-ähn­lichen Demon­stra­tion in Sten­dal (Sach­sen-Anhalt) und riefen dort zur Teil­nahme an der für Mor­gen geplanten Ver­samm­lung auf. Das Aktions­bünd­nis „Rathenow zeigt Flagge, für Demokratie und Tol­er­anz“ hat inzwis­chen auf die Ver­anstal­tungsankündi­gung des Bürg­er­bünd­niss­es reagiert und lädt alle inter­essierten Men­schen zu ein­er Protestver­anstal­tung in der Innen­stadt ein. Ein klares Zeichen gegen Het­ze soll geset­zt wer­den.
„Bürg­er­bünd­nis Havel­land“ mobil­isiert bei „PEGIDA“-Aufzug in Sten­dal

2015.10.25 Stendal Buergerbewegung Altmark und Proteste (88)

Das “Bürg­er­bünd­nis Havel­land” gestern bei einem Marsch eines PEGI­DA-Ablegers in Sten­dal (Sach­sen-Anhalt): Chris­t­ian Kaiser und Nico Tews (im Vorder­grund mit Ord­nerbinden, v.l.n.r)


Das „Bürg­er­bünd­nis Havel­land“ mobil­isiert inzwis­chen auf Hoch­touren für seine flüchtlings­feindliche Ver­samm­lung am morgi­gen Abend. Auf ein­er Ver­anstal­tungs­seite in einem sozialen Inter­net­net­zw­erk hat sich die Anzahl der Gästezusagen noch ein­mal von 200 auf 255 erhöht. Im Rathenow­er Stadt­ge­bi­et hat­te das Bünd­nis Ende der ver­gan­genen Woche auch damit begonnen pro­fes­sionell gedruck­te Mobil­isierungs­flug­blät­ter, die in den Nation­al­far­ben Schwarz-Rot-Gold gehal­ten waren, in Briefkästen einzuw­er­fen.
Darüber hin­aus nahm gestern eine Del­e­ga­tion des „Bürg­er­bünd­niss­es Havel­land“ an ein­er Kundge­bung mit anschließen­der Demon­stra­tion im sach­sen-anhal­tinis­chen Sten­dal teil. Diese Ver­samm­lung ori­en­tierte sich deut­lich an den Dres­den­er PEGI­DA-Märschen und zeigte sich offen gegenüber Vertreter_innen der extremen Recht­en. Anhänger_innen von NPD, DIE.RECHTE, „freien“ und „autonomen“ Nationalist_innen waren dort eben­so geduldet wie Sym­pa­thisan­ten der HOGESA, Partei­funk­tionäre der AfD und der so genan­nten „Iden­titären Bewe­gung“. Nicht „nur“ geduldete Mitläufer waren anscheinend die bekan­nten Gesichter des „Bürg­er­bünd­niss­es Havel­land“, sie hat­ten augen­schein­lich einen recht guten Kon­takt zum Sten­daler Ver­samm­lungsver­anstal­ter sowie dessen Red­nern. So wun­dert es wenig, dass Sebas­tiano Graziani nach sein­er Sten­daler Rede nun auch für einen Rede­beitrag in Rathenow angekündigt ist. Graziani soll übri­gens Kon­tak­te zum Casa Pound Italia haben, ein­er neo­faschis­tis­chen Partei in Ital­ien.
Eine augen­schein­lich enge Verbindung zwis­chen dem Sten­daler PEGI­DA-Ableger und dem „Bürg­er­bünd­nis Havel­land“ wird weit­er­hin dadurch deut­lich, dass der presserechtliche Ver­ant­wortliche des havel­ländis­chen Bünd­niss­es, Chris­t­ian Kaiser, bei der gestri­gen Kundge­bung in der alt­märkischen Hans­es­tadt sog­ar – erkennbar an der entsprechen­den Markierung –als Ord­nungskraft einge­set­zt war. Sein Kom­pagnon Nico Tews, ein aktiv­er Bewer­ber der morgi­gen Bünd­nis-Ver­anstal­tung in Rathenow, war bei der Demo in Sten­dal eben­falls als Ord­ner gekennze­ich­net. Tews ergriff dort auch bei der Abschlusskundge­bung das Wort und lud die Teilnehmer_innen des gestri­gen Marsches auch zu der geplanten Ver­samm­lung des „Bürg­er­bünd­nis Havel­land“ ein.
2015.10.25 Stendal Buergerbewegung Altmark und Proteste (54)

Soll mor­gen auch in Rathenow als Red­ner auftreten: Sebas­tiano Graziani (Bild­mitte mit Mega­fon). Ihm wer­den Kon­tak­te zum neo­faschis­tis­chen Cas­a­Pound Italia nachge­sagt.


Dass zu der morgi­gen Ver­anstal­tung in Rathenow eben­falls Anhänger_innen der extremen Recht­en kom­men wer­den gilt bere­its als gesichert. In der Szene wird bere­its kräftig, u.a. durch den Rathenow­er Stad­trat Michel Müller (NPD), für die Teil­nahme an der Kundge­bung gewor­ben. Müller nahm erst am ver­gan­genen Sam­stag an ein­er größeren Ver­samm­lung von Neon­azis in Neu­rup­pin teil und schürte während eines dort gehal­te­nen Rede­beitrages ein­mal mehr Äng­ste vor Flüchtlin­gen bzw. kol­portierte bekan­nte Vorurteile und Gerüchte.
Zwar bekräftigt das „Bürg­er­bünd­nis Havel­land“ bzw. dessen Vertreter nichts mit „Nazis“ zu tun zu haben und auch nicht im Namen ein­er Organ­i­sa­tion zu han­deln, jedoch sym­pa­thisiert beispiel­sweise Chris­t­ian Kaiser recht offen mit der NPD und extrem rechter Sym­bo­l­ik.
Rathenow­er Zivilge­sellschaft ruft zu Protesten auf
Das Aktions­bünd­nis „Rathenow zeigt Flagge – für Demokratie und Tol­er­anz“ mobil­isiert seit Don­ner­sta­gnach­mit­tag eben­falls für eine Ver­samm­lung am morgi­gen Abend. Diese Ver­anstal­tung ste­ht allerd­ings unter dem Mot­to: „Mein Rathenow, mit Herz statt Het­ze“ und ist als zivilge­sellschaftliche Protestkundge­bung zu dem­PEGI­DA-nahen Aufzug des „Bürg­er­bünd­niss­es Havel­land“ geplant.
In einem von der „Part­ner­schaft Demokratie West­havel­land & Nauen“ in einem sozialen Inter­net­net­zw­erk ver­bre­it­eten Aufruf lädt das Rathenow­er Aktions­bünd­nis dazu ein „mit Zivil­courage und Entschlossen­heit den vie­len Gerücht­en, den Ressen­ti­ments und der Igno­ranz“ ent­ge­gen­zutreten. Stattdessen soll auf Fak­ten geset­zt wer­den. Ger­ade ein­mal 600 in der Stadt unterge­brachte Flüchtlinge und Asyl­suchende, also etwa drei Prozent der gesamten Stadt­bevölkerung, kön­nen, dem zivilge­sellschaftlichen Bünd­nis zu folge, kein Anze­ichen für eine „unkon­trol­lierte Zuwan­derung“ oder gar ein­er „Islamisierung des Abend­lan­des“ sein.
„Rathenow zeigt Flagge“ ruft weit­er­hin dazu auf am Dien­stagabend ein klares Zeichen zu set­zen und bit­tet alle Teilnehmer_innen der Protestver­anstal­tung eine Kerze als Sym­bol dafür mitzubrin­gen. Deut­lich soll gezeigt wer­den, dass Rathenow „kein Ort für Het­ze“ sei.
Das zivilge­sellschaftliche Aktions­bünd­nis will sich mor­gen ab 18.00 Uhr auf dem August-Bebel-Platz, umgangssprach­lich: „Post­platz“, an der Berlin­er Straße Ecke Dr. Wil­helm Külz Straße tre­f­fen.

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