27. Januar 2016 · Quelle: Presseservice

Rathenow: Interesse an rechtsoffenen „Bürgerbündnis“ lässt nach

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Das Inter­esse an den kon­tinuier­lichen Ver­samm­lun­gen des recht­sof­fe­nen „Bürg­er­bünd­nis Havel­land“ bzw. „Bürg­er­bünd­nis Deutsch­land“ lässt langsam nach. An der Ver­anstal­tung beteiligten sich zwar noch bis zu 400 Teilnehmer_innen, aber immer­hin min­destens 150 weniger als beim let­zten Aufzug vor zwei Wochen. Nach wie vor wenig Men­schen nah­men allerd­ings auch auf der zivilge­sellschaftlichen Ver­samm­lung mit dem Mot­to: „Mein Rathenow: Mit Herz statt Het­ze“ teil. Dafür sorgte eine anonyme Künstler_innengruppe wieder für eine spek­takuläre Aktion.
Bürg­er­bünd­nis zieht weniger Bürger_innen
Die nun­mehr im Zwei-Wochen-Rhyth­mus stat­tfind­en­den Het­zkundge­bun­gen des „Bürg­er­bünd­niss­es Havel­land“ bzw. „Deutsch­land“ zieht, nach dem immer offen­er wer­den recht­sradikalen Geist der Ver­anstal­tung, anscheinend immer weniger Bürger_innen, ins­beson­dere aus der Stadt Rathenow. Dafür sind immer öfter mit den Bündler_innen engver­net­zte Vertreter_innen von ähn­lich gesin­nten Ini­tia­tiv­en aus Sten­dal, Gen­thin, Nauen, Ketzin/Havel und Schön­walde-Glien anwe­send. Viele dieser Grup­pen haben Kon­tak­te zu organ­isierten Neon­azis bzw. der­ar­tige Per­so­n­en in ihre Zusam­menkun­ft inte­gri­ert. Bekan­nte Gesichter der „Bürg­er­be­we­gung Gen­thin / Gen­thin wach auf“ zeigten heute beispiel­sweise mehrere Plakate der neon­azis­tis­chen Partei „Der dritte Weg“. Des Weit­eren war die Ini­tia­tive „Asyl­hütte in Ket­zin? Kannste knick­en 2.0“, hin­ter der sich Teile der Vere­ini­gung „Freie Kräfte Neu­rup­pin / Osthavel­land“ ver­ber­gen, wieder mit einem Ban­ner präsent. Weit­ere bekan­nte Neon­azis kon­nte den Szenen aus Rathenow, Prem­nitz und Pots­dam zuge­ord­net wer­den. Aus Pots­dam war darüber hin­aus auch der Chef der örtlichen PEGI­DA-Bewe­gung „POGIDA“ angereist. Gemein­sam mit ein­er Sym­pa­thisan­tin zeigte er ein Ban­ner des PI-News-Blogs, ein­er PEGI­DA-nahen, flüchtlings- und islam­feindlichen Inter­net­präsenz.
Eine Änderung in der Ver­anstal­tungs­gestal­tung gab es hinge­gen nicht. Lediglich das Redner_innenprogramm wurde ein wenig aufge­stockt. U.a. ein in säch­sis­chem Dialekt sprechen­der Red­ner für die so genan­nte 1,00 % Kam­pagne, mit der Pro­tag­o­nis­ten der extremen Recht­en u.a. einen pro­fes­sionellen Pro­pa­gandafeldzug gegen die derzeit­ige Flüchtlingspoli­tik pla­nen.
Anson­sten blieben die Reden weit­ge­hend auf Stammtis­chniveau. Auch die Ein­gangsrede von Chris­t­ian Kaiser, presserechtlich Ver­ant­wortlich­er des „Bürg­er­bünd­niss­es“, blieb banal. Bemerkenswert an seinem Auftreten war lediglich ein bil­lig wirk­ender Anzug, der anscheinend Ser­iösität ausstrahlen sollte. Eine Einge­bung nach dem let­zten Besuch bei AfD-recht­saußen Björn Höcke?
Über­forderte Zivilge­sellschaft
Während die Rathenow­er Zivilge­sellschaft bei der Unter­stützung von Flüchtlin­gen durch Willkom­mensini­tia­tiv­en und pri­vatem Engage­ment, aus deren Blick­winkel, dur­chaus pos­i­tive Akzente set­zt, wird die Frage des richti­gen Umgangs mit den regelmäßi­gen Stammtisch-Eska­paden auf dem Märkischen Platz noch immer kon­tro­vers disku­tiert. Die offen­sichtliche Uneinigkeit über den richti­gen Kurs in der Debat­te inner­halb der Stadt schwächt anscheinend immer noch die Proteste, insofern die regelmäßi­gen Ver­samm­lun­gen auf dem August-Bebel-Platz über­haupt als angemessene Gegen­ver­anstal­tung beze­ich­net wer­den dür­fen.
Auch heute fan­den sich lediglich 120 Men­schen zusam­men, um im „Stillen“ zumin­d­est Präsenz zu zeigen. Für beson­dere Aufmerk­samkeit sorgte da nur eine spek­takuläre Aktion von Kul­turschaf­fend­en, die eine sym­bol­is­che Mauer aus Papp­kar­tons errichteten, um die Forderung des Bürg­er­bünd­niss­es nach nationaler Isolierung zu per­si­flieren.
Das Aktions­bünd­nis, dass sich in besseren Tagen ein­mal selb­st­be­wusst „Rathenow zeigt Flagge“ nan­nte, scheint hinge­gen eben­falls zwis­chen selb­st gebaut­en Mauern gefan­gen. Manche Men­schen, so ist es zu hören, wür­den dem „Bürg­er­bünd­nis“ und seinen Sympathisant_innen aus der extremen Recht­en gern deut­lich­er wider­sprechen, andere dage­gen inten­siv­er den Dia­log mit ver­meintlichen Mitläufer_innen der Bündler suchen wollen. Einigkeit scheint momen­tan nur darin zu beste­hen, dass die Het­ze der führen­den Köpfes des „Bürg­er­bünd­niss­es“ nicht nur von mal zu mal unser­iös­er und aggres­siv­er wird, son­dern das sich diese auch poli­tisch radikalisieren, wie eben deren auswär­tige Auftritte am 17. Jan­u­ar 2016 in Gen­thin, am 22. Jan­u­ar 2016 in Pots­dam und am 23. Jan­u­ar 2016 Schön­walde-Glien beweisen.
Fotos:
Press­eser­vice Rathenow
Sören Kohlhu­ber

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