27. Juli 2004 · Quelle: Ruppiner Anzeiger / MAZ

Rechte Schläger kamen vom Café Fantasy

NEURUPPIN Eine Geburt­stagspar­ty im Jugendtr­e­ff Café Fan­ta­sy soll nach bish­eri­gen Erken­nt­nis­sen der Neu­rup­pin­er Staat­san­waltschaft Aus­gangspunkt der Schlägerei von recht­sradikalen Jugendlichen mit der Polizei in der Nacht zu Son­ntag gewe­sen sein. Dem­nach haben sich zwis­chen 10 und 20 Jugendliche und Erwach­sene von der Par­ty auf den Weg zur Shell-Tankstelle gemacht. Als Anwohn­er dabei recht­sradikale Parolen ver­nah­men, darunter „Wir scheißen auf die Frei­heit dieser Juden­re­pub­lik“, riefen sie die Staats­macht.

Ent­ge­gen erster Polizeiangaben sind die bei­den Män­ner, die die Angriffe auf die Beamten zugegeben haben, erst 17 und 18 Jahre alt. Damit fällt der Jün­gere von bei­den unter das Jugend­strafrecht was wiederum das am Son­ntag angekündigte Beschle­u­nigte ver­fahren auss­chließt. Jen­er 17-Jährige gab an eben­falls zuvor im Café Fan­ta­sy gewe­sen zu sein. Die Par­ty sei gegen 23 Uhr „ohne Vorkomm­nisse und ohne Alko­holexzesse“ been­det wor­den, teilte Andreas Haake vom Club-Träger IJN mit.

Eine Rei­he der an den Auseinan­der­set­zun­gen Beteiligten hat laut Staat­san­waltschaft neben der für recht­sradikale üblichen Bek­lei­dung zudem noch T‑Shirts mit den Auf­druck­en 18 oder 88 getra­gen. Die Zahlenkom­bi­na­tio­nen ste­hen für Adolf Hitler und Heil Hitler.

 

 

Harte Strafen gefordert


NEURUPPIN „Eine schnelle Reak­tion der Jus­tiz und empfind­liche Frei­heitsstrafen“ hat der Bund Deutsch­er Krim­i­nal­beamter als Reak­tion darauf gefordert, dass in der nacht zwei Polizis­ten aus ein­er Gruppe von Recht­sradikalen ange­grif­f­en wur­den. Ein 51-jähriger Beamter zog sich dabei Prel­lun­gen zu. Laut Polizei ist es bekan­nt, dass sich an der Shell-Tankstelle häu­figer Jugendliche tre­f­fen, die vom Äußeren her dem recht­en Lager zuzuord­nen sind. Zu Vor­fällen sei es dort aber noch nicht gekom­men. Unklar blieb gestern, ob bere­its auf der par­ty im Café Fan­ta­sy, die Aus­gangspunkt der Schlägerei gewe­sen sein soll, Gäste im typ­isch recht­sex­tremen Out­fit auf­taucht­en und entsprechende Musik gehört wurde.

 

 

MAZ

Prügelei hat ein Nach­spiel

Rechte kamen grüp­pchen­weise aus dem Café Fan­tasie / Staat­san­waltschaft ermit­telt

NEURUPPIN Nach ein­er Rangelei zwis­chen Recht­sradikalen und Polizis­ten, bei der am Sonnabend zwei Ver­let­zt wor­den sind, ermit­telt die Staat­san­waltschaft gegen mehrere Verdächtige. Im laufe der Woche soll entsch­ieden wer­den, ob gegen einige Beteiligte Strafver­fahren ein­geleit­et wer­den. Das sagte Staat­san­wältin Loli­ta Lodenkäm­per gestern auf Anfrage der MAZ.

Nach bish­eri­gen Erken­nt­nis­sen hat­ten die 43 Män­ner im Alter von 15 bis 30 Jahren im Café Fan­tasie nahe der alten Schwimmhalle einen Geburt­stag gefeiert. Als die Getränke aus gin­gen sei die Fest­ge­sellschaft grüp­pchen­weise zur Shell-Tankstelle marschiert, um Nach­schub zu besor­gen, so Loli­ta Lodenkäm­per. Dabei soll die erste Gruppe Parolen wie „Deutsch­land den Deutschen, Aus­län­der raus“ und „Wir scheißen auf die Frei­heit dieser Juden­re­pub­lik“ skandiert haben. Ihrem äußeren Erscheinen nach gehört die zehn bis 15 Mann große Gruppe zur recht­en Szene: Viele tru­gen Springer­stiefel, einige T‑Shirts mit den Auf­schriften „18“ und „88“. Die Zif­fern ste­hen für Buch­staben im Alpha­bet; die sollen „Adolf Hitler“ und „Heil Hitler“ bedeuten.
An der Tankstelle kam es zum Schlagab­tausch: Die alarmierte Polizei nahm dort ger­ade die Per­son­alien der ersten Gruppe auf, als weit­ere Grup­pen ein­trafen. Plöt­zlich standen die Polizis­ten 43 Recht­en gegenüber. Einige durch­brachen die Polizeiab­sper­rung, andere ver­sucht­en der Ausweiskon­trolle zu entkom­men. Zwei Jugendliche gin­gen auf die Män­ner in Uni­form los und ver­let­zen zwei Polizis­ten. Ob sie dafür bestraft wer­den kön­nen ist offen: Die Hauptverdächti­gen sind jünger als zunächst von der Polizei gemeldet – 17 und 18 Jahre alt.
Bei der Aktion waren 24 Leute ver­haftet und am Son­ntag ver­nom­men wor­den. Derzeit sind alle auf freiem Fuß.

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