27. August 2010 · Quelle: Antifa Gruppe Oranienburg

Rechtsoffenes Wochenende in Oberhavel?

Grau – Grau­er – Oi The Ni­sche

Wir durf­ten be­rei­tes ein­mal über Grau­zo­nen-?Kon­zer­te in Ora­ni­en­burg schrei­ben. Im Au­gust 2008 spiel­ten die Grau­zo­nen­bands Bom­becks, Stärks­te Min­der­heit und Ger­be­nok in Ora­ni­en­burg beim „Oi The Ni­sche“-?Fes­ti­val [1]. Das Er­geb­nis war zum einen, dass sich der Ver­an­stal­ter bei uns mel­de­te und er so­wohl seine Gäste, als auch uns mit Nazis gleich­setz­te – und das in bes­ter Ex­tre­mis­mus­theo­rie­tour. Bei einem spä­te­ren Kon­zert soll­te die an­ti­fa­schis­ti­sche Band Don­key Work aus Pots­dam spie­len, sagte dies aber ab, da sie nicht in Ver­bin­dung mit rechts­of­fe­nen Ver­an­stal­te­rIn­nen ste­hen woll­te.

Die sinn­lee­re Kri­tik an un­se­rem Text be­inhielt De­si­gn­ver­glei­che zwi­schen der SS und dem schwar­zen Block [2]. Au­ßer­dem wür­den wir nicht den „wah­ren Feind“ be­kämp­fen. Gleich­zei­tig kri­ti­sier­te der Ver­an­stal­ter an­schei­nend un­se­re feh­len­de Be­reit­schaft die Tat­sa­che zu ho­no­rie­ren, dass die­ser es schafft, dass Neo­na­zis und Linke bei ihm zu­sam­men­fei­ern. Den Gast­hof, in dem die Kon­zer­te jah­re­lang statt­fan­den, muss­te der Ver­an­stal­ter in­zwi­schen räu­men, da die Be­sit­ze­rin nicht in Ver­bin­dung ge­bracht wer­den woll­te – mit „Rechts­rock­kon­zer­ten“ [3]. Nun fin­det das Oi The Ni­sche re­gel­mä­ßig im Ver­eins­heim des Ora­ni­en­bur­ger Fuss­ball Clubs statt. So auch am kom­men­den Wo­chen­en­de.

Es wird die Re­cord-?Re­lease-?Par­ty der Fran­kur­ter(Oder) Oi-?Band Pa­ra­noia ge­fei­ert [4]. Bei Pa­ra­noia und eine der Gast­bands, Ex­kre­ment­be­ton aus Bran­den­burg/Havel han­delt es sich um all­ge­mei­ne Oi-?Bands, wobei Ex­kre­ment­be­ton einen guten Quer­schnitt lin­ken und Grau­zo­nen-?OI in ihrer Myspace-?Freun­des­lis­te ver­bin­den. An die­sem Abend soll aber auch die Band Riot Com­pa­ny auf­tre­ten. Riot Com­pa­ny stand schon mit ein­er Viel­zahl von Grau­zo­nen­bands auf der Bühne, doch dies ist nicht das al­lei­ni­ge Pro­blem. Es sind eher ihre Ver­bin­dun­gen zu Neo­na­zi­struk­tu­ren, die ein Pro­blem dar­stel­len. So spiel­ten sie be­reits im thü­rin­ge­ri­schen Neo­na­zi­laden „Skin­hou­se Men­fis“. In dem Laden, wel­ches dem Netz­werk der Ham­mer­s­kins na­he­ste­hen soll, spiel­ten auch Bands wie Ka­te­go­rie C oder End­stu­fe [5]. Eine Über­sicht zu wei­te­ren Kon­tak­ten von Riot Com­pa­ny, bei­spiels­wei­se zum Blood&Ho­nour Netz­werk, fin­det sich auf dem oire­sze­ne-?blog­sport.[6]

Das Kon­zert wird mit einem Fly­er be­wor­ben, auf dem Kom­mu­nis­mus(stell­ver­tre­tend für alles Linke) mit Na­zis­mus gleich­ge­setzt und ab­ge­lehnt wird. So wurde bei der Kon­zer­tan­kün­di­gung auch die „An­ti­Fa“ an­ge­spro­chen und ein neues T-?Shirt-?Mo­tiv vor­ge­stellt, wel­ches an die­sem Tag zu kau­fen gibt. Das Logo zeigt die Ho­mo­pho­be Ein­stel­lung des Ver­an­stal­ters und gleich­zei­tig die Ab­leh­nung von nicht-?rech­ten-?Skin­heads[7].

Es ist scha­de, dass ein­er der we­ni­gen sub­kul­tu­rel­len Ver­an­stal­tun­gen in Ora­ni­en­burg Ho­mo­pho­bie und An­ti-?An­ti­fa­schis­mus pro­pa­giert, statt der star­ken Neo­na­zi­sze­ne etwas ent­ge­gen­zu­stel­len.

Und es häm­mert wei­ter….

Wir be­rich­te­ten im Juni über die Ak­ti­vi­tä­ten in der Wi­kin­ger­knei­pe „Der Ham­mer“ in Hohen Neu­en­dorf [8]. Der Text wir­bel­te vie­les auf, was lei­der auch wegen Feh­lern un­se­rer­seits war. Den­noch gab es po­si­ti­ve Ent­wick­lun­gen. So kün­dig­te der Ver­an­stal­ter des jähr­li­chen Mit­tel­alt­er­fes­tes von Ber­lin-?Pan­kow an, die Per­so­nen aus dem Ham­mer und des Mjöl­nir-?Ver­eins nicht mehr als Gast­spie­le­rIn­nen aufs Ge­län­de oder auf an­de­re von ihm ver­an­stal­te­te Märk­te zu holen. Am 20.?Juli gab es nach Hin­wei­sen von An­woh­ne­rIn­nen einen Farb­beu­tel­an­schlag auf den Ham­mer, so dass die­ser die Farbe des Hen­kers – Rosa – an­nahm. Eine wei­te­re po­si­ti­ve Wen­dung ist, dass Neo­na­zi­grup­pen wie die JN und die HDJ in­tern an­kün­dig­ten, dass der Ham­mer nicht mehr si­cher sei und sie ihre bis­he­ri­gen Tref­fen dort nicht mehr ab­hal­ten wer­den. Der Grund ist aber eher, dass ihre Er­mitt­lun­gen zu Infos über die An­ti­fa Ora­ni­en­burg nichts ein­brach­ten, und das ob­wohl sie Ju­gend­li­che aus Bir­ken­wer­der, Hen­nigs­dorf und Ora­ni­en­burg an­spra­chen. Ge­gen­über ver­schie­de­nen Men­schen, dar­un­ter links­ge­rich­te­ten Mit­tel­alt­er­fans und Ver­an­stal­te­rIn­nen ver­sucht sich der Wirt Rene Wer­ner her­aus­zu­re­den. So be­haup­te­te er: a) Chris­ti­an „Hei­di“ Hei­din­ger vor Jah­ren aus der Na­zi­sze­ne her­aus­ge­holt zu haben und b) hätte es nie­mals T-?Shirts mit der On The Streets – Wer­bung ge­ge­ben (das Foto von uns wäre ein Fake oder er müss­te es tun, da er Ge­schäfts­mann sei). In­zwi­schen be­klagt er sich über Ein­bu­ßen und dass seine Exis­tenz ge­fähr­det sei. Doch es gibt auch kru­de­re Re­ak­tio­nen. Sich selb­st als „links“ be­zeich­ne­te Ju­gend­li­che ver­su­chen zu in­ter­ve­nie­ren und uns in ein Ge­spräch mit dem Ham­mer zu brin­gen bzw. re­la­ti­ve­ren T-?Shirts mit kla­ren Na­zi­be­kun­dun­gen.

Nun ver­sucht der Ham­mer in eine klei­ne Of­fen­si­ve zu gehen. Im Schau­fens­ter hängt ein Pa­pier, was be­sagt er sei kein Na­zi­laden und er ver­sucht nun über Ver­an­stal­tun­gen mehr Mit­tel­al­ter­pu­bli­kum an­zu­zie­hen, wel­che dann sei­nen Laden rein­wa­schen sol­len. So auch an die­sem Wo­chen­en­de.

Bei der Ver­an­stal­tung am Sams­tag sol­len die mit­tel­al­ter­li­chen Spiel­manns­grup­pen „Spiel­leu­te Da­e­mo­ni­cus“ und „Die al­ber­nen Krä­hen von Cor­ni­cu­la“ auf­tre­ten. [9] Wir dan­ken Eddi, dem Tromm­ler der Da­e­mo­ni­cus, für seine nette Ein­la­dung („und ihr Fut­zis von der An­ti­fa seid eben­falls ein­ge­la­den“), doch wir müs­sen lei­der ab­leh­nen. In der Ein­la­dung von Eddi geht es wie immer darum, dass Nazis gle­ich der An­ti­fa seien. Doch nicht nur das, so wirft er der An­ti­fa Grup­pe Ora­ni­en­burg vor „[ihr wollt] mir […] vor­schrei­ben […],wo ich mein Bier trin­ke, wel­che Kla­mot­ten trage und viel­leicht soll ich wie­der an­fan­gen kom­mu­nis­ti­sche Kampf­lie­der zu sin­gen.“ Wei­ter schreibt er: „So­lan­ge ihr euch auf­regt werde ich […] Thor Stei­nar tra­gen“. Den Ab­schluss „Fickt euch ob nun Rechts oder Links“ ver­wirrt da noch mehr. Es ver­wirrt ge­nau­so, wie die Ab­wehr­ver­su­che von Rene und das Ver­hal­ten der Gäste des Ham­mers. Dort sit­zen also Men­schen, mit ein­er An­ti­na­zi-?Ein­stel­lung(an­geb­lich) und trin­ken mit Men­schen ihr Met/Bier, wel­che T-?Shirts mit Auf­dru­cken wie „Ar­beit macht frei…“ [10] oder neo­na­zis­ti­schen Bands wie „Blue Eyed De­vils“ tra­gen. [11]

Wei­te­re In­ter­ven­tio­nen vom Wirt zie­len dar­auf hin­aus ge­ra­de mit lin­ken Ju­gend­li­chen in Kon­takt zu tre­ten. So wird er wohl bei einem Wi­kin­ger-?Mit­tel­alt­er­fest im Ju­gend­frei­zeit­haus C.O.R.N. in Bir­ken­wer­der einen Stand haben und Kin­dern und Ju­gend­li­chen von der schö­nen Rit­ter­zeit er­zäh­len. Der Ju­gend­klub C.O.R.N. ist ein­er von vie­len Ju­gend­klubs in Ober­ha­vel, wel­cher das kri­ti­sier­te Mo­dell der „ak­zep­tier­ten Ju­gend­ar­beit“ fährt. Dies be­deu­tet, so­lan­ge keine Straf­ta­ten von Neo­na­zis aus­ge­hen sind sie gern ge­se­hen. So ist es nicht un­üb­lich, dass sich JN-?le­rIn­nen und Thor Stei­nar Trä­ge­rIn­nen bei Fes­ten im C.O.R.N. tum­meln und dort die Mög­lich­keit haben ihre men­schen­ver­ach­ten­de Ideo­lo­gie zu ver­brei­ten um auf diese Weise mehr Ju­gend­li­che zu zie­hen. Auch re­gel­mä­ßig sind und waren Neo­na­zis Gäste des Hau­ses, dar­un­ter der Nas­sen­hei­der NPD­ler An­dre­as Rot­kohl und Alex­an­der Hoff­mann.

Faz­it

Es bleibt eins am Ende fest­zu­stel­len: Die we­ni­gen Sub­kul­tu­ren in Ober­ha­vel die es gibt schaf­fen es nicht sich von Neo­na­zis ab­zu­gren­zen oder zu­min­dest eine al­ter­na­ti­ve zu An­ti­se­mi­tis­mus, Ras­sis­mus, Chau­vi­nis­mus und Se­xis­mus auf­zu­bau­en. Die we­ni­gen al­ter­na­ti­ven Ju­gend­li­chen zieht es lie­ber nach Ber­lin, da ihnen ein Raum fehlt in dem sie Neo­na­zis nicht be­geg­nen müs­sen und eben­falls keine Angst vor po­ten­zi­el­len An­grif­fen haben müs­sen.

[1]http://?antifagruppeoranienburg.?blogsport.?de/?2008/?08/?28/?rechtsoffene-band-in-oranienburg/
[2] http://?pankrotz.?blogspot.?com/?2009/?11/?n-e-w-s_?27.?html
[3] http://?www.?oi-?the­ni­sche.?de/?start.?htm –> Ni­sche-?Firm vom 25.?11.?2009
[4]http://?www.?oi-?the­ni­sche.?de/?images/?va-tips/?2010/?27.?08.?2010paranoia-nische.?jpg
[5] http://?de.?indymedia.?org/?2009/?06/?254714.?shtml
[6] http://?oireszene.?blogsport.?de/?2009/?12/?30/?245/
[7] http://?www.?oi-?the­ni­sche.?de/?images/?start/?sharp1.?jpg
[8]http://?www.?antifagruppeoranienburg.?blogsport.?de/?2010/?06/?07/?hohen-neuendorf-ein-unscheinbarer-laden/
[9] http://spiel­leu­te-?da­e­mo­ni­cus.?de/?index.?php??news-15
[10] http://?i45.?tinypic.?com/?abjtz7.?jpg
[11] http://?i46.?tinypic.?com/?2h37v9t.?jpg

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