8. April 2004 · Quelle: MAZ

Rechtsradikale Töne in Wall (OPR)

WALL Siegrid Stolz fiel aus allen Wolken, als sie von dieser Nachricht erfuhr. Recht­sex­trem­is­ten in Wall? Das kann sich die Orts­bürg­er­meis­terin in ihrem Dorf nicht vorstellen. Und falls es stim­men sollte: Akzep­tieren will die Orts­bürg­er­meis­terin das schon gar nicht.

Am Mon­tagabend sollen Sieg-Heil-Rufe und andere rechte Parolen durch Wall gehallt sein, begleit­et von rechter Musik. Zeu­gen hat­ten die Polizei alarmiert. Die Beamten ent­deck­ten laut Polizeimel­dung “in den öffentlichen Clu­bräu­men” drei Jugendliche zwis­chen 15 und 17, die reich­lich alko­holisiert waren. Alle drei wur­den wegen des Ver­wen­dens von Kennze­ichen ver­fas­sungswidriger Organ­i­sa­tio­nen angezeigt. Außer­dem kassierten die Polizis­ten sieben CDs ein, die die Jugendlichen dabei­hat­ten. Ob darauf ver­botene Musik zu find­en ist, muss die Soko Tomek in Neu­rup­pin erst noch prüfen, sagte Polizeis­precherin Beat­rix Kühn gestern.

Prüfen muss die Polizei auch, wo die drei Jugendlichen wirk­lich aufge­grif­f­en wur­den. Die angegebe­nen “öffentlichen Clu­bräume” gibt es in Wall jeden­falls nicht. “Wir haben keinen Jugend­club”, sagt Siegrid Stolz. Zwar hat­te der Ort ein­mal über­legt, einen Tre­ff einzuricht­en. “Aber die wollen sich nur tre­f­fen, um zu saufen”, sagt die Orts­bürg­er­meis­terin. Das will sie nicht unter­stützen. Ein Jugendtr­e­ff mache nur mit Betreu­ung Sinn und Betreuer kann sich Wall nicht leis­ten.

Stattdessen tre­f­fen sich die Jugendlichen immer öfter in der Woh­nung eines Wallers und sie betrinken sich. “Uns ist das ein Dorn im Auge”, räumt Orts­bürg­er­meis­terin Stolz ein. Jet­zt will der Orts­beirat sich der Sache annehmen.

Zu Fehrbellins Jugendpfleger Richie Neu­mann hat Siegrid Stolz schon Kon­takt gesucht. Doch auch für ihn ist Wall ein Prob­lem­fall: Von Fehrbellin ist der Ort weit ent­fer­nt. “Außer­dem ori­en­tieren sich die Waller Jugendlichen eher nach Beetz als nach Fehrbellin.” Auch von den drei Jugendlichen vom Mon­tag kamen zwei aus dem Nach­barkreis.

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