3. Januar 2002 · Quelle: AfOrG Cottbus

Rechtsradikaler Übergriff in der Neujahrsnacht in Vetschau (OSL)

Kurz nach dem Jahreswech­sel grif­f­en am 1. Jan­u­ar 2002 etwa 15 offen­bar Recht­sradikale den Prober­aum ein­er Band in Vetschau (Ober­spree­wald-Lausitz) an. In dem Prober­aum, der als Tre­ff­punkt alter­na­tiv­er und link­er Jugendlich­er bekan­nt ist, hat­ten einige Jugendliche Sil­vester gefeiert. Ein­er der Feiern­den traf gegen 3 Uhr wenige Meter vor dem Gebäude unver­mit­telt auf die Angreifer. Sie bedro­ht­en ihn, beschimpften ihn mit ein­deutig recht­sradikalen Parolen
und ver­fol­gten ihn, als er zurück in den Prober­aum flüchtete. Die Recht­sradikalen ver­sucht­en, in den Raum einzu­drin­gen. Sie war­fen die Fen­ster­scheiben ein. Ein Fen­ster wurde dabei mit solch­er Wucht getrof­fen, dass es samt Rah­men aus der Wand brach. Dann war­fen die
Angreifer schwere Gegen­stände auf die Jugendlichen, die ver­sucht­en, von innen die Tür zu versper­ren. Ein Git­ter­rost ver­fehlte sie glück­licher­weise knapp. Die Recht­sradikalen kon­nten auch im weit­eren nicht in den Prober­aum gelan­gen und zogen sich zurück.

 

Polizeibeamte, die von den Jugendlichen aus dem Prober­aum gerufen wur­den, trafen kurze Zeit danach ein, nah­men aber keine Anzeige auf. Nach­dem die Polizei später nochmals gerufen wurde, weil im Laufe der Nacht wieder Recht­sradikale in der Nähe des Prober­aums aufge­taucht
waren, war sie mit einem Ein­satzwa­gen präsent.

 

Den Ange­grif­f­e­nen selb­st sowie ihrer schnellen und umsichti­gen Reak­tion ist es zu ver­danken, dass es keine Ver­let­zten und nicht noch mehr Sach­schä­den gab.

 

Der Über­fall war nicht der erste dieser Art in Vetschau. Es ist eine ganze Rei­he von Angrif­f­en auf Nicht-Deutsche und nicht-rechte Jugendliche bekan­nt. So wurde der Prober­aum unter anderem bere­its in der Nacht vom 5. zum 6. August vorigen Jahres von Recht­sradikalen ange­grif­f­en, die dort ein­brachen und Fen­ster, Mobil­iar sowie Tech­nik
zer­schlu­gen.* In Vetschau und den umliegen­den Dör­fern gibt es ein großes Poten­zial an recht­sradikal Hand­lungs­fähi­gen. Angesichts dieser Sit­u­a­tion ist eine unbe­d­ingte Sol­i­darisierung mit den Ange­grif­f­e­nen gefordert. Sie müssen unter­stützt und gestärkt wer­den, wenn in der Stadt dauer­haft ein­er recht­sradikalen Szene und ihren Aktiv­itäten
ent­ge­gengewirkt wer­den soll.

 

* Eine Pressemit­teilung, die sich mit diesem Angriff befaßt, ist auf
www.opferperspektive.de zu find­en.

 

Anlauf­stelle für Opfer recht­sex­tremer Gewalt e.V.

Parzel­len­straße 79

03046 Cot­tbus

Fon: 0172 — 75 85 772

Fax-Serv­er: 0721 — 151 221 837

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