31. März 2004 · Quelle: DJB e.V.

Sie waren halt nicht eingeladen.

Gestern (30.3) fand im Musik­cafe „Tonne“ eine Infover­anstal­tung zur Kam­er­ad­schaft „Märkischen Heimatschutz“ statt.
Etwa 80, vor­rangig jugendliche Teil­nehmerIn­nen besucht­en den Vor­trag.
Ein Ref­er­ent des Demokratis­chen Jugend­fo­rums Bran­den­burg stellte in inhaltlich umfan­gre­ichen einein­halb Stun­den klar, das es sich beim Märkischen Heimatschutz keineswegs um eine neue Organ­i­sa­tion han­delt. Die Gruppe stellt eher eine Ansamm­lung von Naz­i­funk­tionären, die seit Jahren ver­schiedene rechte Struk­turen durch­laufen haben, und Jugendlichen die offen­sichtlich von der pseudorev­o­lu­tionären Erleb­nis­päd­a­gogik ihrer Anführer begeis­tert sind, dar.
Ide­ol­o­gisch ist der MHS ein klar­er Fall von „Alter Wein in neuen Schläuchen“.
Ihre Veröf­fentlichun­gen strotzen nur so vor plumpen Anti­semitismus, wein­er­lichem Nation­al­is­mus und roman­tis­ch­er NS-Verk­lärung. Neu ist nur der gren­zen­lose Hang zur Selb­st­darstel­lung. Eben­so ist unklar ist, ob ihr Hang zum poli­tis­chen Dadais­mus beab­sichtigt ist oder nur das inhaltliche Para­dox­em ihrer Schrift­führer repräsen­tiert. Es ist ihnen offen­sichtlich nicht pein­lich, Trans­par­ente wie „Wir sind das Volk!“, oder „gegen Faschis­mus und Intol­er­anz“ in der hal­ben Bun­desre­pub­lik spazieren zu tra­gen und gle­ichzeit­ig NS-Funk­tionäre wie Rudolf Hess zu huldigen.
Dem inneren Drang sich selb­st zu präsen­tieren, mussten sie auch in Straus­berg nachgeben.
So wurde eine in Eile angemeldete Kundge­bung des MHS in räum­lich­er Nähe des Ver­anstal­tung­sortes durchge­führt. Den Haupt­teil der 38 Anwe­senden stellte eine Reiseg­ruppe aus der Uck­er­mark. Nach Augen­zeu­gen­bericht­en waren auch 6–8 lokale Nazis dabei.
Die Polizei war vom Gesamtensem­ble gar nicht begeis­tert und sorgte sich um die kle­in­städtis­che Ruhe. Ein so mas­sives Aufge­bot wurde lange nicht mehr in Straus­berg gese­hen. (Der Ein­sat­zleit­er sprach von zwei Hun­dertschaften)
Der Umgang mit den Ver­anstal­tern des Infoabends war schon während der Vor­bere­itung recht rup­pig. Es wurde mit schön­er Regelmäßigkeit darauf hingewiesen das die Infover­anstal­tung sofort aufgelöst wird „… wenn da drin ein­er einen Pup lässt..!“.
Als sich die Nazis dann unter starkem Polizeiaufge­bot aus dem Stadt­ge­bi­et ent­fer­n­ten, entspan­nte sich die Stim­mung auf Seit­en der Polizei.
Alles in Allem eine schöne Ver­anstal­tung unter schrä­gen Umstän­den.
Wieder erwarten scheint ein Nerv getrof­fen.
Es wird sich zeigen wie die näch­sten Ver­anstal­tun­gen ankom­men.
Doch iro­nis­cher­weise haben die MHS´ler wider Willen der Infor­ma­tionsver­anstal­tung eine poli­tis­che Rel­e­vanz gegeben die über das erwartete hin­aus­ging.
Ankündi­gun­gen zu den näch­sten Ter­mi­nen der Ver­anstal­tungsrei­he: „Neon­azis heute, der Märkische Heimatschutz“ sind selb­stver­ständlich unter Inforiot.de zu find­en.

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