31. März 2004 · Quelle: MAZ

Noch immer in Angst

ORANIENBURG Xuan Khang Ha lächelt, schaut ein wenig ver­legen zur Seite.
Angst? “Oh, ja”, sagt der 49-Jährige. Am Fre­itag begin­nt am Oranienburger
Amts­gericht der Prozess gegen ihn. Ver­han­delt wird, ob der vietnamesische
Asyl­be­wer­ber, der am 5. Novem­ber 2002 für zwei Monate zu Pfar­rer Johannes
Köl­bel ins Kirchenasyl nach Schwante flüchtete, mit sein­er Flucht gegen das
Aus­län­derge­setz ver­stieß. In der Anklageschrift werde Ha vorge­wor­fen, er
habe sich ohne Aufen­thalts­genehmi­gung oder Dul­dung in Deutschland
aufge­hal­ten, sagte die Flüchtlingsref­er­entin des Kirchenkreis­es Oranienburg
Simone Tet­zlaff. Sie wird Ha am Fre­itag gemein­sam mit seinem Anwalt
begleiten. 

Has Kirchenasyl hat­te lan­desweit Auf­se­hen erregt. Denn die Polizei versuchte
Ha und seinen damals fün­fjähri­gen Sohn Minh aus dem Schwan­ten­er Kirchenhaus
zu holen. Erst nach einem Gespräch zwis­chen Bischof Wolf­gang Huber und
Min­is­ter­präsi­dent Matthias Platzeck entschärfte sich die Sit­u­a­tion. Ende
Jan­u­ar schließlich stellte das Pots­damer Ver­wal­tungs­gericht Ha unter
Abschiebeschutz. Der Fall Ha müsse erst in einem erneuten Asylverfahren
gek­lärt wer­den, argu­men­tierten die Richter. 

Seit­dem lebt Ha mit seinem Sohn wieder in Hen­nigs­dorf. Minh geht dort in die
Kita, im Herb­st soll der in Hen­nigs­dorf geborene Junge in die Schule gehen.
“Er spricht kaum Viet­name­sisch”, sagt Ha. Einen Zeichen­trick­film, den Sohn
und Vater am Nach­mit­tag miteinan­der sehen, kom­men­tiert Minh in Deutsch. Der
allein erziehende Vater kann sich nicht vorstellen, jemals wieder nach
Viet­nam zurück­zuge­hen. Wegen seines Sohnes nicht. Aber auch aus Angst um
sich selb­st nicht. Ha hat sich in Deutsch­land in ein­er exilpolitischen
Organ­i­sa­tion engagiert. “Gehe ich zurück, komme ich ins Gefängnis”,
befürchtet er. 

Ha genießt derzeit eine befris­tete Dul­dung — bis das Hauptver­fahren zu
seinem Asyl­begehren am Pots­damer Ver­wal­tungs­gericht entsch­ieden ist. Im
Moment allerd­ings gibt es für dieses Ver­fahren noch keinen Ter­min, sagte
Gerichtssprecherin Ingrid Schott. 

Die Gerichtsver­hand­lung in Oranien­burg und das Asylver­fahren in Potsdam
haben keinen inhaltlichen Zusam­men­hang. Schott wagt keine Prog­nose über
einen kün­fti­gen Aufen­thalt­sti­tel Has. Sein exilpolitsches Engage­ment, seine
Auftritte im Fernse­hen und im Inter­net — “das allein reicht ver­mut­lich nicht
aus, dass das Gericht von ein­er Bedro­hung in Viet­nam aus­ge­ht”, sagte Schott.
Allerd­ings müsse auch berück­sichtigt wer­den, dass Ha seinen Sohn alleine
umsorgt. Und dass der Medi­en­rum­mel um das Kirchenasyl seinen Fall auch in
Viet­nam bekan­nt gemacht hat.

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