24. Februar 2004 · Quelle: Prozess-BeobachterInnen

Solidarität ist eine Waffe! Prozessbegleitung eine Hilfe!

Vor knapp einem Jahr, in der Nacht vom 23. März 03, grif­f­en Neon­azis einen linken Jugendlichen am Bahn­hof Rehbrücke in Pots­dam an. Mit einem Teleskop­schlag­stock schlu­gen sie auf den Linken ein, trat­en ihn und war­fen ihn anschließend auf die Bah­n­gleise. Nur die Ver­spä­tung des ein­fahren­den Zuges ver­hin­derte noch Schlim­meres.

Let­zten Don­ner­stag standen nun die recht­en Schläger vor Gericht. Kahlgeschoren, tätowiert und angriff­s­lustig präsen­tierte sich zunächst das Sym­pa­thisan­tenum­feld der Nazis­chläger Heiko G., Jens F. und Enri­co P.. Die Clique um die drei ist nicht unbekan­nt in Pots­dam. Sie fie­len schon mehrfach wegen rechter Untat­en auf und beteiligten sich auch rege an bun­desweit­en Aktiv­itäten der Recht­en, wie bspw. die im Prozess von der Clique selb­st zu Pro­tokoll gegebene Teil­nahme an der NPD Demo am 18.1.2003 in Magde­burg zeigt.

Bish­er scheinen sich die Nazis in Pots­dam ziem­lich sich­er und im Zweifels­fall als Her­ren der Straße gefühlt zu haben. Noch bevor der Prozess begonnen hat­te, ver­sucht­en einige Rechte, Fotos von den AntifaschistIn­nen zu machen, die zum Gericht­sprozess kamen. Später im Prozess kom­men­tiert Jens F. die Nach­frage zur „Anti-Antifa“ mit den Worten „Dazu sage ich nichts“. Auch wenn den Pots­damer Linken noch etwas Rou­tine im Umgang mit dreis­ten Dro­hver­hal­ten von Nazis, hier den Fotografierver­suchen, fehlt, reichte schon die Zahl der gekomme­nen Unter­stützerIn­nen, die Nazi­ak­tiv­itäten vor dem Gerichts­ge­bäude gründlich misslin­gen zu lassen. So kamen nicht wie in früheren Prozessen allen­falls einzelne Fre­unde des Opfers, son­dern eine ganze Rei­he von linken AktivistIn­nen und Einzelper­so­n­en, um den Prozess zu beobacht­en.

Ein Trans­par­ent mit der Auf­schrift “Dies war kein Einzelfall. Den recht­en Ter­ror in Pots­dam stop­pen!” wurde vor dem Gerichts­ge­bäude in Pots­dam entrollt.

Die mit den Tätern sym­pa­thisieren­den Nazis ver­zo­gen sich angesichts der Überzahl Nicht-Rechter ver­mummt in eine Ecke und kamen let­ztlich noch nicht mal in den Gerichtssaal. Den Angeklagten und recht­en Zeu­gen verg­ing das bish­erige großspurige Selb­st­be­wusst­sein noch schneller, sie ließen sich schließlich mit polizeilichem Begleitschutz in den Gerichtssaal führen.

Nach dem Angriff am 23.03.03 hat­te Heiko G. hinge­gen sog­ar noch die Dreistigkeit besessen, sich beim Opfer zu melden. Er hat­te ver­sucht, das Opfer zu ein­er Falschaus­sage zu bewe­gen, damit er nicht in den Knast kommt.

Kön­nte der Prozess in Pots­dam vielle­icht einen Wech­sel ein­läuten? Das Inter­esse der Pots­damer Linken am Prozess zeigt, dass Angriffe ger­ade auch auf jün­gere AktivistIn­nen kein Einzelschick­saal sind, bedro­ht fühlten sich viele. Sicht­bar­er wird nun, dass es Wege gibt, sich der Straßenge­walt von Nazis ent­ge­gen zu set­zen. Indem Angriffe öffentlich gemacht wer­den und nicht als Alltäglichkeit hin­genom­men wer­den, scheint einige Sol­i­dar­ität und Unter­stützung mobil­isier­bar. Wenn kün­ftig mehr Jugendliche und migrantis­che Opfer der Vere­inzelung ent­ge­gen treten und sich nach Über­grif­f­en gezielt von anderen unter­stützen lassen, lässt sich zu einem Kli­ma beitra­gen, in dem bish­eri­gen dreist-aggres­siv­en Auftreten der Nazis der Boden ent­zo­gen wird.

Kommt zum Prozess am 26. Feb­ru­ar um 9 Uhr im Landgericht, Saal 09. Den Nazis den Platz weg­nehmen.

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