10. Juli 2003 · Quelle: MAZ

Übungsplatz geht in Betrieb

Vertei­di­gungsmin­is­ter Struck will das “Bombodrom“militärisch nutzen

BERLIN/WITTSTOCK — Das Vertei­di­gungsmin­is­teri­um hat gestern die militärische
Nutzung des als “Bom­bo­drom” bekan­nten Tief­fluggelän­des in der
Kyritz-Rup­pin­er Hei­de bei Witt­stock (Ost­prig­nitz-Rup­pin) verkün­det. Der 12
000 Hek­tar große Trup­penübungsplatz sei “für das kon­tinuier­liche Üben der
Luft­waffe unverzicht­bar”, begrün­dete Min­is­ter Peter Struck (SPD) die
Entschei­dung. Der Platz biete “ide­ale Übungs­be­din­gun­gen für eine
real­ität­sna­he Aus­bil­dung”. Schon nach den Som­mer­fe­rien im August sollen nach
dem Willen des Min­is­teri­ums die ersten Ein­sätze geflo­gen werden. 

Die Geg­n­er des Luft-Boden-Schieß­platzes wollen hinge­gen gerichtlich
ver­hin­dern, dass es so weit kommt. Recht­san­walt Rein­er Geulen, der
zahlre­iche Anliegerge­mein­den in Nord­bran­den­burg und Süd­meck­len­burg vertritt,
kündigte gestern Kla­gen gegen die Entschei­dung an. Laut Geulen erlaubt sie
etwa 15 000 Tief­flüge pro Jahr. 

Unter­schiedlich reagierten die Regierun­gen in Pots­dam und Schwerin.
Bran­den­burg respek­tiere den Entschluss und werde keine Klage einreichen,
erk­lärte Min­is­ter­präsi­dent Matthias Platzeck (SPD), einst entschiedener
Geg­n­er des Übungsplatzes. 

Dis­tanziert­er äußerte sich die Regierung von Mecklenburg-Vorpommern.Sie
prüfe, ob das Land kla­gen werde, sagte der stel­lvertre­tende Regierungschef,
Umwelt­min­is­ter Wolf­gang Meth­ling (PDS) .

Der PDS-Bun­desvor­sitzende Lothar Bisky forderte Platzeck auf, dem Schweriner
Beispiel zu fol­gen. “Die Entschei­dung für den größten Truppenübungsplatz
West€pas, die Entschei­dung für Tief­flüge und Bomben­ab­würfe in der Heide
degradiert eine ganze Region im Osten zum Spiel­ball verteidigungspolitischer
Inter­essen”, erk­lärte Bisky. 

Scharfe Kri­tik an der Entschei­dung, den ehe­ma­li­gen Bomben­ab­wurf­platz der
Sow­je­tarmee wieder in Betrieb zu nehmen, äußerten auch die Grü­nen sowie
Umweltver­bände. Sie sei “erstaunt über die Arro­ganz des Ver­fahrens”, klagte
die Grü­nen-Bun­desvor­sitzende Ange­li­ka Beer. 

Wirtschaftlich kön­nte der Nor­den Bran­den­burgs von der mil­itärischen Nutzung
des Gelän­des prof­i­tieren. Nach Angaben des Vertei­di­gungsmin­is­teri­ums wird in
Witt­stock eine Aus­bil­dungs-Gar­ni­son mit 800 Sol­dat­en und 150
Zivilbeschäftigten sta­tion­iert. Dies werde jedoch erst dann beschlossen,
wenn der Übungsplatz seinen Betrieb aufgenom­men habe.

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