26. Juli 2012 · Quelle: Lausitzcamp

Umzug ins Strombad

Lausitzer Klimacamp zieht von Jänschwalde nach Cottbus

Der Stan­dort des Lausitzer Kli­macamp wird dieses Jahr nicht Jän­schwalde sein. Dafür ziehen wir in die City von Cot­tbus, in Laufweite zur Vat­ten­fall Min­ing Zen­trale und in erleb­bare Nähe für inter­essierte Cottbusser*innen. Hin­ter­grund und wieso, weshalb, warum ste­ht unten.

Es war eine span­nungs­ge­ladene Sit­u­a­tion, als die Gemeindevertreter*innen der Großge­meinde Jänschwalde/Janšojce am 05.07.2012 zusam­men trafen. Während der Sitzung tobte draußen ein schw­eres Gewit­ter und auch inner­halb der Runde war es nicht weniger stür­misch.

Aber eines nach dem anderen: Besitzer*innen von Wiesen, die ihr Land der Agrargenossen­schaft Jänschwalde/Janšojce ver­pachtet hat­ten, und auch die Agrargenossen­schaft selb­st, wün­scht­en sich für die Bere­it­stel­lung ein­er Wiese für das Kli­macamp gerne den Rück­halt der Gemeinde. So befan­den sich die Organisator*innen des Lausitz­camps 2012 in ein­er bish­er ein­ma­li­gen Sit­u­a­tion in der Geschichte der Gemein­de­v­ertreter­sitzun­gen des Ortes, bei der nicht weniger als unser Camp­platz auf dem Spiel stand. Ein wün­schenswertes Prozedere bei ein­er solchen Abstim­mung wäre gewe­sen, dass sich die jew­eilige Gruppe ihr Vorhaben vorstellt, die Gemeindevertreter*innen Nach­fra­gen stellen und es daraufhin zur Abstim­mung kommt.

Unsere Chan­cen auf eine Wiese standen zu diesem Zeit­punkt auch nicht schlecht; mit der Erfol­gs­geschichte des let­zten Jahres und zahlre­ichen vor Ort gesam­melten Unterstützer*innen-Unterschriften schien ein­er Zus­tim­mung nicht allzu viel im Weg zu ste­hen.

Aber es kam anders: die Vorstel­lung des Kli­macamp wurde in die Bürg­er­fragerunde nach der Abstim­mung ver­legt, so dass wir im vorn­here­in keine Chance hat­ten, die Gemeindevertreter*innen von unserem Anliegen zu überzeu­gen. Zusät­zlich gab es erst­ma­lig in den let­zten 20 Jahren in Jänschwalde/Janšojce auf Antrag von Her­rn Richter (Gemein­de­v­ertreter von Drewitz/Drjejce) eine namentliche Abstim­mung, was poten­zielle Befürworter*innen des Camps deut­lich unter Druck set­zte. Das Ergeb­nis fiel mehr als trau­rig aus: sieben Großgemeinde-Vertreter*innen stimmten mit „Nein“, drei enthiel­ten sich ihrer Stimme und zwei stimmten mit einem deut­lichem „Ja“. Damit war die Ort­sentschei­dung für das Kli­macamp 2012 gefällt wor­den.

In der Bürg­er­frages­tunde wur­den anschließend die Gemeindevertreter*innen mit der Zus­tim­mung der Bevölkerung kon­fron­tiert. Der Gemein­de­v­ertre­tung wurde erk­lärt, dass ca. 70% der Jänschwalder*innen dem Kli­macamp pos­i­tiv gegenüber ste­hen wür­den. Zur Debat­te stand nun­mehr, für wen hier und heute eine Entschei­dung getrof­fen wurde.

Die prompte Antwort kam aus den Rei­hen der Bürger*innen selb­st. Ein Angestell­ter von Vat­ten­fall und Ein­wohn­er von Jän­schwalde-Dor­f/ Janšo­jce explodierte förm­lich „Sie machen nur Schaden!“ rief er in die anges­pan­nte Sit­u­a­tion. Begrün­det wer­den kon­nte diese Aus­sage nicht, da das Kli­macamp des let­zten Jahres, auch ent­ge­gen der zuvor ver­bre­it­eten Stim­mung ohne „Schä­den“ been­det wurde. Zu spüren ist allerd­ings unter­schwellig die Sorge um einen Kon­sens im lokalen Ver­hal­ten gegenüber Vat­ten­fall. Ein Gemein­de­v­ertreter von Grießen/ Gr?šna warf sin­ngemäß ein: „die Leute, die an der Hoftür nach ihrer Unter­schrift zur Unter­stützung des Kli­macamps gefragt wur­den, wis­sen ja gar nicht, was für die Gemeinde alles auf dem Spiel ste­ht“.

Die Nach­frage von Einwohner*innen, welchen konkreten Nutzen die Gemeinde aus der Ver­hin­derung des Kli­macamps beziehen würde, kon­nte von den Gemein­de­v­ertretern nicht beant­wortet wer­den. Nur dass sie im „Hier und Jet­zt“ leben und aus der jet­zi­gen Sit­u­a­tion das Beste für die Gemeinde her­aus­holen müssen. Für eine „enkeltaugliche“ Poli­tik und ein sol­i­darisches, regionales Wirtschaften für die Zukun­ft dieser Region ste­ht diese Entschei­dung jeden­falls nicht!

Es ist in der „Braunkohlere­gion Lausitz/?užyca“ inten­siv zu spüren, dass ein Konz­ern, der Mil­liar­den mit der Abbag­gerung ganz­er Land­schaften und Dör­fer ver­di­ent, mit Hil­fe von eigentlichen Entschädi­gungsleis­tun­gen, z.B. land­wirtschaftliche Ertrag­sein­bußen oder Häuser- und Straßen­risse durch die Grund­wasser­ab­senkung des Tage­baus sowie mit kleineren frei­willi­gen finanziellen „Zusat­zleis­tun­gen“ eine Region sub­til ver­sucht zu steuern.

Aber auch: wir set­zen hier in Jänschwalde/Janšojce, das dem Kraftwerk lediglich seinen Namen gab, mit unserem Kampf für eine Energiewende, Energiesou­veränität und Energiedemokratie an der richti­gen Stelle an. Hier geht es nicht nur um ein Kli­macamp, son­dern um die Zukun­ft der Region und um die entschei­den­den Akteur*innen. Eine Frage, deren Beant­wor­tung schon längst über­fäl­lig ist.

Trotz allem: wir freuen uns auf euch auf dem Camp! Macht mit! Strom­bad Cot­tbus, Strom­straße 14

P.S. Wir haben während des Camps einige Pro­grammbe­standteile nach Jänschwalde/Janšojce ver­legt.
Mon­tag, 13.08. – Diskus­sion­srunde zum Kli­macamp in Jän­schwalde „Zur Dor­faue“ (K5)
Dien­stag, 14.08. – Fußball­fre­und­schaftsspiel SC Jän­schwalde : Kli­macamp
Don­ner­stag, 16.08. – Bus-Shut­tle von Jän­schwalde zum The­ater­gast­spiel „Berlin­er Com­pag­nie“ nach Cot­tbus, Strom­bad
Fre­itag, 17.08. – Fahrrad-Exkur­sion zu den Aus­sicht­spunk­ten Tage­bau Jänschwalde/Janšojce
Son­ntag, 19.08. – Evan­ge­lis­ch­er Gottes­di­enst und gemein­same Für­bitte in der Kirche zu Jänschwalde/Janšojce
Son­ntag und Mittwoch – „Energi­e­tour“ – mehrstündi­ge Busexkur­sion mit Spreescouts zu Eck­punk­ten der Energies­trate­gie Lausitz, u.a. Kraftwerk Jän­schwalde, Solarpark Lieberos­er Hei­de, Aus­sicht­spunkt Lacoma/?akoma u.a..

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