15. September 2006 · Quelle: ND

… und die Schlapphüte schreiben ab

»Das Bild, das wir vom Land Bran­den­burg zeich­nen, ist schon ein radikal neg­a­tives. Aber so sieht nun ein­mal auch ein Stück weit die Real­ität aus. Wir sind Imageschädlinge – aus Überzeu­gung.« Sven­ja Rinks heißt die junge Frau, die so redet. Sie ist Mitar­bei­t­erin bei Infori­ot, einem Inter­net-Por­tal für linke Poli­tik in Bran­den­burg, das dieser Tage den fün­ften Geburt­stag feiert.

Rechte Gewalt, Sozial­ab­bau, Demokratiede­fizite, Skan­dale um den Ver­fas­sungss­chutz, Ras­sis­mus im All­t­ag und in Behör­den: »Unser Ziel von Anfang an war es, den Fin­ger in die Wun­den zu leg­en und so zu zeigen, dass Wider­stand nötig ist«, sagt die 24-jährige Rinks. Das Adressverze­ich­nis link­er Grup­pen, die Mel­dun­gen und vor allem der Ter­minkalen­der zeigen die Aktiv­itäten außer­par­la­men­tarisch­er Link­er im Bun­des­land auf. Hier find­et auch Poli­tis­ches aus Sub­kul­turen wie der Punkszene seinen Platz. Die Nachricht­en wiederum bein­hal­ten einen umfan­gre­ichen Press­espiegel mit mit­tler­weile fast 9000 Ein­trä­gen. Von dieser Doku­men­ta­tions­freude ist wohl auch der Name des Pro­jek­ts inspiri­ert. »Infori­ot« ist eine Wortschöp­fung aus dem Englis­chen und bedeutet soviel wie »Infor­ma­tion­sauf­s­tand«.

Ges­tartet wurde Infori­ot im Sep­tem­ber 2001 von ein­er kleinen Antifa­gruppe in Neu­rup­pin. Inzwis­chen ist die Redak­tion­s­gruppe auf acht Per­so­n­en angewach­sen, die in ver­schiede­nen Städten leben und sich vor allem per E‑Mail koor­dinieren. Auch wenn die meis­ten Redak­teure aus Angst vor Angrif­f­en aus der recht­en Szene Wert auf Anonymität leg­en, ist soviel zu erfahren: die Män­ner sind in der Überzahl, sind unter 30 Jahren alt, viele auch ander­weit­ig poli­tisch aktiv und nur wenige sind Mit­glied ein­er Partei. Gear­beit­et wird gän­zlich unbezahlt. Selb­st die Kosten für den tech­nis­chen Betrieb müssen pri­vat oder über Spenden finanziert werden.

Sven­ja Rinks war schon in den Anfangsta­gen in Neu­rup­pin dabei und studiert mit­tler­weile in Pots­dam. »Infori­ot macht mir immer noch Spaß, auch wenn es viel Zeit kostet. Vor allem die vie­len Reak­tio­nen auf unsere Artikel machen Mut. Offen­sichtlich schätzen viele Leute unsere Arbeit.« Im Schnitt durch­stöbern derzeit täglich 3000 Besuch­er die Infori­ot-Seit­en, Ten­denz steigend. In fünf Jahren waren es ins­ge­samt zweiein­halb Millionen.

»Wir sind schnell, unsere Infor­ma­tio­nen sind gratis für jeden mit Inter­ne­tan­schluss erre­ich­bar, und vor allem bear­beit­en wir natür­lich rel­e­vante The­men«, erk­lärt sich Rinks den Erfolg. Die Kon­ti­nu­ität schaffe auch Ver­trauen im Pub­likum. Schon öfter hät­ten sich etwa Schulk­lassen nach der Sicher­heit­slage in Bran­den­burg­er Städten erkundigt – ob die rechte Szene so stark sei, dass ein Klasse­naus­flug mit dunkel­häuti­gen Schülern gefährlich sein könnte.

Dass linkes und antifaschis­tis­ches Engage­ment in Bran­den­burg nicht uneingeschränkt auf Wohlwollen stößt, hat die Infori­ot-Redak­tion schnell gel­ernt. »Gle­ich nach unser­er Grün­dung wur­den wir in den Ver­fas­sungss­chutz-Bericht­en als ›link­sex­trem‹ gebrand­markt«, so Rinks. Lachend fügt sie hinzu: »Ein­schätzun­gen zur Neon­aziszene pin­seln die Ver­fas­sungss­chützer trotz­dem gerne mal von unser­er Seite ab.«

Geburt­stagspar­ty am 23.9. ab 21 Uhr im Kuze, Her­rmann-Elflein-Str. 10, Pots­dam, Ein­tritt zwis­chen 4 und 6 Euro, www.inforiot.de.

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