15. September 2007 · Quelle: PNN

Verlängerte Haft nach Nazi-Prügelei

Ein­er der im Som­mer 2005 aktivsten Neon­azis der Stadt ist gestern am Landgericht Pots­dam zu ein­er Haft­strafe von fünf Jahren und vier Monat­en verurteilt wor­den. Der 24-jährige Oliv­er K. war wegen ein­er Schlägerei in ein­er Straßen­bahn in Babels­berg und wegen eines laut­starken „Sieg Heil“-Rufes in der Innen­stadt angeklagt (PNN berichteten). Der Anklagepunkt, an ein­er Jagd auf linke Jugendliche in Babels­berg beteiligt gewe­sen zu sein, war dage­gen am zweit­en Ver­hand­lungstag eingestellt wor­den – unter Ver­weis auf die nicht zu erwartende Erhöhung des Straf­maßes. Richter Jörg Tie­mann attestierte Oliv­er K. zum Zeit­punkt der Tat­en einen „schlicht­en, dumpfen und bru­tal­en Hass auf alles“, was von seinem dama­li­gen Welt­bild abwich.

Wie sich diese Aggres­sion äußerte, ließ sich gestern im Gerichtssaal sehen. Dort wur­den die Auf­nah­men der Überwachungskam­eras gezeigt, die am 19. Juni 2005 den Über­fall auf die Pots­damer Stu­den­ten Markus S. und René S. filmten. Die zwei jun­gen Leute waren in der Tram­lin­ie 94 ange­grif­f­en wor­den, weil Markus S. ein Shirt mit dem Spruch „Mein Fre­und ist Aus­län­der“ trug. Auf den Bilder der Kam­era ist dabei deut­lich zu erken­nen, wie ihm der inzwis­chen inhaftierte Oliv­er Oe. das Shirt zer­reißt. Später erhebt sich der in der Nähe sitzende Oliv­er K. und schlägt Markus S. eben­falls, während dessen Fre­und René S. von anderen Recht­en bedrängt wird. Nach dem es René S. gelingt, die Not­bremse zu ziehen, ver­lässt der etwa 15-köp­fige Trupp Recht­sex­tremer die Bahn. Der Angriff dauert knapp zwei Minuten. Die Opfer bleiben mit Prel­lun­gen zurück, dazu fehlt René S. ein Zahn.

K. saß schon vor der jet­zi­gen Ver­hand­lung hin­ter Git­tern. Im März 2006 war er am Landgericht zu viere­in­halb Jahren Haft verurteilt wor­den: Zusam­men mit anderen Neon­azis hat­te er am 3. Juli 2005 zwei junge Leute, die seine Gruppe als „Linke“ iden­ti­fizierte, in der Innen­stadt zusam­mengeschla­gen und mit Bier­flaschen ver­let­zt. 1998 war er erst­mals weges des Ver­wen­dens von Zeichen ver­fas­sungs­feindlich­er Organ­i­sa­tio­nen auf­fäl­lig gewor­den. Der Aus­sage von K., er gehöre nicht mehr der recht­en Szene an, wollte Richter Tie­mann wegen all solch­er Fak­ten noch nicht gän­zlich glauben: „Das wird die Zukun­ft zeigen.“

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