21. Januar 2009 · Quelle: gegenrede.info

Viel Gewalt in einen Prozess gepackt

Pren­zlau — Seit Dien­stag dieser Woche müssen sich vier Män­ner aus Tem­plin und Lychen im Alter von 23 bis 40 Jahren wegen dreier Gewalt­de­lik­te vor dem Amts­gericht in Pren­zlau ver­ant­worten. Der Über­fall auf einen jun­gen Punk gilt dabei als poli­tisch motiviert. Die anderen bei­den Straftat­en wur­den von der Staat­san­waltschaft als Kör­per­ver­let­zung angeklagt.

Zum Ersten …

Als Erster im Zeu­gen­stand sitzt ein 20-jähriger junger Mann im dun­klen Anzug mit Krawat­te und „ordentlich“ geschnit­ten­em Haar. Er ist aus dem Harz zu dieser Ver­hand­lung angereist. Vor einem Jahr lebte der Auszu­bildende noch in der Umge­bung Tem­plins und war mit dem Abitur beschäftigt. Am 24. April war er länger in der Stadt geblieben und hat­te den let­zten Bus ver­passt. Gegen 21:30 Uhr befand er sich im Stadtzen­trum auf dem Weg zu einem Fre­und bei dem er über­nacht­en kon­nte. Er schildert mit präzisen Worten den Tather­gang. Er habe Schritte hin­ter sich gehört, wurde mit „komm her, du Scheiß Zecke“ beschimpft, drehte sich um und bekam die Faust des Angreifers ins Gesicht. Er habe auszuwe­ichen ver­sucht und sei hin­ter dem recht­en Ohr getrof­fen wor­den. Sein Gegenüber schub­ste ihn zu Boden und begann auf ihn einzutreten. Eine Frau ver­suchte den Angreifer wegzuziehen, was ihr auch gelang. Er habe sich erheben wollen, da sei der Schläger erneut auf ihn los gegan­gen. Die Frau habe den Angeklagten wieder wegge­zo­gen. Er sei liegen geblieben bis die Bei­den abge­zo­gen waren. Weil die Frau etwas gerufen habe wie „Patrick hör doch auf. Du hast doch schon ein Ding am Laufen.“ und er den Täter habe beschreiben kön­nen, war es ihm und seinen Fre­un­den ein Leicht­es gewe­sen, Patrick K. zu iden­ti­fizieren. Patrick K. hat zuvor dem Richter die Tat ges­tanden. Allerd­ings hat er bestrit­ten, sein Opfer getreten zu haben.

Rechter Schläger Patrick K.

Patrick K. gehört zur gewalt­täti­gen recht­sex­tremen Szene Tem­plins auch wenn er sich am Dien­stag von seinen ehe­ma­li­gen Kam­er­aden dis­tanzierte. Derzeit sitzt er wegen eines weit­eren Gewalt­de­lik­ts, das eben­falls am Dien­stag ver­han­delt wurde, in Unter­suchung­shaft. Im Novem­ber 2008 stellte das Landgericht Neu­rup­pin in ein­er Beru­fungsver­hand­lung fest, dass er an einem Angriff auf zwei Punks im Herb­st 2007 maßge­blich beteiligt war und bestätigte eine zehn­monatige Frei­heitsstrafe. Hier wurde Revi­sion ein­gelegt. Par­al­lel läuft in Pren­zlau ein Ver­fahren gegen ihn und drei weit­eren Kumpa­nen wegen gemein­schaftlich­er schw­er­er Kör­per­ver­let­zung, die von den vier Män­nern Ende Mai let­zten 2008 in Pren­zlau began­gen wurde. Hier wird am Fre­itag dieser Woche ein Urteil erwartet. Spätestens im März wird er sich in seinem näch­sten Ver­fahren gemein­sam mit den Brüdern M. und Tino G. vor dem Amts­gericht in Pren­zlau ver­ant­worten müssen, weil die vier jun­gen Män­ner im Dezem­ber 2007 zwei Punks in der Sparkasse am Tem­plin­er „Pub“ übel zugerichtet hat­ten.

Angst — Räume

Inter­es­sant für das Ver­ständ­nis des Kli­mas in Tem­plin im let­zten Früh­jahr ist die Schilderung von Chris­t­ian J. über den Zeitraum bis zur Attacke. Er war zuvor bere­its ein­mal an dieser Gruppe Rechter vor­beige­gan­gen. Es roch für ihn nach Ärg­er. Chris­t­ian J. spricht im Zeu­gen­stand von Angst. Er war Punk, gek­lei­det wie ein Punk mit einem flam­menden roten Iroke­sen. Er wusste, dass Punks begehrtes Opfer der Recht­en waren. Als er erneut an dieser Gruppe vor­bei musste, wech­selte er etwa 100 Meter zuvor die Straßen­seite, ging zügig an den Leuten vor­bei, ohne hinzublick­en. Er bog in eine Seit­en­straße ab. Sie ließen ihn nicht entwischen.

Patrick K. und Chris­t­ian J. kan­nten sich nicht. Punks waren Frei­wild für die Tem­plin­er Recht­en. Der rechte Schläger Mar­tin M. wurde jüngst von einem Punk gefragt, warum er denn Zielscheibe sein­er Aggres­sion gewor­den war? Mar­tin M. soll geant­wortet haben: „Weil euer Ausse­hen so provoziert.“

Der Prozess wird am 30. Jan­u­ar 2008 fort­ge­führt.

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