28. Mai 2002 · Quelle: Märkische Allgemeine

Vietnamese in Rathenow in den Tod getrieben

RATHENOW Bei dem Mann, der am frühen Fre­itagabend in einem Nebe­n­arm der Hav­el ertrunk­en ist (MAZ berichtete), han­delte es sich um einen viet­name­sis­chen Staats­bürg­er. Das gab das Polizeiprä­sid­i­um Oranien­burg gestern Nach­mit­tag bekan­nt. Der Mann sei im Land­kreis Barn­im gemeldet gewe­sen, wo er als Asyl­be­wer­ber in einem Über­gangswohn­heim gelebt habe.
Gestern mor­gen war die Sek­tion des Toten am Rechtsmedi­zinis­chen Insti­tut in Pots­dam erfol­gt. Im Ergeb­nis der Sek­tion wurde Ertrinken als Todesur­sache fest­gestellt. Über das Alter des Toten herrschte noch Unklarheit. Es habe sich auf jeden Fall um einen jun­gen Mann “so zwis­chen 20 und 30 gehan­delt”, sagte Rudi Son­ntag, der Press­esprech­er des Präsidiums.

Über die genauen Motive der panikar­ti­gen Flucht kon­nten die Ermit­tler nur spekulieren. Auf dem Weg von der Gus­tav-Frey­tag-Straße zum Have­larm habe der Viet­namese zwei Stan­gen unver­zoll­ter Zigaret­ten wegge­wor­fen, die später beim Absuchen des Fluchtweges von Beamten gefun­den wor­den seien. Ver­mut­lich habe er sich der Polizeikon­trolle und der damit dro­hen­den Aufdeck­ung des ille­galen Zigaret­ten­han­dels entziehen wollen, sagte Sonntag.

Gegen 18 Uhr war eine Polizeistreife bei ein­er Rou­tine­fahrt in der Gus­tav-Frey­tag-Straße auf den Viet­name­sen aufmerk­sam gewor­den, weil dieser beim Anblick der Beamten panikar­tig die Flucht ergrif­f­en hat­te. Der Mann war bis zur Her­ren­lanke gelaufen, hat­te sich am Ufer teil­weise entk­lei­det und ver­sucht, den Have­larm zu durch­schwim­men. In der Mitte des Flusses war er plöt­zlich unterge­gan­gen. Obwohl ein­er der Beamten sofort ins Wass­er sprang, um den Ertrink­enden zu ret­ten, kon­nte dessen Tod nicht ver­hin­dert wer­den. Zwei Stun­den nach dem Ereig­nis fan­den Mit­glieder des Tauch­clubs West­havel­land die Leiche im Wass­er, ein Stück ent­fer­nt von dem Ort des Unglücks. Rean­i­ma­tionsver­suche durch einen Notarzt blieben erfolglos.

Sowohl die Polizis­ten als auch eine Zeu­g­in, die zum Zeit­punkt des Unglücks ihren Hund am Have­larm aus­führte, gaben an, dass es sich bei dem Mann augen­schein­lich um einen guten Schwim­mer gehan­delt habe. Er habe zwei Schwimm­stile beherrscht und einen sicheren Ein­druck gemacht. Plöt­zlich, etwa in der Mitte des Flusses, habe er die Arme in die Höhe geris­sen und sei sofort untergegangen.

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