27. Januar 2009 · Quelle: JWP Mittendrin e.V.

Wir gedenken der Opfer des Faschismus!

Der 27. Jan­u­ar ist seit 1996 in Deutsch­land und seit 2005 weltweit
offizieller „Tag des Gedenkens an die Opfer des Nation­al­sozial­is­mus“
aber auch der Jahrestag der Befreiung des Ver­nich­tungslagers
Auschwitz-Birke­nau im Jahre 1945 durch die Rote Armee.

64 Jahre sind seit dem ver­gan­gen. Seit dem Tag an dem in Auschwitz alle
die ver­bran­nt wur­den, die nicht in das ide­ol­o­gis­che Schema der
soge­nan­nten „Her­ren­rasse“ passten.
Juden und Jüdin­nen, Oppo­si­tionelle aller Facetten, Sin­ti, Roma,
Homo­sex­uelle.
Auschwitz gilt mit mehr als 1,1 Mil­lio­nen ermorde­ten Men­schen und
weit­eren hun­dert­tausenden Geschädigten als größtes von hun­derten
Ver­nich­tungslagern und gilt weltweit als Sym­bol für die Grausamkeit der
Naziver­brechen und den Holo­caust.

64 Jahre später hat men­sch rel­a­tiv gut damit abgeschlossen. Men­sch
dis­tanziert sich von der schlim­men Ver­gan­gen­heit und betont mit
Lip­pen­beken­nt­nis­sen, dass so etwas nie wieder passieren darf.
Ver­meintliche Neon­azis wer­den als verblendet abge­tan und Faschis­mus als
Prob­lem ver­gan­gener (sog. total­itär­er) Gesellschaften in sein­er
Gefährlichkeit abgeschwächt.

Tage, wie dieser gehören zu Pflichtver­anstal­tung der demokratis­chen
Zivilge­sellschaft, sind aber auch gle­ichzeit­ig das Armut­szeug­nis der
ver­meintlichen Aufar­beitung des Nation­al­sozial­is­mus.

Lei­der beschränkt sich die Aufar­beitung in vie­len Kreisen auf eine
Nicht-Iden­ti­fika­tion mit Nazi­größen und deren Ver­brechen. Es wer­den
Helden aus dem DEUTSCHEN WIDERSTAND gesucht, wie die Hochstil­isierung
der „Atten­täter“ des 20. Juli um Stauf­fen­berg zeigen oder es wird den
Opfern vom Alli­ierten-Bombe­nan­grif­f­en gedacht. Hier kommt zu ein­er
Opfer-Täter-Ver­schiebung in der bre­it­en Wahrnehmung. (Que bono?)

Vor weni­gen Tagen, stellte ich mit einem ungutes Gefühl zwis­chen
Mis­strauen und Zweifel fest,
dass aber­mals ver­sucht wurde die Geschichte um Stauf­fen­berg zu
ver­fil­men. Mit dem epochalen Titel „Oper­a­tion Walküre“ wird ein weit­eres
Mal ver­sucht Teile der deutschen Offiziere zu entschuldigen und zu
glo­r­ri­fizieren. Es gab keine gute Wehrma­cht. Ihre Schuld an den Mor­den
von Mil­lio­nen Men­schen, wer­den zugun­sten ihrer soge­nan­nten Helden­tat­en
beglichen. Dass die Gruppe des 20. Juli der Ide­olo­gie des Drit­ten
Reich­es nicht abgeneigt war und auch die Kriege gut hieß wird bei der
Iden­ti­fika­tion mit Tom Cruise (aka Stauf­fen­berg) kom­plett ignori­ert. Die
Ver­schwör­er planten die Ver­nich­tung im Osten aktiv mit und tat­en sich
vor allem in der Bekämp­fung von Par­ti­sa­nen, also den wirk­lichen
Wider­stand­skämpferIn­nen her­vor.

Der „Sinneswan­del“ war keineswegs ein Akt der Erken­nt­nis das die
indus­trielle Tötung in Auschwitz eine wider­liche Sache sei, son­dern galt
nur Hitler dem dilet­tan­tis­chen Kriegsh­er­rn, wie er von vie­len der
Gen­eräle spätestens seit dem Win­ter 42/43 wahrgenom­men wurde.
Stauf­fen­berg und Co. fol­gten nicht ihrem Gewis­sen, wie der Film (und
andere) zu ver­mit­teln versucht/versuchen, son­dern hat­ten die „Ehre des
deutschen Volkes“, der „Her­ren­rasse“, der Gen­eräle und der Wehrma­cht im
Kopf . Das Bild der „sauberen“ Wehrma­cht dient nicht zulet­zt auch der
heuti­gen deutschen Bun­deswehr als Anknüp­fungs- und Legit­i­ma­tion­spunkt um
auch wieder aktiv in aller Welt mitzu­mis­chen – denn es geht ja um die
ver­meintlich gerechte Sache. Es geht um die Aufrechter­hal­tung des Zugang
zu Rohstof­fquellen und Absatzmärk­ten in der ganzen Welt.

Auch andere Tragö­di­en führen durch deren Über­be­to­nung dazu, dass die
Wahrnehmung der „Kriegss­chuld“ ver­schoben wird und nationale Mythen
geschaf­fen wer­den. Das Prob­lem ist hier das Aufrech­nen der Opfer
gegeneinan­der. Natür­lich sind in Dres­den Men­schen durch Bomben
gestor­ben. Natür­lich wurde die Gust­lof versenkt. Aber das recht­fer­tigt
nicht den Ver­gle­ich zum indus­triellen Tötung der Nazis. Jeglich­er
Ver­gle­ich rel­a­tiviert die Naziver­brechen in unerträglich­er Art und
Weise. Es entste­ht aber der Ein­druck, das „Helden- und Opfer­geschicht­en“
eher betra­chtet wer­den, als Fra­gen der indi­vidu­ellen und nationalen
Schuld.

Wir gedenken der Opfer des Faschis­mus!
Gegen jeden Revi­sion­is­mus
Deutsche Helden­mythen abschaf­fen

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