23. Juli 2007 · Quelle: ND

Zeichen gegen Monsanto

(Susanne Götze) Am Son­ntag ging das mit­tler­weile dritte gen­tech­nikfreie Woch­enende zu Ende. Wie jedes Jahr ließen es sich die Aktivis­ten der Ini­tia­tive Gen­dreck-weg nicht nehmen, sym­bol­isch Gen­ma­is­felder »zu befreien« – trotz eines mas­siv­en Polizeiaufge­botes.

»Wer Gen­mais sät, wird Wider­stand ern­ten« – dieser Wahlspruch thronte über dem Zelt­lager der Gen­tech­nikgeg­n­er im Bran­den­burg­er Dorf Wus­trow bei Bad Freien­walde. Friedlich aber entschlossen protestierten die aus ganz Deutsch­land angereis­ten Aktivis­ten vier Tage lang gegen die umstrit­tene Risikotech­nolo­gie. Höhep­unkt war der gestrige Aktion­stag mit ein­er Demon­stra­tion im ost­bran­den­bur­gis­chen Altreetz. Er begann am Mor­gen mit einem evan­ge­lis­chen Gottes­di­enst in der Dor­fkirche. Gegen Mit­tag lösten sich aus dem Zug einige hun­dert »Feld­be­freier« und drangen durch knöcheltiefen Schlamm auf die 70 Hek­tar großen Äck­er vor, um trotz eines Großaufge­bots von 570 Polizis­ten Pflanzen her­auszureißen. Einein­halb Hek­tar Gen­mais seien dabei zer­stört wor­den, teil­ten die Ini­tia­toren mit. Dabei seien »Beweis­mit­tel« ent­nom­men wor­den, um Strafanzeige gegen Mon­san­to zu stellen. Bei den Aktio­nen gab es auch zahlre­iche Fes­t­nah­men.

Im Vor­feld des gen­tech­nikfreien Camps hat­te der Saatgutkonz­ern sein­er­seits Unter­las­sungserk­lärun­gen an einige Aktivis­ten der Organ­i­sa­tion »Gen­dreck-weg« geschickt, in denen diese sich verpflicht­en soll­ten, bes­timmte Felder nicht zu betreten. Wie sich her­ausstellte, wussten die betr­e­f­fend­en Bauern, in deren Name Mon­san­to die Briefe schrieb, offen­bar gar nichts von dem Vorge­hen. »Wir haben let­zte Woche mit den Bauern gesprochen, um ihnen zu sagen, dass wir sie nicht per­sön­lich schädi­gen wollen, son­dern gegen die Gen­tech­nik an sich ein Zeichen set­zen wollen«, erk­lärte »Gen- dreck-weg«-Initiatorin Jut­ta Sun­der­mann. Dabei habe sich her­aus­gestellt, dass sie die rechtlichen Schritte gar nicht ver­an­lasst und von ihnen auch nichts gewusst hat­ten.

Den Gen­tech­nikkri­tik­ern lag viel daran, ger­ade die »Kol­le­gen« aus der Land­wirtschaft mit ihrer Posi­tion ver­traut zu machen. Am Sam­stagabend luden sie sämtliche Anwohn­er zu einem gen­tech­nikfreien Aben­dessen ein. Auch die Tage zuvor gin­gen Aktivis­ten mit Musik und Infor­ma­tio­nen von Haus zu Haus, um mit ihren »Nach­barn auf Zeit« ins Gespräch zu kom­men. »Wir wollen keinem schaden, schon gar nicht Bauern, von denen viele auch Teil unser­er Bewe­gung sind«, betonte Sun­der­mann. Dass am Fre­itag Unbekan­nte ein Plakat der Gen­tech­nikgeg­n­er zer­störten, sei eine Aus­nahme gewe­sen – im All­ge­meinen sei man auch hier vor Ort auf viel Ver­ständ­nis für die Proteste gestoßen.
Zu dem Camp selb­st kamen jedoch weniger Gen­tech­nikgeg­n­er als erwartet. Am Sam­stagabend zählten die Organ­isatoren knapp 500 Teil­nehmer, die Polizei war im Vor­feld von über 1000 aus­ge­gan­gen. Drei Tage lang hat­ten sich die Aktivis­ten auf den »Aktion­stag« am Son­ntag vor­bere­it­et – mit Feld­be­freiungstrain­ings, Work­shops und intern­er Organ­i­sa­tion. Nicht von unge­fähr erin­nerten die Vor­bere­itun­gen an die G8-Proteste in Ros­tock, nur dass hier nicht ein Zaun, son­dern ein Feld gestürmt wer­den sollte. Das Ambi­ente des idyl­lisch gele­ge­nen Basis­lagers machte hinge­gen einen ganz und gar nicht radikalen Ein­druck: Die blu­mengeschmück­ten Tis­che, bun­ten lebens­großen Pup­pen und frech-iro­nis­chen Spruch­bän­der ver­mit­tel­ten eher einen fast ökol­o­gisch-roman­tis­chen Ein­druck. Doch die Anti-Gen­tech­nik-Bewe­gung hat ein klares Ziel: ein weltweites Anbau­ver­bot von gen­tech­nisch verän­derten Pflanzen. Wie weit jed­er einzelne dafür zu gehen bere­it ist, ist aber sehr unter­schiedlich. Während einige »keine Lust« auf ein anhängiges Ver­fahren haben, stellen sich andere darauf ein, »für die Sache« festgenom­men zu wer­den.

Fakt ist, dass die Anti-Gen­tech­nik-Bewe­gung in der let­zten Zeit Erfolge ver­buchen kon­nte – nicht nur in Deutsch­land mit dem tem­porären Anbau­ver­bot der Mon­san­to-Mais­sorte Mon810. So berichtete Anto­nio Andreoli aus Brasilien von dem Zulas­sungsstopp der Mais­sorte Lib­ertyLink von Bay­er in seinem Land. Dort kämpften vor allem Land­lose, Öko- und Klein­bauern gegen den steigen­den Ein­fluss der Saatgutkonz­erne. »Die Grüne Gen­tech­nik zer­stört weltweit klein­bäuer­liche Struk­turen, fördert Groß­grundbe­sitzer und Monopol­bil­dung«, schimpfte der Agrar­wis­senschaftler. In seinem Land baue man vor allem genetisch verän­dertes Soja an. Ein Großteil der meist nach Europa exportierten Gen-Soja-Pro­duk­te sei stark her­bizid­be­lastet. »Gen­verän­derte Pflanzen sind Giftpflanzen«, zeigte sich Andreoli überzeugt. Deshalb sei es nur legit­im, dass weltweit Meth­o­d­en entwick­elt wür­den, um sich gegen die Ver­bre­itung der Grü­nen Gen­tech­nik zu wehren.

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