27. Mai 2003 · Quelle: Unabhängige ProzessbeobachterInnen

1.Prozesstag: Mord an Marinus Schöberl

NEURUPPIN Der Gerichtssaal des Neu­rup­pin­er Landgerichts war bis auf den let­zten Platz gefüllt. Es waren auch einige Men­schen die zumin­d­est zeitweise in Pot­zlow leben anwe­send .


Auf­fäl­lig, dass kaum VertreterIn­nen der recht­en Szene im Pub­likum befanden.Ebenso erwäh­nenswert ist es, dass die Eltern von Mar­i­nus Schöberl den Prozes­sauf­takt nicht ver­fol­gten, wie der Tagesspiegel berichtete.

 

Haupt­teil des ersten, von zehn ange­set­zten Prozessta­gen, in denen ca. 30 Zeug­In­nen gehört wer­den sollen, war die Ver­lesung der Anklageschrift.
Inhalt dieser Anklageschrift, der Auss­chluß der Öffentlichkeit während der Ver­lesung der per­sön­lichen Dat­en der Angeklagten, sind umfassend in der Presse beschrieben.
Eben­so die Erk­lärun­gen bzw. Geständ­nisse der drei Angeklagten.
Darauf gehen wir hier nicht weit­er ein.

 

Festzuhal­ten ist, ein ein­deutig recht­sex­tremer Hin­ter­grund der Tat. Als Beispiel, die Forderung der Täter, dass Mar­i­nus sich als Jude beken­nen sollte, was nicht den Tat­sachen entspricht. Staat­san­wältin Eva Hoffmeis­ter: „Aus Angst vor weit­eren Schlä­gen erk­lärte Mar­i­nus, er sei ein Jude, obwohl dies nicht zutraf“.

 

Nach dem ersten Prozesstag stellen sich für uns, als Prozess­beobach­terIn­nen, mehrere Fra­gen.

 

Was ist dran, an dem, was Petra Freiberg, die Lei­t­erin des Pot­zlow­er Jugend­clubs, der MAZ im Inter­view erzählte?
Zitat MAZ 27.05.03:

Die Päd­a­gogin weiß auch, was man sich im Dorf über das
schwierige Ver­hält­nis von Mar­cel zu seinem älteren Brud­er Mar­co erzählt — und was im Gerichtssaal so nicht gesagt wird.

“Die Jugendlichen bericht­en, Mar­cel habe Angst vor Mar­co gehabt”, sagt Petra Freiberg . “Dass Mar­cel kurz vor Mar­cos Haf­tent­las­sung sog­ar über­legt hat­te, von zu Hause auszureißen”. Möglicher­weise — doch das ist Speku­la­tion[…]

 

Hat­te Mar­cel Sch. einen Beweis­drang vor dem „beken­nen­den Neon­azi“ (Berlin­er Zeitung) Sebas­t­ian F. und dem „vorbe­straften Neon­azi“ (Berlin­er Mor­gen­post), wom­it sein Brud­er Mar­co Sch. gemeint ist?

 

Hät­ten die Augen­zeug­In­nen der Tat den Mord an Mar­i­nus ver­hin­dern kön­nen?
Die Zeu­ge­naus­sagen wer­den dies­bezüglich sehr inter­es­sant sein.

 

Wie war es über­haupt möglich diesen Mord in einem Ort wie Pot­zlow, „wo Jed­er Jeden ken­nt“, über Monate geheim zu hal­ten? Es lag anscheinend nicht nur daran, dass die drei Täter den Mord ver­schwiegen.

 

Warum fand die Polizei nicht die Schuhe von Mar­i­nus, welche die Täter ein­fach ins Gebüsch war­fen? Warum ergaben die Befra­gun­gen der Polizei bei Pot­zlow­er Bürg­erIn­nen nichts?

 

Wir sind auf die Strate­gie der Vertei­di­gung sehr ges­pan­nt. In Fernse­hin­ter­views war bere­its rauszuhören, dass die Tat ent­poli­tisiert wer­den kön­nte, was lei­der kein unbekan­ntes Vorge­hen ist.

 

Wir wer­den den Prozess weit­er ver­fol­gen und, wenn es uns notwendig erscheint, mit eige­nen Bericht­en die Presseartikel ergänzen.

 


 

Kein Vergeben – Kein Vergessen!

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