31. August 2004 · Quelle: Flüchtlingsrat Brandenburg

10 Jahre Flüchtlingsrat Brandenburg

Sieben Frauen sitzen 1994 beim Abend­brot zusam­men und beschließen: In Bran­den­burg muss ein Flüchtlingsrat her! Am 31.8.1994 tre­f­fen sich daraufhin ins­ge­samt 44 Men­schen in einem Gemein­der­aum in Pots­dam und grün­den den Flüchtlingsrat des Lan­des Bran­den­burg!

Wir über­leben nun schon seit Jahren in der Bran­den­burg­er Wüste, in der fast jedes Engage­ment für Flüchtlinge zu vertrock­nen dro­ht. Wir zeigen immer wieder unsere Stacheln. Das macht uns nicht immer beliebt und manche wollen nicht gern mit uns zu tun haben. Doch davon unbeir­rt bleiben wir unserem Kak­teen­da­sein treu und brin­gen für den, der sie sehen will, ansehn­liche Blüten zum Vorschein“ (Sabine Grauel, 2001)

In immer wieder unsicheren Struk­turen arbeit­et der Flüchtlingsrat mit seinem 1996 dazu gegrün­de­ten Fördervere­in – und lei­der ist seine Arbeit unverän­dert weit­er­hin nötig! Kon­nte der Flüchtlingsrat immer wieder einzelne Erfolge zur Verbesserung der Sit­u­a­tion von Flüchtlin­gen erzie­len, so bleiben einige der Prob­leme lei­der unverän­dert beste­hen. Aus diesem Grunde gilt es, sich weit­er stark und unver­wüstlich für Flüchtlinge im Land Bran­den­burg einzuset­zen!

Was also tut der Flüchtlingsrat? Er set­zt sich ein für die Verbesserung der Beratungssi­t­u­a­tion von Flüchtlin­gen. Es fehlt eine unab­hängige Ver­fahrens­ber­atung in der Erstauf­nahme und es herrscht ein Man­gel an pro­fes­sionellen Beratungsstellen; die soziale Ver­sorgung muss verbessert wer­den: keine Sach­leis­tun­gen – keine Unter­bringung in weit abgele­ge­nen Heimen – keine Res­i­den­zpflicht — weg mit struk­turellem Ras­sis­mus auf Ämtern und Behör­den; er kri­tisiert die Abschiebeprax­is in Bran­den­burg- immer noch wird in dik­ta­torische Län­der wie Togo u.ä. abgeschoben! Der Flüchtlingsrat fordert ein Recht auf Bleiberecht für lang hier lebende Flüchtlinge. Eine Härte­fal­lkom­mis­sion mit Vertretern aus NGOs, Wohlfahrtsver­bän­den und Kirche muss ein­gerichtet wer­den. Die Zusam­me­nar­beit mit den gren­z­na­hen Län­dern im Zusam­men­hang mit der EU-Oster­weiterung wird aus­ge­baut zur Beobach­tung von Rückschiebun­gen und Ket­ten­ab­schiebun­gen. In der Flüchtlingsar­beit tätiger Men­schen und Grup­pen wer­den ver­net­zt, Weit­er­bil­dung- und Qual­i­fizierung- und Infor­ma­tio­nen wer­den gebün­delt und ange­boten. Der Flüchtlingsrat begleit­et und unter­stützt die Zusam­me­nar­beit mit Flüchtlings­selb­sthil­fe­or­gan­i­sa­tio­nen. Er ist vertreten in regionalen und bun­desweit­en Gremien zu Flüchtlings­the­matik und Mit­glied in der Bun­de­sar­beits­ge­mein­schaft PRO ASYL.

Und ein­mal im Jahr ver­lei­ht der Flüchtlingsrat an diejeni­gen eine beson­dere Ausze­ich­nung, die sich im struk­turellen und sys­tem­inter­nen Ras­sis­mus her­vor­ge­tan haben: den DENKZETTEL.

Immer wieder wer­den dem Flüchtlingsrat Steine in den Weg gelegt, sei es finanziell oder poli­tisch. Doch solange die Ver­lei­hung von DENKZETTELN nötig ist, ist auch die Arbeit des Flüchtlingsrats Bran­den­burg uner­lässlich!

Auf weit­ere 10 Jahre lautes und unbeugsames Engage­ment für
Flüchtlinge im Land Bran­den­burg!

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