31. Januar 2004 · Quelle: Inforiot

100 Neonazis demonstrierten fast ungestört

INFORIOT Rund 100 Neon­azis haben am Fre­itag Abend in Belzig fast ungestört demon­stri­eren kön­nen. Dem Auf­marsch der Recht­en, die den Jahrestag der Machtüber­gabe an die Nazis 1933 feierten, stell­ten sich nur kurzzeit­ig etwa 80 Bürg­erIn­nen auf der Höhe des Mark­t­platzes ent­ge­gen. Das bericht­en lokale AktivistIn­nen.

Die Demo ein­er so genan­nten “Nationalen Aktion­s­ge­mein­schaft Freies Deutsch­land (NAG/FD) stand unter dem Mot­to
“Arbeit, Frei­heit, Brot” und war ursprünglich als Fack­el­marsch geplant. Dies scheit­erte an polizeilichen Aufla­gen. Let­z­tendlich zogen die Neon­azis vom Bahn­hof aus durch das Stadt­ge­bi­et — es gab keine Trans­par­ente, eben­sowenig wur­den Sprechchöre oder ähn­lich­es gerufen. Nur der Recht­srock und die Neon­azi-Bal­laden, die aus dem Laut­sprecher­wa­gen liefen, gaben einen Hin­weis auf die Aus­rich­tung der Demo. Die Anti­nazi-Kundge­bung am Markt — organ­isiert vom Info­café Der Winkel hat­te etwa 80 Teil­nehmer. Als die Neon­azis vor­beizo­gen, wur­den ihnen Schilder wie “Nie wieder Faschis­mus” ent­ge­genge­hal­ten und “Nazis raus” gerufen.

Hin­ter der recht­en Demon­stra­tion stand als Anmelder der lokale Neon­azi Pas­cal Stolle von der “Preußis­chen Aktions­front”. Stolle ver­büßte wegen sein­er Beteili­gung an einem schw­eren, recht­sex­trem motivierten Über­griff eine mehrjährige Gefäng­nis­trafe, war aus Belzig zu hören. Mit von der Par­tie war am Fre­itagabend auch Mario Schulz, der kür­zlich zurück­ge­tretene NPD-Lan­deschef.

Bere­its im Novem­ber let­zen Jahres — zum Jahrestag der Reich­s­pogrom­nacht — hat­te es in Belzig einen neon­azis­tis­chen Auf­marsch gegeben. Auch damals war die “Preußis­che Aktions­front” Ver­anstal­ter der Demo. Pas­cal Stolle zog seine Demoan­mel­dung damals zurück, ein Mario Gendt über­nahm sie. Neben dem Datum des Auf­marschs wies das Mot­to “Heimat, Arbeit, Zukun­ft in einem nationalen und sozial­is­tis­chen Deutsch­land” überdeut­lich auf die NS-Sym­pa­thien der Ver­anstal­ter hin. Es nah­men ins­ge­samt knapp 60 Neon­azis teil, unter ihnen Mario Schulz, der als Red­ner auf­trat. Einen Monat vor dem Auf­marsch, am 5. Okto­ber 2003, hat­te es einen schw­eren Bran­dan­schlag auf das Info­café Der Winkel, einem Infozen­trum gegen Recht­sex­trem­is­mus und Gewalt gegeben.

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