18. Oktober 2006 · Quelle: Soligruppe Potsdam

12. Prozesstag im Potsdamer Antifa-Prozess

Der heutige Prozesstag begann mit der Vernehmung des Zeu­gen Christoph Kellner.
Dieser war im Juni let­zten Jahres noch Kell­ner im Cafe Hei­der, als solch­er stand er
hin­ter dem Tre­sen und sah durch die geöffnete Terassen­tür, wie ein Men­sch um die
Ecke des Cafes ger­an­nt kam und zu Boden fiel, danach sah er noch eine Gruppe von 4–5
dunkel gek­lei­de­ten Per­so­n­en, die auf diese Per­son eingeschla­gen hät­ten. Diese Gruppe
flüchtete dann recht schnell in Rich­tung Hege­lallee, ein­er der anwe­senden Gäste,
Robert Manzke, hätte dann die Ver­fol­gung aufgenom­men und auch einen der Täter
einge­holt und fest­ge­hal­ten. Kell­ner sei dann aus dem Cafe her­aus­gekom­men und hätte
von dort gese­hen, wie sich um Manzke herum, auf den Gleisen vor dem Nauner Tor, eine
recht große Gruppe von Men­schen ver­sam­melt hat. Diese Gruppe beschrieb er vor
Gericht als zu groß, als dass sie nur aus den TäterIn­nen hätte beste­hen kön­nen, es
seien auch aus anderen Rich­tun­gen Men­schen dazu gekommen. 

Der zweite Zeuge war Ste­fan Kriek, dieser gab an gese­hen zu haben wie eine Per­son um
die Ecke des Cafe Hei­der ger­an­nt kam und eine Gruppe von 4–5 ver­mummten Personen
hin­ter­her kam. Die erste Per­son sei dann gefall­en und die schwarz gek­lei­de­ten und
ver­mummten Per­so­n­en hät­ten sie umringt, eine Per­son aus dieser Gruppe hätte auf das
Opfer mit einem schwarzen, dün­nen Gegen­stand eingeschla­gen und zwar mehrfach und
stark. Die Gruppe sei dann in Rich­tung Hege­lallee geflüchtet, Manzke sei dann
hin­ter­herg­er­an­nt und hätte eine Per­son fest­ge­hal­ten, die jedoch nicht der oben
genante Men­sch mit dem Schlag­stock sei. Während dieser Flucht seien allerd­ings noch
min. 3 schwarz gek­lei­dete Per­so­n­en dazugekom­men. Kriek gab weit­er an, gese­hen zu
haben wie Jansa, der seinem Kol­le­gen Manzke zur Hil­fe eilte, eine Ausholbewegung
machte, den konkreten Schlag hätte er nicht gese­hen, gehe jdeoch von ein­er Ohrfeige
aus. Hier­nach kam die Vor­sitzende Rich­terin auf die Idee, dass es nicht ausreichend
sei, wenn sie die einge­zo­ge­nen Bek­lei­dungsstücke [Jack­en, Sturmhaube, Sonnenbrillen
etc] den Zeu­gen nur zeige, son­dern sich ein­er der Angeklagten zumin­d­est eine
Son­nen­brille und eine Sturmhaube auf­set­zen solle, damit sich das der Zeuge besser
vorstellen könne. Da die Anwältin dage­gen protestierte und angab, dass eben­so gut
auch sie sich diese Ver­mum­mung anle­gen könne, zur all­ge­meinen Verdeut­lichung, wurde
dies dann genau­so gehand­habt- und so saß dann schlußendlich eine voll vermummte
Anwältin im Gerichtssaal.
Hier­nach wurde dann zunächst ein Attest einge­führt, dieses belegt, dass Julia sich
am 19.06 in das St. Josephs Kranken­haus begab und dort ein Hämatom und der Verdacht
auf ein Schädel-Hirn-Trau­ma diag­nos­tiziert wurde. Hier­nach ver­las Julia noch einmal
die e‑mail welche sie noch am sel­ben tag ein­er Bekan­nten schrieb und darin den
Her­gang dieses Abends aus ihrer Sicht schildert. 

Als let­zter Zeuge für den heuti­gen Tag wurde dann Hagen T. ver­nom­men. Dieser gab an,
an diesem Abend mit einem Bekan­nten in der Kneipe Hafthorn gewe­sen zu sein, von dort
woll­ten sie sich dann ins La Lean­der begeben. Unter­wegs hät­ten sie dann Julia und
eine weit­ere Gruppe von Men­schen, welche er schon vorher kan­nte, getrof­fen, diese
sei auf der Friedrich-Ebert-Straße in Rich­tung Nauner Tor ger­an­nt. Da seien sie dann
mit dem Fahrrad hin­ter­herge­fahren, auf Höhe des Nauner Tors dann, sah der Zeuge wie
eine recht schmächtige Per­son fest­ge­hal­ten wurde, von eher kräftig gebaut­en Männern.
Die anderen dunkel gek­lei­de­ten Per­so­n­en hätte auf diese Män­ner ein­gere­det bzw.
eingeschrien, dass sie den Fest­ge­hal­te­nen loslassen sollen. Ein­er der Kell­ner, hätte
dann Julias Oberkör­p­er nach unten gedrückt und ihr mit dem Knie oder der Faust
Schläge ver­set­zt. Hagen T. hätte während dieser Zeit ver­sucht her­auszufind­en um was
es bei dieser Angele­gen­heit eigentlich ging, hätte aber dies­bezüglich auch von
umste­hen­den keine befridi­gende Antwort bekom­men. Nach ein paar Minuten, sei dann die
Polize gekom­men. Bei dieser gab der Zeuge an, was er gese­hen hat­te und sah hiernach
auch noch ein­mal Julia auf der anderen Straßen­seite ste­hen, mit ein­er Beule “bish­er
nicht­gekan­nten Ausmaßes”. 

Die Ver­hand­lung wird am 18.10 um 14.15 fort­ge­set­zt wer­den. Da an diesem Tag um neun
noch zwei weit­ere Prozesse am Amts­gericht und am Landgericht ange­set­zt sind, rechnen
wir mit ein­er recht starken Präsenz von Neon­azis. Bei dem Prozess am Landgericht
wird ein Über­fall von Neon­azis [u.a. Oliv­er Oeltze] auf zwei Jugendliche verhandelt,
der sich am gle­ichen Tag abspielte wie die Tat die in unserem Prozess verhandelt
wird. Bei dem zweit­en Prozess wird der Über­fall auf eine Konz­ert­bühne in
Königswuster­hausen ver­han­delt, auf dieser schliefen zur Tatzeit noch Menschen.

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