16. Februar 2005 · Quelle: Indymedia

28. Montagsdemo in Jüterbog

(Indy­media; Michael Mau­r­er) Am 14.02.2005 um 16:00 Uhr ver­sam­melten sich ca. 100 bis 120 Men­schen vor dem Kreistags­ge­bäude des Land­kreis­es Tel­tow-Fläming. Die Jüter­boger Mon­tags­demon­stran­ten hat­ten anlässlich des “Tag der Rechen­schaft” ihre 28. Mon­tags­demon­stra­tion an diesen Ort ver­legt, da an diesem Tag eine Sitzung des Kreistags stat­tfand und dort eine größere Ansamm­lung von SPD-Poli­tik­ern anwe­send war.

Michael Mau­r­er ver­las noch ein­mal den Aufruf zum “Tag der Rechen­schaft” und zitierte anschließend in weit­en Teilen sein­er Rede aus­gerech­net den CDU-Poli­tik­er Hein­er Geissler um den “Sozialdemokrat­en” zu verdeut­lichen wie sehr sie sich von ihrer ure­igen­sten Klien­tel ent­fer­nt haben und den Kam­pag­nen der Arbeit­ge­berver­bände auf den Leim gegan­gen sind:

“Das Tri­umphge­heul des Bun­desver­ban­des der Deutschen Indus­trie über die Bil­liglohnkonkur­renz aus dem Osten noch in den Ohren, müssen mar­gin­al­isierte und von der Mar­gin­al­isierung bedro­hte Men­schen sich vom poli­tis­chen und ökonomis­chen Estab­lish­ment als Neon­azis und Kom­mu­nis­ten beschimpfen lassen, wenn sie radikale Parteien wählen, weil es keine Oppo­si­tion mehr gibt und sie sich mit ein­er Großen Koali­tion kon­fron­tiert sehen, die offen­sichtlich die Repub­lik mit einem Met­zger­laden ver­wech­selt, in dem so tief ins soziale Fleisch geschnit­ten wird, dass das Blut nur so spritzt.”

Ein Gew­erkschaftsmit­glied und Mit­glied von Attac-Zossen machte eine Ini­tia­tive bekan­nt welche zum Ziel hat konkrete Fak­ten zu sam­meln bei welchen ALG II-Empfänger von der zuständi­gen Armuts­be­hörde ungerecht behan­delt oder benachteiligt wur­den.

Anschließend ergriff ein Red­ner aus Treb­bin das Wort und ging auf das derzeit öffentlich geführte Medi­enthe­ater bezüglich NPD-Ver­bots ein.

Im weit­eren Ver­lauf der Kundge­bung wurde das, bei den Jüter­bogern beliebte, Spot­tlied auf Ger­hard Schröder nach der Melodie von Brud­er Jakob gesun­gen, Parolen skandiert und laut­stark von der Trillerpfeife Gebrauch gemacht.

Plöt­zlich erschien der Lan­drat Peer Giesecke gefol­gt von seinem Kreistagsvor­sitzen­den Klaus Bochow, auf der Bild­fläche. Bei­de wur­den mit einem Trillerpfeifkonz­ert und Rufen wie “Arbeit­er­ver­räter” so begrüßt, wie es von Mon­tags­demon­stran­ten nicht anders zu erwarten war. Auf seine scherzhafte Frage, ob er das Pfeifen per­sön­lich nehmen solle, ern­tete er große Zus­tim­mung und ver­stärk­tes Pfeifen bei den Demon­stran­ten. Seine Frage an die eben­falls anwe­sende PDS-Poli­tik­erin Marit­ta Böttch­er, “Warum pfeifen deine Leute mich aus?” zeugte entwed­er von großer Dummheit oder von großer Igno­ranz den Mon­tags­demon­stran­ten gegenüber. Denn obgle­ich die PDS-Poli­tik­erin die Mon­tags­demon­stran­ten von Anfang an her­vor­ra­gend unter­stützt, sind die Demon­stran­ten wed­er ihr Eigen­tum noch tanzen sie nach ihrer Pfeife. Dass es sich bei den Mon­tags­demon­stran­ten um freie Bürg­er, quer durch alle Parteizuge­hörigkeit­en und Weltan­schau­un­gen han­delt, hat der Lan­drat offen­bar noch nicht begrif­f­en.

Nun begann sich eine Diskus­sion zwis­chen dem Lan­drat und eini­gen Mon­tags­demon­stran­ten zu entwick­eln, bei welch­er der Lan­drat geschickt seine Fachkom­pe­tenz als Ver­wal­tungs­men­sch in den Vorder­grund schieben kon­nte, um so bei den Demon­stran­ten langsam aber sich­er “die emo­tionale Luft rauszu­lassen”. Denn auf diesem Ter­rain war er sich­er und die Mon­tags­demon­stran­ten kon­nten nur ver­lieren. Die üblichen Sprüche von wegen “Nachbesserun­gen”, “Anlauf­schwierigkeit­en”, “sich der Sache annehmen” usw. ken­nen wir ja schon vom Kan­zler und Kon­sorten zur Genüge.

So griff denn Michael Mau­r­er mit den, an den Lan­drat gerichteten, Worten “Er solle nicht so einen Schwachsinn daherre­den.” in das Geschehen ein, was ihm der Lan­drat ver­ständlicher­weise sehr übel nahm, aber das Protest­geschehen wieder auf die emo­tionale Ebene brachte. Michael Mau­r­er sagte ihm noch, sin­ngemäß, das wir nicht gegen die Ver­wal­tungs­maß­nah­men der “Arbeits­ge­mein­schaft” Land­kreis Tel­tow-Fläming und der Arbeit­sämter Luck­en­walde, Zossen etc., protestieren, son­dern gegen die Partei der Arbeit­er­ver­räter SPD, die diesen beispiel­losen sozialen Kahlschlag erst möglich gemacht hat, und deren Mit­glied er ist. Darauf wollte der Lan­drat dann lieber doch nichts mehr ent­geg­nen und zog mit seinem Adla­tus von dan­nen.

Anschließend, so gegen 16:50 Uhr been­dete Michael Mau­r­er offiziell die 28. Mon­tags­demon­stra­tion. Unmit­tel­bar darauf zogen ca. 30 bis 40 Demon­stran­ten in den Sitzungssaal des Kreistages ein, um in der “Bürg­er­frages­tunde” ihre Fra­gen an den Land­kreis Tel­tow-Fläming zu richt­en.

Mit sol­i­darischen Grüßen

Michael Mau­r­er

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