14. Juli 2002 · Quelle: zelle79

5. Ostdeutscher Kulturtag des BdV — Proteste verhindert

Wir woll­ten uns gestern, am Sam­stag, dem 13. Juli 2002 mit eini­gen Men­schen am Cot­tbuser Messe- und Tagungszen­trum (CMT) ein­find­en, um gegen den unter dem Mot­to “Recht auf Heimat” stat­tfind­en­den 5. Ost­deutschen Kul­turtag des Bun­des der Ver­triebe­nen (BdV) zu protestieren.

Die auf dieser Ver­anstal­tung artikulierte deutsch-völkische Ver­bohrtheit und das völ­lig ein­seit­ige, die deutschen Ver­brechen der Naz­izeit bagatel­lisierende Welt­bild der Ver­triebe­nen und ihre bis heute fehlende Abgren­zung zu Anti­semiten und Recht­sex­trem­is­ten, woll­ten wir nicht unwider­sprochen hin­nehmen.

Doch die Polizei stoppte die zehn Per­so­n­en auf dem Weg zum Messezen­trum in Höhe des Strom­bades. Nach­dem die Beamten Per­son­alkon­trollen durchge­führt hat­ten, welche keine ver­dacht­ser­här­tenden Indizien ergaben, wurde den betr­e­f­fend­en Per­so­n­en trotz­dem das Demon­stri­eren ver­sagt und ein Platzver­bot für den Spreeauen­park und das Messezen­trum erteilt. Wir ver­muten, daß die Stadt mit einem protest­freien Ablauf ihr Image polieren wollte, wobei sie die Grun­drechte stark ein­schränk­te. Denn ein öffentlich­er poli­tis­ch­er Protest war uns so nicht mehr möglich. Wir kri­tisieren das Ver­hal­ten der Polizei und verurteilen das Vorge­hen.

Wie sehr die Forderun­gen des BdV in der deutschen Gesellschaft mit­tler­weile mehrheits­fähig sind, zeigt nicht nur, dass dieses Tre­f­fen mit der Bere­it­stel­lung des CMT in der Stadt Cot­tbus wohlwol­lend aufgenom­men wird, son­dern auch den Umgang mit den Berufsver­triebe­nen im derzeit­i­gen Bun­destagswahlkampf. Diese kön­nen sich, das zeigt auch die Red­nerliste dieser Ver­anstal­tung, ein­er bre­it­en Front an Zus­tim­mung (von CDU über SPD bis Grüne) sich­er sein, wenn sie unver­hohlen die Abschaf­fung der Benes-Dekrete und der damit ver­bun­den Entschädi­gung für die Sude­tendeutschen fordern. Über die Tat­sache, dass der 2. Weltkrieg von deutschem Boden aus­ging und die Sude­tendeutschen, welche in ein­er großen Mehrheit Hitler unter­stützten, somit also die Naziokku­pa­tion in der Tsche­choslowakischen Repub­lik vor­bere­it­eten, wird genau­so geschwiegen, wie über die deutschen Ver­brechen der Ger­man­isierungs- und Ver­nich­tungspoli­tik während des Krieges, der Repres­sion gegenüber der Zivil­bevölkerung in den beset­zten Gebi­eten, der mil­lio­nen­fachen Ver­schlep­pung von Zwangsar­beit­ern und Ermor­dung von Juden, Sin­ti und Roma.

Analoges gilt für den Umgang mit den pol­nis­chen Bierut- Dekreten.

Die bewusst betriebene Entsorgung dieses Teils der deutschen Geschichte ist nötig bei Kon­sti­tu­ierung eines Nationalmythos, der vom Lei­den der Deutschen aus­ge­ht und Täter zu Opfern macht.

Wir protestieren gegen eine Ver­harm­lo­sung von Naziver­brechen, gegen Revan­chis­mus und Geschicht­sre­vi­sion­is­mus, gegen eine Nor­mal­isierung deutsch­er Geschichte.


Vere­in für ein mul­ti­kul­turelles Europa e.V.

Parzel­len­straße 79

03046 Cot­tbus

Tel.: 0355 / 797587

Fax.: 0355 / 4837654

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