25. April 2009 · Quelle: Antifa Westhavelland

Abfuhr in Treuenbrietzen

Erheblicher Protest gegen NPD Mahnwache in der mittelmärkischen Kleinstadt

Es war ein­deutig nicht der Tag der NPD, jen­er heutige Sam­sta­gnach­mit­tag im mit­telmärkischen Treuen­bri­et­zen. Mit soviel Protest in ein­er bran­den­bur­gis­chen Kle­in­stadt, mit­ten im Fläming und weitab von Berlin, hat­te offen­bar nicht ein­mal die regionale Polizeiführung gerech­net, so dass den weni­gen Beamten die Anspan­nung zwis­chen den Fron­ten deut­lich anzumerken war.

Immer wieder mussten sie den ver­lore­nen, offen­bar aus ganz West­bran­den­burg zusam­mengetrom­melten, Naz­i­haufen vor den wüten­den und laut­starken Gegen­demon­stran­ten schützen. Nein, die NPD und vor allem ihre (neo)nazistischen Phrasen wollte hier kein­er hören.

In einem Aufruf hat­te der Bürg­er­meis­ter und alle Stadtverord­neten zum Bürg­er­protest aufgerufen und den (Neo)nazis auch durch zahlre­iche sym­bol­is­che Aktio­nen bere­its im Vor­feld sig­nal­isiert, dass sie hier nicht willkom­men sind. “NPD bei uns: uner­wün­scht” oder “Hier ist kein Platz für Nazis: Treuen­bri­et­zen zeigt Nazis die kalte Schul­ter” war so auf Ban­nern an Gebäu­den zu lesen. Ein offen­bar zuerst angedachter Auf­marsch­punkt der Nazis wurde kurz­er Hand in eine Baustelle ver­wan­delt und der Ver­anstal­tung­sort der NPD neben einen großen Müll­con­tain­er ver­legt.

Eine halbe Stunde später als angemeldet und bere­its von 80 Gegen­demon­stran­ten erwartet, traf dann gegen 12.30 Uhr die Fahrzeugkolonne der NPD am Kundge­bung­sort ein. Sicht­bar ori­en­tierungs­los und erst nach dem ver­stre­ichen von weit­eren 15 Minuten gelang es den (Neo)nazis schließlich ihre Rei­hen zu ord­nen, die Wehrma­chtssym­bole auf ihrem Laut­sprecher­wa­gen zu verdeck­en und unter den Klän­gen von Wag­n­er mit ihrer “Mah­nwache” zu begin­nen.

Nach dem entrollen des Front­ban­ners, mit dem Mot­to: “Zer­schlagt die Lüge, die auf dem Rück­en unser­er Toten lastet!”, und der Ver­lesung der polizeilichen Aufla­gen durch den Vor­sitzen­den des NPD Kreisver­band Hav­el — Nuthe, Michel Müller, hielt der Vor­sitzende der “Jun­gen Nation­aldemokrat­en” (JN) in Sach­sen Anhalt, Andy Knape, einen ersten Rede­beitrag. Hierin stellte er die Erschießung von Zivilis­ten durch Sol­dat­en der Roten Armee im April und Mai 1945 in Treuen­bri­et­zen — der Anlass der NPD Ver­anstal­tung am heutige Tage — als exem­plar­isch für “die vie­len toten Deutschen”, die dem “Bolschewis­mus” zum Opfer fie­len, dar .

Über die Erschießung von ital­ienis­chen Mil­itärin­ternierten am 23. April 1945 in ein­er Kies­grube in der Nähe der Stadt durch ein Wehrma­cht­skom­man­do oder die Depor­ta­tion und Ver­nich­tung der Juden ver­lor Knape hinge­gen kein Wort. Im Gegen­teil, in dem der Sach­sen-Anhaltin­er JN Vor­sitzende den sow­jetis­chen Schrift­steller Ilja Ehren­burg, der wegen sein­er  Kamp­faufrufe während des Krieges bei den Nazis gefürchtet war, zitierte und ihn pos­tum als “jüdis­chen Pro­pa­gan­dis­ten” beschimpfte, ver­suchte er mit Hil­fe dieses Beispiels aus Opfern Täter zu machen und somit let­z­tendlich die Ver­brechen des Nation­al­sozial­is­mus zu rel­a­tivieren.

Ein weit­er­er Red­ner aus Pots­dam — Mit­tel­mark, der nach wieder­holter Beschal­lung des Platzes mit der Musik des Anti­semiten Wag­n­er das Wort ergriff, het­zte eben­falls gegen den “jüdis­chen Ilja Ehren­burg”, kon­nte sich jedoch gegen die Gegen­demon­stran­ten am Rande der Ver­anstal­tung nicht durch­set­zen.  Laut­stark störten sie seine bei­den Rede­beiträge, so dass der het­zende (Neo)nazi kaum noch ver­ständlich war. Unbekan­nte war­fen zudem mehrere Rauch­bomben in den Nazip­ulk und sprengten damit beina­he die Kundge­bung.

Let­z­tendlich löste sich die Ver­anstal­tung aber dann doch von sel­ber auf und die unge­fähr 50 aus den bran­den­bur­gis­chen Land­kreisen Havel­land, Ober­hav­el, Ost­prig­nitz Rup­pin, Pots­dam, Pots­dam — Mit­tel­mark und Tel­tow — Fläming angereis­ten (Neo)nazis ver­schwan­den wieder in ihre Heima­torte.

Zurück blieben die Treuen­bri­et­zen­er, die, laut Aus­sagen ihres Aufrufs, schon seit Jahren bemüht sind, sowohl mit Abge­sandten aus Ital­ien als auch mit Ruß­land eine “Ver­söh­nung über den Gräbern” zu prak­tizieren und in ihnen “echte Part­ner in der Geschicht­sa­u­far­beitung” gefun­den haben.

weit­ere Fotos hier

 

 

 

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