5. September 2005 · Quelle: Antiras

Abschiebung stoppen! Abschiebepraxis angreifen!

Aufruf zur Demon­stra­tion gegen die unmit­tel­bar bevorste­hende Abschiebung
der kur­dis­chen Fam­i­lie Kut­lu aus Neuruppin.

Dien­stag, 6. September

15.00 Uhr Kundge­bung vor der Aus­län­der­be­hörde (Hein­rich-Rau-Str. 27–30 (am Union — kino)
14.00 Uhr Tre­f­fen am Bus­bahn­hof, um gemein­sam das Amt aufzusuchen

Das Schick­sal der kur­dis­chen Fam­i­lie Kut­lu scheint besiegelt. Noch in
diesem Monat soll die fün­fköp­fige Fam­i­lie aus Neu­rup­pin in die Türkei
abgeschoben werden.

Seit fast 10 Jahren leben Celal und Fat­ma mit den vier Söh­nen in
Neu­rup­pin. Seit drei Jahren sind sie akut von ein­er Abschiebung in die
Türkei bedro­ht. Im August kam dann die Auf­forderung der Ausländerbehörde,
Kut­lus hät­ten Deutsch­land bis Ende des Monats zu ver­lassen. Wegen
fehlen­der Papiere aus der Türkei sei das Abschiebe­da­tum noch mal auf
unbes­timmte Zeit, sich­er aber zum Ende des Monats Sep­tem­ber, verschoben
wor­den. Mit der Begrün­dung, alle Rechtsmit­tel seien aus­geschöpft, lehnt
der zuständi­ge Lan­drat Chris­t­ian Gilde eine Ver­ant­wortlichkeit ab und
über­lässt die „Fall“bearbeitung der Neu­rup­pin­er Ausländerbehörde.

In der Ungewis­sheit des genauen Abschiebeter­mins unter­liegt die Familie
jet­zt ein­er wöchentlichen Meldepflicht. Nach Bekan­nt­gabe des genauen
Ter­mins haben Kut­lus dann drei Tage Zeit um ihre Woh­nung aufzulösen, Ihr
Gepäck von max­i­mal 20 kg pro Per­son zu pack­en und sich von Freunden,
Bekan­nten und in Deutsch­land leben­den Kindern und Enkeln zu verabschieden.

Celal Kut­lu war in der Türkei auf­grund seines poli­tis­chen Engage­ments in
ein­er kur­dis­chen Partei ver­fol­gt und inhaftiert wor­den. Alle anderen
männlichen Fam­i­lien­mit­glieder kamen durch die Repres­sio­nen des türkischen
Staates ums Leben. Die Fam­i­lie flüchtete aus der Türkei und kam 1996 nach
Deutsch­land. In Neu­rup­pin stell­ten sie einen Asylantrag.

Vater Celal fand in Neu­rup­pin Arbeit, die Kinder gin­gen bzw. gehen hier
zur Schule. Fat­ma ist durch die Ver­fol­gung in der Türkei schwer
trau­ma­tisiert und befind­et sich wegen schw­er­er Depres­sio­nen in ärztlicher
Behand­lung. Sie hat mehrere Suizid­ver­suche hin­ter sich und die momentane
ungewisse Sit­u­a­tion hat ihre Krankheit weit­er verschlimmert.
Für Mah­mut (13) und Mehmet (14), die noch nie bewusst in der Türkei waren,
bedeutet die Abschiebung die Her­aus­lö­sung aus ihrem sozialen Umfeld und
die „Rück­kehr“ in ein Land, dessen Lan­dessprache sie kaum sprechen und wo
sie nie­man­den ken­nen. Auf­grund der andauern­den psy­chis­chen Belastungen
ihres ungesicherten Aufen­thaltssta­tus sind auch bei­de Söhne traumatisiert.
Mehmet, der durch einen schw­eren Autoun­fall vor neun Jahren in seiner
geisti­gen und seel­is­chen Entwick­lung beein­trächtigt ist, ist auf spezielle
Betreu­ung und Lern­hil­fe angewiesen. Ein deutsch­er Aut­o­fahrer hat­te den
damals sech­sjähri­gen ange­fahren, der mit schw­eren Kopfver­let­zun­gen mehrere
Wochen im Koma lag und bis heute mit den kör­per­lichen und geisti­gen Folgen
leben muss.

Eine Abschiebung in die Türkei hat zur Folge, dass sowohl die Behandlungen
von Mehmet als auch von Fat­ma abge­brochen wer­den müssen.

Die Ver­logen­heit, der so typ­isch deutschen Forderung nach Integration
aus­ländis­ch­er Mit­men­schen, wird in Neu­rup­pin ger­ade deut­lich­er den je.
Während die Aus­län­der­beauf­tragte ger­ade medi­en­wirk­sam im Rah­men der „Woche
des aus­ländis­chen Mit­bürg­ers“ von einem Ter­min zum näch­sten eilt, bleibt
keine Zeit die Abschiebeprax­is der Neu­rup­pin­er Aus­län­der­be­hörde im
speziellen und die Unmen­schlichkeit des deutschen Asyl­rechts im
all­ge­meinen anzu­greifen. Fam­i­lie Kut­lu ist bere­its die zweite Fam­i­lie die
im August ihre Aus­reiseauf­forderung von der Neu­rup­pin­er Ausländerbehörde
erhal­ten hat. Eine andere Fam­i­lie ist bere­its in ihr vermeintliches
„Heimat­land“ abgeschoben worden.

Wir fordern: Bleiberecht für Alle!

Am Dien­stag, den 06. 09. 2005 um 15 Uhr find­et deshalb in Neu­rup­pin eine
Kundge­bung gegen Abschiebung und die unmenschliche
Sach­bear­beitungs­men­tal­ität der Aus­län­der­be­hör­den statt. Tre­ff­punkt ist
14:00 Uhr am Bus­bahn­hof in Neuruppin.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Beiträge aus der Region

Bran­den­burg an der Hav­el — Nun schon seit über einem Jahr hat uns die Coro­na-Pan­demie fest im Griff. Täglich ster­ben­Men­schen und viele weit­ere lei­den unter den Spät­fol­gen ein­er Erkrankung. Im Gesund­heitssek­torar­beit­en Tag und Nacht schlecht bezahlte Pflegekräfte für die Gesund­heit von uns allen undriskieren dabei ihre eigene psy­chis­che und physis­che Gesund­heit. Blanker Hohn muss es für sie sein, wenn Coronaleugner:innen ständig in Massen durch die Straßen­ziehen und dabei keine Rück­sicht nehmen auf Abstand und das Tra­gen von Masken.
Bran­den­burg an der Hav­el — Erneut ver­sam­melt die sich die Quer­denkerini­tia­tive „Bran­den­burg ste­ht auf“ am Mon­tag 26.04. um 19:00 Uhr auf dem Neustädtis­chen Markt. Das Alter­na­tive Schul­bünd­nis Bran­den­burg ruft zu ein­er Gegenkundge­bung zur gle­ichen Zeit auf dem Kathari­nenkirch­platz auf.
Geflüchtete in Brandenburg/Havel machen Spon­tan-Kundge­bung vor der Aus­län­der­be­hörde. Sozialamt und DRK nehmen Gespräch­sange­bot an. Inte­gra­tions­beauf­tragte von Stadt und Land vor Ort.

Opferperspektive

Logo de rOpferperspektive Brandenburg

NSUwatch Brandenburg

Polizeikontrollstelle

Logo der Polizeikontollstelle - Initiative zur Stärkung der Grund- und Bürgerrechte gegenüber der Polizei

Netzwerk Selbsthilfe

Termine für Potsdam

Termine für Berlin

Suche

  • Kategorien


  • Regionen



Inforiot